{"id":693,"date":"2009-02-03T14:11:57","date_gmt":"2009-02-03T13:11:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/?p=693"},"modified":"2014-12-24T14:15:18","modified_gmt":"2014-12-24T13:15:18","slug":"herbsttoern-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/?p=693","title":{"rendered":"Herbstt\u00f6rn 2014"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/PA110040-50.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-696 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/PA110040-50-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/PA110040-50-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/PA110040-50-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/PA110040-50.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><strong>Ein \u00fcberaus kulinarischer T\u00f6rn<\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten ein Logbuch zu f\u00fchren. In der Regel soll es die Schiffsposition dokumentieren, Wetter- und Windsituation darstellen und sonstige wichtige Ereignisse aufzeigen. Mein Logbuch ist allerdings mehr als Reisebericht zu sehen. Mit vielen pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken \u00fcber Crew, Yacht, Seegebiet und Land und Leute. Es soll die Mitreisenden noch mal in die Reise zur\u00fcck versetzen. Und es soll Interessierten einen Eindruck vermitteln, wie es bei uns an Bord zugeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freitag 10 Oktober \u2013 Mercedesfisch &#8211;<\/strong><\/p>\n<p>Irgendwie steht dieser T\u00f6rn unter keinem guten Stern. Zumindest anf\u00e4nglich nicht. Der Abreisetag trifft auf den Geburtstag meines verstorbenen Vaters. Isolde, die uns zum Flughafen fahren wollte, \u201eschrottet\u201c bei der Anreise ihr Fahrzeug auf der Autobahn. In der Firma stehen K\u00fcndigungen an. Auch meine Frau hat massive Probleme im Gesch\u00e4ft und bei unserem lieben Hund muss man altersbedingt mit baldigem Ableben rechnen.<\/p>\n<p>Mit all diesen Dingen im Kopf steige ich um 14:25 Uhr in M\u00fcnchen in den Flieger. Es will irgendwie noch keine rechte Urlaubsstimmung aufkommen.<\/p>\n<p>Meine Mitreisenden sind Isolde, geb\u00fcrtige \u00d6sterreicherin, die am Bodensee ein Hotel betreibt. Wolfram, Arzt aus Lauf und Co-Skipper auf dem T\u00f6rn. Er hat \u00fcbrigens seinen Golf kurzer Hand als Ersatzfahrzeug zur Verf\u00fcgung gestellt. \u00a0Isolde und Wolfram haben sich vor kurzem getrennt. Ich werde den Verdacht nicht los, dass der Segelt\u00f6rn auch als Wiederbelebungsversuch dienen soll. Zumindest von einer Seite aus bin ich mir da ziemlich sicher.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch Kalle. Elektroingenieur aus Erlangen\/Spardorf, Miteigent\u00fcmer unseres Motorkunstflugzeugs und Wiederholungst\u00e4ter in Sachen Segelt\u00f6rn.<\/p>\n<p>Die 737 der SUN EXPRESS trifft p\u00fcnktlich in Izmir ein. Anders als bei Turkish Airline gab es weder ein Unterhaltungsprogramm, noch Essbares. Selbst f\u00fcr das Mineralwasser musste der Geldbeutel gez\u00fcckt werden, aber wenigstens hatte jeder seinen eigenen Sitzplatz. Ein Billigflug halt!<\/p>\n<p>Unser Taxifahrer stand schon bereit. G\u00fcnter, der den St\u00fctzpunkt in Kusadasi leitet, hatte wieder alles bestens organisiert.<\/p>\n<p>Es war bereits dunkel, als wir unser Gep\u00e4ck \u00fcber die Passarella (vornehmerer Ausdruck f\u00fcr Gangway oder Fenderbrett) auf die Yacht hievten.\u00a0 Wir hielten es aber nicht lange an Bord aus. Der Hunger und der Dieselgestank aus der Bilge trieben uns schnell wieder von Bord. Von\u00a0 meinem letzten T\u00f6rn kannte ich noch dieses traumhafte Fischrestaurant. Dort brachte ich die hungrige Meute dann auch hin.<\/p>\n<p>Nach einigen Durchg\u00e4ngen mit warmen und kalten Vorspeisen \u2013es gibt \u00fcbrigens huderte verschiedene davon in der T\u00fcrkei- kam der von uns auserw\u00e4hlte Fisch. Der Oberkellner meinte, er wird in ca. 80 Meter Tiefe gefischt und sei sozusagen der Mercedes unter den Fischen. Ein traumhafter Geschmack. Echt klasse. Nur die Rechnung holte uns wieder auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Den Absacker gab es dann in der Bebop-Bar in der Marina. Mit Entsetzen musste ich anschlie\u00dfend feststellen, dass meine an Bord gebunkerte Ouzo-Flasche verschwunden war. Mit Dina, der ich das Boot f\u00fcr eine Urlaubswoche \u00fcberlassen hatte, muss ich wohl ein ernstes W\u00f6rtchen reden!!<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Kusadasi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-702 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Kusadasi-768x1024.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"840\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Kusadasi-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Kusadasi-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Kusadasi.jpg 1224w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Samstag 11. Oktober \u2013 Handtuchroad und Flip Flop Allee \u2013<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen erst Morgen auslaufen. Ich hab vorher in Kusadasi einiges zu kl\u00e4ren. G\u00fcnter begr\u00fc\u00dft uns nach dem Aufstehen am Steg. Seine schnelle Eingreiftruppe beginnt sofort das Boot vom Dieselgestank aus der Bilge zu befreien. Ein Agent kommt und \u00fcbernimmt die Ausklarierungsarbeiten f\u00fcr uns. \u00a0<a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Fr\u00fchst\u00fcck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-707 alignleft\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Fr\u00fchst\u00fcck-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"563\" height=\"423\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Fr\u00fchst\u00fcck-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Fr\u00fchst\u00fcck-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Fr\u00fchst\u00fcck.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/><\/a>Wir machen uns derweil auf den Weg zum t\u00fcrkischen Fr\u00fchst\u00fcck. Ich genie\u00dfe es immer wieder. Diese vielen kleinen Sch\u00e4lchen mit Obst, Gem\u00fcse, K\u00e4se, Marmelade, Honig, R\u00fchrei, Champignons W\u00fcrstchen und Oliven. Ein wahrer Fr\u00fchst\u00fcckstraum. F\u00fcr Nachmittag ist ein Verdauungs-Stadtbummel angesagt. Im \u201eStop and Go\u201c geht\u00b4s von einem Schuhgesch\u00e4ft zum anderen, bis Isolde die passenden Flip Flops gefunden hat. Wie unterschiedlich doch M\u00e4nner und Frauen sind. Kalle hat daheim sein Handtuch vergessen. Das Erstbeste wird einfach gekauft. Das nenne ich M\u00e4nner-Shopping!<\/p>\n<p>Am Abend lecker Steaks und ein paar Tr\u00e4nen. Anschlie\u00dfend st\u00fcrmen wir den MIGROS-Supermarkt nahe der Marina. Der Gro\u00dfeinkauf kann beginnen. Danach liegt die EOS 20 cm tiefer im Wasser<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Sonntag 12. Oktober \u2013W\u00fcrfelhusten und Geheimtipps &#8211;<\/strong><\/h4>\n<p>Um 8:00 Uhr ist Wecken. Es ist wieder stahlblauer Himmel. Das Barometer zeigt 1015 hPa und hat sich seit unserer Ankunft nicht bewegt. Um 9:30 Uhr legt Wolfram von Steg ab. \u00dcber das Loswerfen der Mooringleine m\u00fcssen wir irgendwann noch mal reden. Wir fahren Kurs 300 Grad und fr\u00fchst\u00fccken an Deck. Zu meinem Erstaunen ist der Tisch noch reichlicher gedeckt als im t\u00fcrkischen Fr\u00fchst\u00fccksrestaurant. Eine \u201eDame vom Fach\u201c an Bord zu haben zahlt sich offensichtlich aus. Um 12:00 Uhr wagen wir den ersten Segelversuch. Ein idealer Einstieg. Die 8 Knoten Wind liefern 4 Knoten Fahrt. Und das Ganze bei minimaler Welle. Trotzdem k\u00e4mpft unser weiblicher Matrose mit sich und dem Fr\u00fchst\u00fcck. Der Wind frischt auf und wir erreichen am Nachmittag noch bis zu 7 kt. Fahrt. So schie\u00dfen wir gegen 15 Uhr an unserem eigentlichen Tagesziel vorbei und fahren bis kurz vor Sonnenuntergang weiter nach Sigacik. Angeblich ein Geheimtipp, der meiner Crew am Vorabend genannt wurde.\u00a0 Den ganzen Tag ist uns nur ein einziges Segelboot begegnet. Ausgerechnet vor Sigacik laufen die Yachten wie an einer Perlenkette ein. Ein ruhiger Abend wird das wohl kaum. Wir beschlie\u00dfen gar nicht erst in die Marina einzufahren, sondern bleiben in der weitl\u00e4ufigen vorgelagerten Bucht. Dort ankern schon einige Yachten. Komischerweise liegen auch einige \u00a0gekenterte bzw. gestrandete Yachten rum. Was immer dies bedeuten soll. Es wird schnell dunkel und wir bleiben an Bord. Wer w\u00fcrde auch weg wollen. Es gibt echten Lachs mit Senf-Dill-Sauce. Genial. Die Bugkabinen-Mannschaft geht bald zu Bett. Nur Kalle und ich retten uns mit viel EFES und Ouzo \u00fcber die Geisterstunde hinweg.<\/p>\n<p>Besondere Vorkommnisse:<\/p>\n<p>Speedlog zeigt erstmals kurz vorm Ziel an. Halbleere Flasche Ouzo wieder gefunden. Gl\u00fcck gehabt Dina. Bodenplatte vorm Niedergang gesprengt, ich sollte wohl ein paar Kilo abnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Montag 13. Oktober<\/strong><\/h4>\n<p>Es ist 7:30 Uhr und vor meiner Kabinent\u00fcr rumort es bereits. Soso, wir haben also Fr\u00fchaufsteher an Bord. Tztztz, das kann ja heiter werden. Apropos heiter: Es ist etwas bew\u00f6lkt drau\u00dfen, die Sonne arbeitet sich aber emsig durch die milchigen Schleier. Ein Morgenbad ist einfach immer wieder toll und es vertreibt die kleinen (Kopf)Wehwehchen des durchzechten Abend. Isolde bereitet wieder ein Mehrsterne-Fr\u00fchst\u00fcck. All die Jahre wurde ich an Bord noch nie so verw\u00f6hnt. Trotzdem dr\u00e4ngt es alle zur Abfahrt. Aber weniger aus Abenteuerlust als wegen des Darmdrangs. Wir schaffen es nicht mehr, rechtzeitig in Fahrt zu kommen. Zum Gl\u00fcck hat die Yacht einen gro\u00dfen F\u00e4kalientank, so bleibt die Bucht f\u00fcr die Nachwelt sauber.\u00a0 Um 11:00 Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die Bucht auf Kurs 230 Grad in Richtung Kap Teke Burun. Der Wind bl\u00e4st schwach mit 2 bis 5 Knoten. Somit ist wieder Motorfahrt angesagt. Ab dem Kap wird es deutlich windiger und wir k\u00f6nnen wieder sch\u00f6n segeln.\u00a0 Unser Tagesziel Mersin K\u00f6rfezi erreichen wir gegen 17:00 Uhr und lassen den Anker auf 6 Meter Tiefe mit 55 Meter Kette ausrauschen. In der menschenleeren Bucht herrschen immer noch 14kt Wind vor. MERLIN macht wieder das \u00fcbliche Anker-Ringelspiel was ich nur von 33er Bavarias kenne. Auf dem nahegelegenen H\u00fcgel stehen viele schnell drehende Windr\u00e4der. Wir brauchen uns also nicht wundern, wenn die Nacht etwas zugig wird. <a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Windige-Ankerbucht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-712 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Windige-Ankerbucht-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Windige-Ankerbucht-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Windige-Ankerbucht-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Windige-Ankerbucht.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a>\u00a0Kapit\u00e4ns-Dinner ist angesagt und Isolde muss mit Gewalt vom Herd ferngehalten werden. Nach ein paar R\u00fcfflern funktioniert das dann auch. Um 20:00 Uhr l\u00e4sst der Wind etwas nach. Es wird wieder eine ruhige und sternklare Nacht. An Deck findet eine l\u00e4ngere Aussprache statt. Kalle und ich widmen uns derweil Efes und Raki und versuchen nicht zu lauschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><strong>Dienstag 14. Oktober \u2013 Fr\u00fcchtebrot mit Bergk\u00e4se, Bello mag\u00b4s \u2013<\/strong><\/h4>\n<p>Es ist 7:15 Uhr in der Nacht. Die Crew aus der Bugkabine wird immer fr\u00fcher munter und planscht vor meinem Schlafzimmerfenster. Daf\u00fcr werden die Abende immer k\u00fcrzer. Bei Kalle und mir ist es genau umgekehrt. Ein &#8222;Reset&#8220; w\u00e4re wohl angebracht. In mir keimt der Gedanke an eine Nachtfahrt. Meine Gedanken werden dann allerdings von einem Dreisterne-Fr\u00fchst\u00fcck abgelenkt. Das Wasser in der Bucht hat durchaus Badetemperatur, sogar Wolfram traut sich mal kurz ins Wasser. Um 12:00 Uhr setzen wir vor Anker die Segel. Ein Man\u00f6ver das ich so noch nicht kannte. Ich muss unbedingt mal wieder in meinen Segelb\u00fcchern lesen. Die Fahrt geht voll besegelt aus der Bucht Mersin Richtung Teos Limani, einer Ankerbucht s\u00fcdlich Sigacik mit einem antiken Kai nahe der antiken Stadt Teos. Um 18:00 Uhr stecken wir den Anker auf 6,1 Meter Wassertiefe. Die See ist noch etwas unruhig. Zu unruhig um mit dem Dinghi trocken an Land zu kommen. Deshalb ist Resteessen angesagt, aber auf hohem Niveau, versteht sich. Beim Nachtisch, bestehend aus Fr\u00fcchtebrot und K\u00e4se, erz\u00e4hle ich von meinen Pl\u00e4nen, einen gr\u00f6\u00dferen Schlag zur\u00fcck an Kusadasi vorbei Richtung S\u00fcdost zu machen. Wenn alles klappt, sogar bis Didim in die Marina. Die Nachtfahrt ist beschlossene Sache. Wir gehen alle um 22:00 Uhr zu Bett<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-710 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR2-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR2.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><strong>Mittwoch 15. Oktober \u00a0&#8211; Guten Morgen Deutschland &#8211;<\/strong><\/h4>\n<p>Punkt 7:19 Uhr geht blutrot die Sonne auf. Wir sind seit 4:50 Uhr unterwegs. Nachtfahrten haben immer etwas Mystisches an sich. Wenn sich die Augen erst einmal an die Dunkelheit gew\u00f6hnt haben, sieht man deutlich den K\u00fcstenverlauf und die dahinter liegenden Berge. Nur die Entfernung zum Ufer ist unheimlich schwer einzusch\u00e4tzen. Man w\u00e4hnt sich weiter weg. Im Gegensatz zu Schiffen und \u00a0Leuchtfeuern. Die scheinen zum Greifen nahe, sind aber meist Meilenweit entfernt. Kartenplotter sind hier doch sehr hilfreich. Genial wenn sie dimmbar sind und sich im Cockpit befinden.\u00a0 Irgendwann, am \u201eanderen Ufer der Nacht\u201c, kommt dann der Zeitpunkt, wo man am Horizont einen hellen Streifen vermuten kann. Das Schauspiel des neuen Tages beginnt. Ich bin immer wieder ber\u00fchrt von dem Ereignis. Die \u00c4gypter sprachen von einer Sonnenbarke die t\u00e4glich neu aus der Unterwelt erschien. In der griechischen Mythologie ist es die G\u00f6ttin EOS die jeden neuen Morgen einl\u00e4uten musste. Zur Strafe, weil sie Zeus erboste und sich an J\u00fcnglingen vergangen hatte. Ich schicke ein Sonnenaufgangsbild \u00fcber Facebook in die Welt. Der Titel: Guten Morgen Deutschland. Die \u201eLikes\u201c prasseln nur so rein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-709 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR1-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/SR1.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gegen 8:00 Uhr ist der Morgenzauber vorbei. Wir steuern die Stra\u00dfe von Samos an, vorbei an unserem Ausgangspunkt Kusadasi. Samos sieht in der Vormittagssonne richtig toll aus. Dazu noch die richtige Musik. \u00a0Schade, dass wir dort zurZeit nicht an Land gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach der Samos-Stra\u00dfe kommt Wind auf und wir nehmen die Segel zu Hilfe. Um 17:00 Uhr erreichen wir planm\u00e4\u00dfig die D-Marin-Didim. Der Anleger bei 15kt Seitenwind klappt einwandfrei. Es liegen 42 Meilen hinter und eine warme Dusche vor uns. Abends geht es mit dem Dolmusch in meine Stammkneipe nach Didim.\u00a0 Ein kleiner Supermarkt direkt neben der bereits geschlossenen gro\u00dfen Moschee bekommt unsere Kaufkraft zu sp\u00fcren. Wer soll das alles essen, frage ich mich. Den Absacker nehmen wir an Bord ein. Auf dem Nachbarschiff spricht man fr\u00e4nkisch. Eine Crew aus N\u00fcrnberg und Heroldsberg mit Ziel Bodrum. So klein ist die Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besondere Vorkommnisse:<\/p>\n<p>Mutters Todestag. SMS von Ingrid. Sie hat Blumen aufs Grab gelegt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Didim.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-704 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Didim-1024x678.jpg\" alt=\"Didim\" width=\"630\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Didim-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Didim-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Didim.jpg 1972w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<h4><strong>Donnerstag 16. Oktober<\/strong><\/h4>\n<p>Um 8:30 Uhr aufstehen. Ausgiebiges Fr\u00fchst\u00fcck an Deck. Nochmals Proviant bunkern. Gl\u00fccklicher weise ist der Marina-Supermarkt im Oktober nicht mehr so gut best\u00fcckt. Es ist eh kein Platz mehr im K\u00fchlschrank. Kalle repariert die Positionslaterne am Bug. Wir wischen, wie jeden Tag, Diesel aus der Bilge und sehen vorsichtshalber noch mal nach dem Motor\u00f6l. Die Marinageb\u00fchr betr\u00e4gt 58.- Euro plus Wasser und Strom. \u00a0Die Kosten sind es aber Wert. Didim ist klasse.<\/p>\n<p>Um 12:10 Uhr machen wir los, Kurs St. Nikolo. Der Wetterbericht meint, dass es tags\u00fcber sehr windig wird und abends wieder abflaut. Leider kommt es genau anders herum. Wir d\u00fcmpeln den ganzen Tag in absoluter Flaute. Es ist diesig, schw\u00fcl und hei\u00df. Gegen 17:00 Uhr kommt beim ersten Ankerversuch der vorhergesagte Wind auf und macht St. Nikolo als \u00dcbernachtungsplatz unm\u00f6glich. Wir versuchen es zwei Buchten weiter und beobachten mit Sorge das herannahende Wetter.\u00a0 \u00dcber Samos bilden sich furchteinfl\u00f6\u00dfende Wolkenwalzen. Unser Boot k\u00e4mpft mit Fallb\u00f6en aber der Anker, mit den 45 Metern gesteckter Kette, scheint zu halten. Es gibt Nudel mit lecker Sauce. Beim Salatdressing gibt es etwas Kompetenzgerangel. Das enge Bordleben fordert seinen Tribut. Aber die Messer m\u00fcssen deshalb nicht gleich weggesperrt werden. Gegen 22:00 Uhr tuckert ein gro\u00dfer Fischkutter in die Bucht und wirft seinen Anker dicht bei uns. Da die Schwojkreise beider Boote sehr unterschiedlich sind und der Wind noch stark bl\u00e4st, kommen wir dem Stahlget\u00fcm manchmal ziemlich nahe. Ein Ruck der Ankerkette rei\u00dft uns aus den Tr\u00e4umen. Die Fallb\u00f6en haben wohl noch zugelegt. Ab 2:00 Uhr ist sicherheitshalber Ankerwache angesagt. Jeder muss f\u00fcr eineinhalb Stunden ran. Gegen 4:30 Uhr haut der Fischkutter wieder ab. Es besteht kein Grund mehr Wache zu schieben. Somit erspart sich Wolfram eine n\u00e4chtliche St\u00f6rung.<\/p>\n<h4><strong>\u00a0Freitag 17. Oktober<\/strong><\/h4>\n<p>Unser letzter Tag auf See bricht gegen 9:00 Uhr an. Wir lecken uns die Wunden der Nacht und fr\u00fchst\u00fccken ausgiebig an Deck. Ein letztes Bad im Meer. Dann eine historische Amtshandlung. Aus EOS wird MERLIN. Die Querelen um den Konkurs der Firma Ecker machten einen Besitzer und Bootsnamenwechsel notwendig.<a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Taufe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-711 alignleft\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Taufe-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"479\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Taufe-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Taufe-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Taufe.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 479px) 100vw, 479px\" \/><\/a> Um 12:00 Uhr wird das letzte Mal der Anker aufgeholt. Es geht im Schmetterling zur\u00fcck nach Kusadasi. Um 14:45 Uhr flaut der Wind ab und wir fahren die letzten 5 Meilen unter Motor. Aufgrund des Diesel-Lecks sparen wir uns sicherheitshalber das Nachtanken und werden von G\u00fcnters Crew bereits am Steg erwartet. Die Jungs sind echt flott und immer hilfsbereit. Ein Schreiner wird gerufen, der die durchgebrochene Klappe ersetzt, die defekten Au\u00dfenlautsprecher werden gewechselt und nach unserer Abreise wird man sich dem Diesel-Tankleck annehmen.<\/p>\n<p>Das Abendessen nehmen wir, nach einem ausgiebigen Stadtbummel, in einem Lokal im Zentrum \u00a0gegen\u00fcber dem Friedhof ein. Zu sp\u00e4t bemerken wir, dass es dort keinen Alkohol gibt. Naja, ich wollte sowieso schon immer mal Ayran probieren, ein typisch t\u00fcrkisches Joghurtgetr\u00e4nk. Wer\u00b4s mag! Es gibt Suppen und Schnellgerichte. Isolde stochert extrem lustlos in ihrem Teller herum. Dem Rest der Truppe \u00a0schmeckt es offensichtlich. Unseren Absacker wollen wir an der Hafenpromenade einnehmen. Aber auch dies wird problematisch. Entweder hat der Typ keine Schanklizens f\u00fcr Bier, oder er will Allah am heiligen Freitag nicht verkraulen. Wir bekommen unser Bier, aber aus Kaffeetassen.<a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Bier-aus-Tassen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-703 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Bier-aus-Tassen.jpg\" alt=\"Bier aus Tassen\" width=\"648\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Bier-aus-Tassen.jpg 648w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Bier-aus-Tassen-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Samstag 18. Oktober<\/strong><\/p>\n<p>Ein Streit um die Toiletten-Magnetkarten entfacht. Die beiden Karten waren schon zu Anfang unserer Reise Diskussionsgrundlage. Aber zum Schluss kam dann doch jeder zu seinem Recht. Das Wettergl\u00fcck verl\u00e4sst uns auch am letzten Tag nicht. Landgang mit Besichtigung der Ausgrabungsst\u00e4tte in Efesus ist angesagt. Normalerweise sind alte Steine nicht gerade mein Hobby, aber Efesus ist tats\u00e4chlich einen Tagesausflug wert. Das ist wirklich beeindruckend was dort \u00fcber Jahrtausende entstand.<a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Effes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-705 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Effes-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Effes-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Effes-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Effes.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a> Am R\u00fcckweg musste nat\u00fcrlich noch ein Besuch in einer der Lederfabriken eingebaut werden. Isolde kann nicht nur hervorragend kochen, sie hat auch die Verk\u00e4ufer voll im Griff und eisern verhandelt. Ich hab mich teilnahmslos in eine Ecke verzogen und mir Tee munden lassen. Einen Hut h\u00e4tte ich verwettet, dort niemals etwas zu kaufen. Was soll ich sagen. Nach einer Stunde bin ich mit einer Lederjacke aus dem Laden gestiefelt. Das musste dann gleich bei Kaffee und Kuchen gefeiert werden. Nach den s\u00fc\u00dfen Kalorienbomben und dem schmaler werdenden Geldbeutel reduzierte sich das Abendessen auf einen Schnellimbiss t\u00fcrkischer Art. Restetrinken an Bord ist angesagt. Resteessen w\u00e4re auch nicht \u00fcbel gewesen. Mit unserem restlichen Proviant h\u00e4tte die n\u00e4chste Crew mindestens eine Woche am Bord \u00fcberlebt.<a href=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Restm\u00fcll.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-large wp-image-708 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Restm\u00fcll-1024x768.jpg\" alt=\"OLYMPUS DIGITAL CAMERA\" width=\"630\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Restm\u00fcll-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Restm\u00fcll-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.segelyacht-merlin.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Restm\u00fcll.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Morgen fr\u00fch geht\u2019s zur\u00fcck. Irgendwie schade. Ich hab mich schon wieder so an das Bordleben und an die Crew gew\u00f6hnt. <em>Ja, irgendwie schade<\/em>.<\/p>\n<p>Thomas<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein \u00fcberaus kulinarischer T\u00f6rn Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten ein Logbuch zu f\u00fchren. In der Regel soll es die Schiffsposition dokumentieren, Wetter- und Windsituation darstellen und sonstige wichtige Ereignisse aufzeigen. Mein Logbuch ist allerdings mehr als Reisebericht zu sehen. Mit vielen pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken \u00fcber Crew, Yacht, Seegebiet und Land und Leute. 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