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Meine Frau Ingrid ist in den letzten Jahren nicht mehr mit Segeln gegangen. Nicht weil sie keine Lust dazu hatte, sondern wegen unserer Haustiere.  Unser Hund war altersschwach geworden und konnte nicht mehr in Pflege gegeben werden.  Jetzt, drei Wochen nachdem er nicht mehr unter uns weilt, packten wir die Seesäcke und sind spontan losgedüst. Nicht zuletzt um etwas  Ablenkung zu haben.

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Da Ingrid schon seit 15 Jahren nicht mehr in der Türkei war, wollten wir neben dem Segeln, auch Land und Leute und vor allem die neue Marina und die Hafenstadt Kaş besser kennenlernen. So dienen diese Zeilen nicht nur als Logbuch, sondern sind auch ein kleiner persönlicher Revier-Reiseführer.

Donnerstag, der 5. Mai 2016, Christi Himmelfahrt

Es gibt genügend Chartergesellschafften die von deutschen Flughäfen aus Dalaman oder Antalya anfliegen.  Aber gerade ab Nürnberg finden diese Flüge meist während der Nacht statt. Wegen ein paar Stunden hat man sich früher nicht mehr ins Bett gelegt, sondern ist von der Kneipe aus gleich zum Flughafen gefahren. Jetzt, wo wir etwas in die Jahre gekommen sind, nehmen wir dann doch lieber den Flug um 11:05 Uhr mit Turkish Airline und die damit verbundene Zwischenlandung in Istanbul in Kauf.  Vor Terroranschlägen haben wir keine Angst. Die Wahrs

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cheinlichkeit ist wie ein Sechser im Lotto. Und gerade die internationalen Flughäfen sind derzeit

wohl die am besten bewachten Orte. Der Service der türkischen Linie ist beispielhaft. Kaum  abgehoben, gibt es schon die ersten Naschereien. Auf einer Speisekarte kann man zwischen zwei Gerichten wählen. Mehrmals während des Fluges werden Getränke gereicht und der Duft frischer Brötchen zieht durch die Kabine. Und das für ca. 140,- Euro hin und zurück, in der „Holzklasse“ wohl gemerkt. Ein schöner Urlaubsauftakt, wir sind begeistert.

In Dalaman angekommen handeln wir einem Taxifahrer 15,- Euro runter. Durch seine freundliche Art und seinen flotten Fahrstiel bekommt er zum Schluss aber 10,- Euro als Trinkgeld wieder zurück.  Es wäre geschwindelt, zu behaupten, dass die Reise nicht trotzdem anstrengend und lange ist. Und so kommen wir erst nach Sonnenuntergang in der Kaş-Marina an. Serkan von Sail with Friends erwartet uns bereits und erledigt in Windeseile alle Formalitäten. Anschließend lassen wir uns in einem der beiden Marina-Restaurants verwöhnen.  Nicht gerade billig, aber dafür gut.

Freitag, der 6. Mai 2016. Ein Pool für uns alleine.

Die Sonne scheint durch die Decksluke und kitzelt in der Nase. Die nächtlichen Gewitter haben sich verzogen. Für deutsche Verhältnisse ist es richtig warm. Kurze Hose, T-Shirt und

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ab zum Frühstücken an den Pool. Es sind mehr Bedienungen als Gäste da. Die Terroranschläge un

d die vermeintliche Nähe zu Syrien machen sich extrem bemerkbar. Wir werden zuvorkommend bedient, Pool und Strand gehören uns quasi alleine. Es ist traumhaft.

Freitags ist in Kaş immer Markttag. Wir kaufen Obst, Gemüse und Käse frisch von den Bauern ein. Alles duftet so intensiv. Endlich mal wieder Tomaten die auch nach Tomaten schmecken. Und Erdbeeren die du aus zehn Meter Entfernung riechen kannst. Den restlichen Einkauf erledigen wir im ausgezeichnet sortieren Marina-Supermarkt.

Abends besuchen wir das nahegelegene Amphitheater und kehren anschließend bei Hüseyin Usta ein. Hier gehen die Einheimischen essen. Weil´s gut und günstig ist. Bei meinen Aufenthalten war ich jetzt schon mehrmals dort und werde bereits per Handschlag begrüßt. Den Absacker nehmen wir dann an Deck.

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Samstag, der 7. Mai 2016

Frühstück an Deck.  Da es außer Pitter Bild 5Yachting keine weiteren Charteryachten gibt, ist es außergewöhnlich ruhig an den Stegen. Tja, selbst die Eigner von Traumyachten haben halt nur eine begrenzte Anzahl an Urlaubstagen im Jahr zur Verfügung.  Und so sind an unserem Steg D gerade mal drei Yachten „bemannt“.  Noch bevor die Sonne unbarmherzig wird machen wir uns in Wanderschuhen auf den Weg und besuchen einige Lykische Gräber und andere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Den Nachmittag lassen wir dann, bei Snacks und Drinks, am Pool ausklingen.  Danach wird MERLIN reisefertig gemacht. Abendessen in Kas, Absacker an Deck.

Sonntag, der 8. Mai 2016. 1015hPa, 2/8 Cumulus. Endlich segeln!

Um 8:00 Uhr aus den Federn. Um 8:50 Uhr legen wir ab. Das Marina-Personal ist 5 Minuten nach unserem Funkspruch zur Stelle und hilft selbstverständlich beim Ablegen.  Wir motoren  aus der lang gezogenen Bucht Yarim adasi. Eine halbe Stunde später setzt  Wind zum Segel ein. Unser Kurs führt uns westlich an Kastellorizon vorbei. Nicht gerade Zielführend, aber das segeln an sich macht uns richtig viel Spaß. Ingrid ist voll bei der Sache und so fahren wir weit raus aufs Meer, um bei der nächsten Wende unser Tagesziel Kekova Körvezi ansteuern zu können. Zuvor biegen wir aber noch in die Bucht von Aperlae ab. Im Scheitel der Bucht gibt es einen antiken Hafen und antike Festungsanlagen. Eigentlich ein schöner Ort zum verweilen. Allerdings steht der vorherrschende Westwind für diese Bucht recht ungünstig und würde uns womöglich eine unruhige Nacht bescheren. Ein Engländer steckt trotzdem seinen Anker. Wir Weicheier fahren weiter, zwischen den Inseln Akar Bogacic und dem Festland durch und biegen anschließend in den Kekova Körvezi nach Polemos Bükü ein. Um 15:30 Uhr fällt der Anker genau an der Stelle, an der wir vor 15 Jahren bereits geankert haben.  Die Bucht, die wir uns mit nur einer weiteren Yacht teilen, hat seitdem nichts an ihrem Charme verloren.  Ein geradezu Mystischer Abend nach 22 Seemeilen und nach 15 Jahren.Bild 8

Montag, der 9. Mai 2016 1019hPa blauer Himmel.  Steine, Gräber und Musik.

Ingrid hat für Heute Landgang angeordnet. Sie möchte unbedingt die gestern entdeckte Festungsanlage erkunden.  Nach einem erfrischendem Bad und einem ausgiebigen Frühstück geht es mit dem Dinghi an Land. Der Weg ist gut ausgeschildert und führtBild 9 uns durch eine angelegte Gartenlandschaft namens Purple House. Hier haben sich ein paar Aussteiger niedergelassen, die Gäste offensichtlich gerne willkommen heißen. Man muss bzw. darf durch ihren Vorgarten um zu den historischen Anlagen zu kommen. Am anderen Ende ihres Anwesens beginnt der Aufstieg zur Festung aus längst vergangener Zeit. Tolle Eindrücke und tolle Bilder entstehen im Kopf und im Foto. Am Rückweg treffen wir Kühe die wie Gämse auf den steilen Abhängen umher klettern.  Wenn man beim Abstieg mal extrem weich auftritt, so entdeckt und riecht man ihre Hinterlassenschaften spätestens an Bord wieder.  Zu Mittag essen wir in der einfachen Taverne ein einfaches Essen. Kleingeschnittene Gurken, Zwiebeln und Tomatensalat. Dazu frittierte Kartoffelstücke. Es schmeckt wie beim Sternekoch. Bis zum Abend ist Bandprobe angesagt. Ich hab nach dem Törn einen wichtigen Auftritt und muss unbedingt die neuen Songs üben. Zum Glück befinden sich auf MERLIN immer ein Keybord und eine Gitarre. So haben die Fische, Vögel, Kühe und Eulen auch mal Hotel California und Black Velvet zu Gehör bekommen. Die Tradition, dass der Kapitän einmal pro Törn den Kochlöffel schwingt. Diese Tradition gilt natürlich auch, wenn man nur zu zweit unterwegs ist. Und so gab es am Abend Spaghetti aglio e olio mit reichlich Peperoni und Salat dazu. Und alles unterm Sternenhimmel.

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Dienstag, der 10 Mai 2016.  1014hPa Stahlblauer Himmel.

Die paradiesische Ruhe wird eigentlich nur durch unser Geplansche unterbrochen. Frühstück, wie immer, an Deck.  Um 11.00 Uhr gehen wir Anker auf und motoren nach Ücagic. Ist der Kekova Körvezi schon so eine Art Fjord, so ist Ücagic ein Fjord im Fjord. An den Stegen der Stadtmarina drängen sich Gulet an Gulet , aber mangels Touristen sieht alles wie ausgestorben aus. Beim nächsten Törn werden wir in dieser total geschützten Bucht ankern und mal den Ort unsicher machen.    Um 12:30 Uhr dampfen wir aus der Kekova-Bucht und nehmen Westkurs auf. Leider dem Wind genau entgegen. Trotzdem versuchen wir zu segeln und kreuzen wie wild, machen dabei aber wenig Höhe.  Trotzdem macht es irre Spaß.  Als der Wind nachmittags etwas dreht und mit entsprechenden taktischen Entscheidungen, schaffen wir es um 16:30 Uhr bis in die Bucht Ufakdere zu segeln. Eine Art Geheimtipp für Segler. Nur ist der Wind noch zu stark um zwischen den Untiefen einen günstigen Ankerplatz zu finden. So runden wir doch noch die letzte Landzunge vor Kas und finden mit Agzi Liman eine herrliche und windgeschützte Bucht.

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Den ganzen Tag haben wir diskutiert, ob mit einer Zweier-Crew vernünftig eine Landfeste gelegt werden kann. Und schon stehen wir vor der Aufgabe und  probieren es gleich mal aus. Es klappt nicht auf Anhieb aber wir haben eine riesen Gaudi. Ich bin richtig stolz auf meine Crew!  Abends ist restessen und restetrinken angesagt.  Nachts schwellt es etwas und Merlin schaukelt so vor sich hin. Aber was kann uns das jetzt noch ausmachen?

Mittwoch, der 11. Mai.  1014hPa. Wolkenlos. Rücksturz zur Basis.

Einen einzigen Nachbarn hatten wir in dieser Nacht in der Bucht. Und der war gefühlte kilometerweit weg. Es war ein richtiger Yachti. Mit eigener HR.  Beim Frühstück um 9:00 Uhr lag der noch in der Koje. So stell ich mir mein Rentnerdasein vor. Wir holen Landfeste und Anker ein und machen uns auf den Weg zurück zur Kas-Marina wo wir nach Funkankündigung bereits erwartet werden.  Die Marina-Leute helfen nicht nur beim Anlegen. Sie kümmern sich auch um den Landstrom und anderer Dinge. Es ist einfach traumhaft und wir freuen uns bald wieder hier zu sein. Unseren letzten Abend verbringen wir im Dolphin Restaurant mit Blick über den Hafen von Kas. Entspannt, ausgerüht, glücklich und zufrieden.

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Das Chartergeschäft hat sich in Kaş leider nicht so entwickelt wie erhofft. Obwohl wir persönlich gerade diese Marina für eine der Schönsten entlang der türkischen Küste halten. Großzügig angelegt mit familiärer Atmosphäre und mit Allem was man sich in und um eine Marina wünscht. Vielleicht lag es ja an der größeren Entfernung zu den Flughäfen Dalaman und Antalya. Aber nicht zuletzt liegt der drastischste Chartereinbruch am Syrienkrieg und an der politischen Lage im Land. Wir wollen einen letzten Törn von Kaş aus starten, bevor MERLIN nach Göcek überstellt wird. herbst-16-2

Montag, der 05. September 2016 Anreise

Wir sind diesmal von Nürnberg aus nach Antalya geflogen. Wenngleich zweieinhalb Stunden Taxifahrt nicht zu unserer beliebtesten Beschäftigung gehört , aber so lernen wir zumindest neue Routen, Städte und Sehenswürdigkeiten kennen. Um 10 Uhr stehen wir am Steg G vor unserer MERLIN. Serkan, ein Mitarbeiter von Sail with Friends, ist unter Deck noch voll am Rödeln. Mit 35 Grad ist es für diese Jahreszeit außergewöhnlich heiß. Selbst der Pool in der Marina bietet nicht wirklich eine Abkühlung.  Wir lassen es deshalb langsam angehen und entscheiden uns, erst am nächsten Tag MERLIN seefertig zu machen.

Dienstag, der 06. September 2016 Land und Leute

Shopping-Tour in Kaş noch vor der Mittagshitze. Vom Putsch ist nichts zu erkennen. Alles ist wie immer. Es gibt viele Einheimische die Urlaub machen. Auch viele Touristen aus Frankreich, England und Russland. Nur keine Österreicher und sehr wenig Deutsche. Offensichtlich haben unsere Medien ganze Arbeit geleistet. Den Nachmittag verbringen wir wieder am Pool – wo sonst. Als es am Abend wieder etwas kühler wird, kaufen wir Proviant ein und machen MERLIN startklar. Anschließend geht es noch in ein Fischrestaurant das direkt an die Marina angrenzt. Mit umgerechnet  60,- € für zwei Personen nicht gerade ein Schnäppchen, aber ausgezeichnet.

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Mittwoch, der 07. September 2016. Los geht´s

Um 8:00 Uhr ist es schon wieder ziemlich warm. Bei Stahlblauem Himmel zeigt das Barometer 1016 hPa an. Schnell noch mal duschen und Weißbrot nachbunkern, dann kann es losgehen.  Die auf Kanal 73 angeforderten Marineros sind nach zwei Minuten zur Stelle und helfen beim Ablegen.  Um 9:30 Uhr motoren wir Richtung West – Kurs Kalkan. Der Wind steht mit 5 kt. gegenan.  Gegen 11:00 Uhr legt der Wind zu, so dass wir ein Stück aufs offene Wasser raus segeln können. Gegen 14:00 Uhr gehen wir unter Segel wieder Richtung Kalkan. Gegen 16:30 Uhr lassen wir in der Bucht Firnaz Koyu westlich von Kalkan den Anker fallen. Windböen fauchen übers Wasser und bringen uns zum Triften. Ein weiteres Manöver mit angeschlagenem Zweitanker bringt den entsprechenden Erfolg. Trotzdem bleibt die Nacht sehr unruhig mit wenig Schlaf.

Donnerstag, der 08. September

Schon ab 7:00 Uhr werden scharenweise Tagesausflügler mit Gullets rangekarrt . Anker werden kreuz und quer gesteckt. Um Ankersalat zu vermeiden machen wir uns zeitig aus dem Staub. Ein kurzer Abstecher bis zur Hafeneinfahrt von Kalkan, dann geht es weiter Richtung Osten. Bei Saribelen Adasi legen wir einen Badestopp ein, frühstücken erst mal und holen den nächtlichen Schlafmangel nach. Um 12:45 Uhr setzt der Wind ein und wir segeln in grober Richtung nach Kekova Körfezi. Gegen 16:30 Uhr schläft der Wind leider schon wieder ein. Da wir die ganze weitere Strecke nicht unter Motor fahren wollen, kürzen wir unser Tagesziel ab und schwenken in die Bucht Ince Adasi ein. Sie liegt nur unweit von Kaş entfernt und ist uns vom Frühjahr noch bekannt. Bei einer Zweimann-Crew eine Landfeste setzen, ist für uns immer wieder aufregend. Vor allem bei Seitenwind.  Der entfachte Konflikt nimmt aber glücklicherweise zum Abend hin wieder ab. Mit dem Dinghi geht´s zum Abendessen an Land. Ins LaModa Beach Hotel.  Die Sicht von der Terasse aus über die Bucht bis hinüber nach Kaş  ist grandios. Die Juniorcheffin – Mutter Engländerin, Vater Türke – ist sichtlich bemüht um uns. Ein netter Abend, der mit einem Absacker an Bord harmonisch endet. bild-4-16 bild-5-16

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, der 09. September 2016

Stahlblauer Himmel. Das Bordleben beginnt um 8:30 Uhr mit einem Sprung ins Wasser. Die Servicebatterie zeigt nur noch 11,1 Volt an. Das kommt davon, wenn man so wenig Motorstunden fährt. Ganz gemütlich treffen wir die Vorbereitungen für die Weiterfahrt.  Volkan, der Chef von Sail with Friends, bedankt sich per SMS für unsere Geburtstagswünsche.

Gegen 13:00 Uhr setzt leichter Wind ein. Es geht weiter, raus aus der Bucht und im Schmetterling Richtung Kekova. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir die erste Einfahrt zur Kekova-Reede. Ingrid hat, mit Tersane Koyu, für die Nacht eine schnuckelige kleine Bucht ausgewählt. Leider stehet dort ein Gullet nach dem Anderen. Und so machen wir weiter nach Aperlai (Polemos Bükü) 36°09` 29°48`. Dort erwarten uns wieder heftige Fallböen. Der Düseneffekt ist nicht zu unterschätzen. Um keine zweite schlaflose Nacht zu riskieren tuckern wir weiter nach Kaleücagiz. Der Ort liegt deutlich geschützter. Eine Art Fjord im Fjord. Abends eine Dinghifahrt zum Kardon-Restaurant mit toller Terasse im ersten Stock. Der dazu gehörige Supermarkt ist perfekt ausgestattet. Nette Leute, sehr hilfsbereit.

Kaleücagiz

Kaleücagiz

Samstag, der 10.September 2016

Muss ich es noch erwähnen? Stahlblauer Himmel und sehr heiß. Aber wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt. Das Wasser in der inneren Lagune läd nicht gerade zum Baden ein. Um 10:00 Uhr Anker auf und Richtung Osten den gesamten Kekova Körfezi entlang bis Kamislik Br. Irgendwie ist es hier wie in der Karibik. Hellblaues Wasser vor toller Kulisse. Badestopp und Landausflug ist angesagt. bild-7-16 Gegen 15:00 Uhr kommt leichter Wind auf. Wir segeln weiter nach Cayagi (Andraki). Der Gullet-Bahnhof, wie wir ihn genannt haben,  ist großflächig versandet. Es stehen zahlreiche Reisebusse am Ufer und es herrscht reger Touristen-Verkehr.  Schon wegen unseres Tiefganges segeln wir lieber weiter. Am Horizont Richtung Demre entdecken wir eine große Steinaufschüttung die weder in der Karte, noch am Plotter verzeichnet ist. Neugierig segeln wir drauf zu.  Vermutlich soll hier mal eine Marina entstehen. Allerdings gibt es derzeit keinerlei Bauaktivitäten. Auch stehen riesige halbfertige Hotels entlang der Küste. Der Wind frischt deutlich auf und wir kreuzen sportlich zurück in die Kekova Reede.  Um 18:30 Uhr packen wir das Tuch ein und motoren bis Polemos Bükü. Während der Fahrt wird es schnell finster und je näher wir dem Ziel kommen umso stärker werden die Fallböen.  Also, Zweitanker vorbereiten und alles Kette ins Wasser.  Um 20:00 Uhr stehen wir in stockfinsterer Nacht. Die Anker halten bombenfest. Kapitänin´s Dinner ist angesagt und der Rote fließt dazu. Um 23:00 Uhr tanzt MERLIN immer noch mit den Fallböen. Man könnte meinen, dass es ihm Spaß macht.

Sonntag, der 11. September 2016

Gegen 3:00 Uhr schläft der Wind endlich ein, beginnt aber kurz nach Sonnenaufgang bereits wieder sein Werk. Für einen trockenen Dighi-Ausflug sind die Wellen selbst in der Bucht bereits zu heftig. So gehen wir gegen 13:00 Uhr Anker (Mehrzahl) auf und verlassen den Kekova Körfezi.  Auf See meldet sich Bernhard von der Dido am Handy. Er ist ein Leidensgenosse aus Ecker-Zeiten und mittlerweile zusammen mit seiner Andrea zu guten Freunden geworden. Er ist nicht weit weg und wir beschließen uns zu treffen. Zwar verwechseln wir Ihn und segeln eine ganze Zeit lang der falschen Yacht hinterher. Aber nach dem wir in der Pferdebucht die Verwechslung bemerken, kommt es am Abend doch noch zum Rendezvous.  So feiern wir am Abend in Kaleücagiz bei Hassan, dem „bestes Koch von Mittelmeer„, unser Wiedersehen.

Montag, der 12. September 2016

Wir brechen bereits um 7:00 Uhr auf. Etwas verkatert tut uns die frische Meeresbrise recht gut. Es geht unter Motor zurück zur Kaş-Marina die wir gegen 11:45 Uhr erreichen. Den Tank mit der bräunlichen Brühe abpumpen und 35 Liter Diesel nachtanken, dann folgt der letzte Anleger am Platz 29, Steg G. Etwas wehmütig aber trotzdem froh, dass wieder mal alles geklappt hat, stehen wir am Steg.

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Großzügiger Abstand der Jachten

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..großzügiger Abstand der Stege

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stellvertretend sagen wir Ümit, dem Marina-Chef, danke für Alles. Wenn auch nur zu Besuch, aber wir kommen sicherlich bald wieder zurück.

Ingrid & Thomas

Daten:

135 NM Törn

35 Liter Diesel

23 Stunden Motorlaufzeit

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Samstag, der 1. April 2017 Wie doch die Zeit vergeht.

Offenbar macht sich der Klimawandel auch in der Türkei bemerkbar. Beim Umsteigen in Istanbul war es bei stahlblauem Himmel außergewöhnlich kalt. Später in Dalaman kam dann auch noch heftiger Gewitterregen hinzu. Zu meinem Erstaunen wurde das alte Flughafengebäude, das im November noch voll funktionsfähig da stand, dem Erdboden gleich gemacht. Im Jahr 1994 startete von hier aus mein erster Segeltörn in Marmaris. Wie doch die Zeit vergeht. Die Fahrt nach Göcek dauert nur eine halbe Stunde und ist mit 35 €  für vier Personen relativ günstig. Nach den Reisestrapazen machen wir uns in Özcan´s Restaurant einen schönen Abend. http://www.ozcanrestaurantgocek.com

 

Sonntag, der 2. April 2017 MERLIN wird aufmunitioniert.

Zum Glück habe ich seit der Zeit in Kusadasi einen Heizlüfter an Bord, sonst wäre gestern der „Absacker“ unter Deck ziemlich „eisig“ ausgefallen. Es gibt viel mit Volkan, dem Stützpunktleiter, zu besprechen. Die aus Deutschland mitgebrachte Ankerrolle wird montiert. Solarzellen werden bestellt und sollen baldmöglichst angebaut werden, damit die ersten Chartergäste der Saison bereits davon profitieren können. Proviant wird eingekauft, mit den Bootsnachbarn Karin und Hartwig geplauscht und MERLIN startklar gemacht. Judith bringt uns noch zusätzliche Decken zum kuscheln. Abends geht´s ins Can Restaurant.  http://gocekcanrestaurant.com/services.html Selten ein so gutes Steak gegessen. Ach ja, ich sollte vielleicht noch die Crew vorstellen: Links meine Frau Ingrid, daneben Waltraud und gegenüber ihr Gatte Manfred. Beide aus Thüringen und seit Jahren gern gesehene Gäste an Bord. Sieht auf dem Bild alles etwas verkrampft aus. Wir unterhalten uns aber prächtig, müssen allerdings feststellen, dass sich die Themen im Laufe der Zeit verändert haben. Früher ging es um Abenteuer und Reisen, jetzt um Altersteilzeit, Rentenanspruch, Krankheiten und Todesfälle. Aber wir lassen uns den Humor trotzdem nicht nehmen. Im Gegenteil.

 

Montag, der 3. April 2017 Ein Foto vor der entfalteten Truppenfahne.

08:00 Uhr. Schnell noch mal unter die Dusche, dann geht´s los. Es herrscht stahlblauer Himmel bei angenehmen 21°C. Luftdruck 1020hPa. Log 16.073NM, Motor 165,0 Std.

Ingrid legt um 9:45 Uhr vom Steg C9 ab. Ziel ist die Bucht Yesilköy kurz vor Kalkan. Der Wind verhält sich ziemlich ruhig, so fahren wir ein großes Stück der Strecke unter Motor. Vorbei an Ölüdeniz, wobei auffällt, daß kein einziger Gleitschirmflieger vorm Babadag kreist. Weiter geht es entlang der sieben Kaps.  Ich zähle allerdings nur sechs. Entlang dem nun folgenden, endlos erscheinenden, Sandstrand können wir erstmals die Segel lüften. Halber Wind bringt uns mit 5 kt gut voran, so dass wir um 18:45 Uhr in der Bucht den Anker fallen lassen. Besser gesagt, die Anker. Da ich bei den herrschenden Fallböen keine nächtlichen Überraschungen erleben will. Abendessen an Bord. Beim „Absacker“ erzählt Manfred einen Schwank aus seiner Militärzeit in der DDR. Für besondere Leistungen beim Übungsschießen hätte er beinahe drei Tage Sonderurlaub erhalten. Der Truppenchef hatte aber Höheres mit ihm vor und aus dem Sonderurlaub wurde ein Portraitfoto vor der entfalteten Truppenfahne. Ich denke, das stinkt ihm heute noch. Ich bin immer wieder erstaunt über die Storys aus DDR-Zeiten. So vieles ist total anders gelaufen, als bei uns Wessis.

Dienstag, der 4. April 2017  Bestes Koch von Mittelmeer

08:00 Uhr 1022 hPa, Cirrus Bewölkung. Die Fallböen haben gegen 04:00 Uhr aufgegeben. Frühstück an Bord. Danach eine Rund Schwimmen. Ich hab´s ungefähr 20 Sekunden im Wasser ausgehalten. Manfred deutlich länger. Das (noch) warme Wasser der Heckdusche war ein Traum.

Um 09:15 Uhr Anker auf und Kurs Richtung Kekova Körfezi. Vorbei an Kas, den Wind genau gegenan, biegen wir in den Hisar Limani. Die historische lykische Siedlung im Scheitel der Bucht bleibt uns leider verborgen, da Wind und Welle keinen Landgang mit dem Dinghi zulassen. Wir fahren weiter durch die Enge zwischen Festland und der Insel Akar Bogaz und biegen gegen 15:00 Uhr nach Kekova ein bis Ücagiz Um 16:45 Uhr ankern wir auf 4,4 Meter mit 50 Meter Kette im Westteil der inneren Bucht vor Ücagiz. Neben uns eine einzige Yacht. Sie macht aber den Eindruck als ankert sie schon seit vergangenen Herbst hier. Hassan, bestes Koch von Mittelmeer, begrüßt uns am Steg und hilft uns trocken aus dem Dinghi zu kommen. Wir sind wohl die ersten Gäste der Saison. Trotzdem zaubern seine Frau und er uns ein Mehrgänges-Menü vom Feinsten. Es wird ein langer Abend mit interessanten Gesprächen und dem einen oder anderen Raki.

Mittwoch, der 5. April 2017 Die Flüchtlingswelle reißt nicht ab.

08:00 Uhr 1018 hPa, 6/8 Bewölkung.  Wir haben es heute nicht eilig. Unser Ziel sind immer noch die alten Ruinen der Lykischen Stadt. Diesmal wollen wir es von der anderen Seite aus versuchen und fahren nach Palamut Bükü, auch Aperlia genannt. Wind und See sind ruhig. Trotzdem bleibe ich lieber an Bord und überlasse den Landgang der Crew. Kurze Zeit später bläst und schwellt es wie verrückt. So bin ich froh an Bord geblieben zu sein. Trotz geschützter Bucht wird die Welle höher, so dass die Landmannschaft keine Chance mehr sieht, heil mit dem Dinghi an Bord zurück zu gelangen. Ein Fischer organisiert den Transfer.  Das Foto wird in Facebook als „die Flüchtlingswelle reißt nicht ab, nur die Hautfarbe wird immer heller“ betitelt. Humorvolle Antworten aus der halben Welt kommen zurück. Wir bleiben in der Bucht und legen einen Ruhetag ein. Abends das obligatorische Kapitänsdinner und Restalkohol bis der Kühlschrank leer ist.

Mit dem Dinghi an Land

 

Mit dem Fischerbot zurück

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, der 6. April 2017 Zeitlos reisen.

Wir machen um 08:45 Uhr zeitig los. Frühstück war unter der Fahrt geplant. Kaum sind wir aus dem geschützten Bereich raus, gibt es langgezogene Wellen die uns kräftig rollen lassen. Sie stammen wohl noch von der Nacht, da kein Lüftchen dazu bläst. Es geht Richtung Kas-Marina 1013 hPa 1/8 Cu-Wolken 14 Grad. Gegen Mittag kommen wir in der Marina an, werden per Funk freundlich begrüßt und zwei Mitarbeiter weisen uns den Weg zum Steg E Platz 35 wo sie uns beim Anlegen helfen. Platz ist genug. Circa 40% der Stege stehen leer. Ich will mich nicht in die politischen Angelegenheiten eines Gastlandes einmischen, aber wie hier an den Küsten die Touristen durch die politische Lage vergrämt wurden, das ist schon erstaunlich. Das aufstrebende Land ist derzeit im begriff den Rückweg ins Mittelalter anzutreten. Es ist einfach traurig das mit anzusehen. Hoffentlich nimmt die Schreckensherrschaft, die doch knapp über die Hälfte der Türken für Gut heißen, bald ein gutes Ende. Die Leute die wir getroffen und gesprochen haben sind  nach wie vor wahnsinnig gastfreundlich aber viele sind sehr unzufrieden mit der aktuellen Situation.

Ümit der Marina-Chef begrüßt uns persönlich per Handschlag, wie alte Bekannte. Wir fühlen uns sofort wieder heimisch. Die Liegegebühr von 35,- € pro Tag sind den Aufenthalt Wert. Jetzt erst mal eine Stunde duschen und dann zum Supermarkt und anschließend in die Altstadt.

In Deniz Restaurant haben die Besitzer gewechselt. Offensichtlich ist die nächste Generation am Ruder. Das Essen in dem klassischen Einheimischen-Lokal schmeckt aber immer noch spitze. Und der Preis ist unschlagbar günstig.

Beim Absacker an Bord herrscht heftige Diskussion, ob morgen Donnerstag oder schon Freitag ist. So ist´s Recht. Zeitlos Urlaub machen.

 

 

Freitag, der 7. April 2017 Ein ziemlich langer Schlag

07:00 Uhr 1014 hPa, Wolkenlos und kalt. Schon wieder müssen wir zeitig los. Ingrid legt um 07:45 Uhr ab. Wir wollen bis zurück in den Golf von Fethye. Welle und Wind stehen voll gegenan und bremsen uns ungemein. Es wird ein harter Ritt. Wir kreuzen am Wind, sehen aber unser Ziel in Frage gestellt. Um 14.00 Uhr querab der sieben Kaps, holen wir die Segel ein und fahren einen direkten Kurs. Wenn wir Glück haben und Wind und Wellen nachlassen, erreichen wir Tersane noch bei Tageslicht. Wir sehen die ersten zwei Segler in dieser Woche.

Gegen 18:45 Uhr erreichen wir die geschützte Bucht der Insel Tersane. Bis auf einen Fischer, ein paar bellender Hunde und blökender Schafe sind wir wieder mal die einzigen. Resteessen an Bord. Alle sind ziemlich erschöpft. Es waren auch 57 NM. Und so ist gegen 22:30 Uhr bereits Nachtruhe angesagt.

 

Samstag, der 8. April 2017 Buchtenrunde

Regen weckt uns um 08:00 Uhr. Ganz entgegen der Wettervorhersage ist es total bewölkt. Das Fotoshooting in der Marina wurde wetterbedingt kurzfristig abgesagt. Wir können uns wieder abschminken, haben aber dafür einen Segeltag dazu gewonnen. Als der Regen nachlässt motoren wir im Uhrzeigersinn alle Buchten ab, um Eindrücke für den nächsten Törn zu sammeln. Von Tersane beginnend über Domuz Adasi nach Karpi. Weiter nach Yavanzu das von weitem schon durch eine steinerne Möve an Land erkennbar ist. Über Manastir und Sarsala geht es weiter zur Quellenbucht. Von dort geht es zurück zur D-Marin Göcek. Als sich gegen Mittag die Wolken verzogen haben kam Wind auf. Kurzentschlossen haben wir unsere Pläne geändert und sind zurück gekreuzt bis zur Sarsala-Bucht. Gegen 15:00 Uhr haben wir am neuen Steg des Restaurants festgemacht. So wurde es noch mal ein Abend in einer schönen Bucht bei gutem Essen und toller Aussicht. An die Fallböen waren wir ja schon gewöhnt.

Sonntag, der 9. April 2017 Rücksturz zur Basis.

Um 07:30 wecken um 08:00 Uhr Leinen los. Die Fallböen haben nachts nicht nachgelassen. So bringt uns der achterliche Wind mit bis zu 24 kt flott zur Basis zurück.  Gegen 10.00 Uhr erreichen wir die Tankstelle. Fäkalien raus, 60 Liter Diesel rein. Gegen 11:00 Uhr sind wir zurück am Steg. Eine schöne, aber, im wahrsten Sinne des Wortes, Coole Woche geht zu ende.

Serkan meinte, als wir wieder mal von Kas schwärmten, in Göcek ist es doch auch recht schön. Recht hat er! Und wir gewöhnen uns auch langsam an unsere neue Heimat und an die vielen netten Freunde.

 

Auf unserem letzten Törn, Mitte Oktober 2017 hatten wir einen Ausflug  nach Dalian eingeplant.  Man verliert zwar einen Segeltag, aber so ein kultureller Ausflug zu Törnmitte ist ganz interessant und abwechslungsreich.  So starteten wir, nach einem fürstlichen Frühstück an Bord,  am Montagmorgen gegen 9:30 Uhr  von Boynuz Bükü (auf Deutsch,  Hörnerbucht)  zu unserem Trip, Richtung Nordwest nach Ekincik. Zunächst durch die Passage zwischen Domuz Adasi und Tersane (auf Deutsch, die Werft),  vorbei am Kap Kurtoglu und dann immer Richtung Nordwest.  Bei gutem Segelwind dauert die Reise 6 bis 7 Stunden und das Ziel ist an einem Tag entspannt zu erreichen. Schon die ganze Woche vorher war es Wolkenlos. Das Barometer stand bei 1022 hPa wie angenagelt. Vormittags gab es den typischen Landwind, dann nach einer kurzen, circa einstündigen Pause, wenn sich die umliegenden Hügel und Berge ausreichend aufgeheizt hatten, folgten thermische Seewinde. Ideale Verhältnisse mit moderaten Wellen. Ein Traum für jeden Segler.

Gegen 16:30 Uhr kommen wir an unserem Ziel Köycegiz Limani (36°48`N 028°32`E) an. Die Handbücher weisen eine Vielzahl von Ankerplätzen zum Baden, aber auch zur Übernachtung aus. Wir haben zwei davon in die engere Wahl genommen. Entweder auf 2 bis 5 Meter Wassertiefe am Strand von Ekincik ankern, oder die My Marina ansteuern. Da wir morgen keine Bootswache zurück lassen wollen, entscheiden wir uns für die Marina. Etwas stutzig macht uns die Aussage aus einem Hafenhandbuch, dass das Restaurant sehr teuer wäre. Was sich im Nachhinein bestätigt, Service und Angebot aber den Preis auch Wert sind.

Die Marina bietet Wasser und Strom an. Abends werden 75 Lira Liegegeld erhoben. Was einen aber letztendlich von der moralischen Verpflichtung, im Lokal zu speisen, entbindet. Es gibt einen kleinen Laden für Lebensmittel, morgens frisches Brot. Toiletten und Duschen sind überdurchschnittlich eingerichtet. Mülltrennung und Abfallentsorgung selbstverständlich.

Eine Kooperative der Fischer organisiert die Bootsausflüge. Und so buchen wir abends schon die morgige Tagesreise. Sie kostet 150,-Euro pro Yachtcrew und wird im Nachhinein bezahlt.

Wir gönnen uns am Abend einen Restaurantbesuch. Der Tisch ist reserviert. Das Verhältnis Kellner zu Gästen hält sich annähernd die Waage.

Nach einem kleinen Begrüßungssnack aus der Küche, wird uns das Tagesmenü vorgestellt. Wir können zwischen vier Vorspeisen, vier Hauptspeisen und vier Desserts wählen. A la Card ist nicht vorgesehen. Das Menü kostet 28,- Euro pro Person. Warum wir letztendlich annähernd das Doppelte hinlegen mussten, ist wahrscheinlich unserem Durst geschuldet.

Pünktlich um 10:00 Uhr morgens werden wir von unserem Guide am Steg erwartet. Er spricht perfekt Englisch und mindestens 10mal so gut Deutsch, wie wir Türkisch.  Die Bootstour führt uns zunächst um ein Kap und an einer großen Sandbank vorbei. Mit viel Glück sind dort Wasserschildkröten zu beobachten. Wie gesagt, mit viel Glück. Dann beginnt eine Schilflandschaft wie ich sie bisher sehr selten gesehen habe. Unser Bootsmann steuert sicher durch das Labyrinth aus dem wir wahrscheinlich nur mit Mühe alleine  wieder herausgefunden hätten.

Nach einer guten Stunde sind wir durch den Schilfgürtel, vorbei an einer Fischschleuse und erreichen unseren ersten Anleger. Ein dreißigminütiger Fußmarsch bringt uns nach Kaunos, einer Antiken Römischen Hafenstadt aus dem 10 Jahrhundert vor Christi Geburt. Die zunehmende Versandung hat der Stadt irgendwann den Seeweg versperrt. Und eine mysteriöse Erkrankung hat die Haut der Bewohner gelblich gefärbt. Durch die häufigen Todesfälle haben die Einwohner irgendwann die Stadt aufgeben müssen. Heute weiß man, dass es sich um Malaria aus den Sümpfen handelte. Die Ruinen sind noch nicht ganz frei gelegt, lassen aber die enormen Ausmaße erahnen.

Weiter geht es dem Fluss Dalian stromaufwärts zu den Lykischen Felsengräbern. Es handelt sich um in den Fels gehauene Grabstätten. Unser Guide berichtet, dass es zwei grundsätzlich unterschiedliche Bauarten aus zwei Epochen gibt. Man erkennt sie an der unterschiedlichen Säulenstruktur. Leider kann man die Gräber nur aus der Ferne besichtigen. Vielleicht ist es aber auch gut so. Und so suchen wir uns einen netten Terassen-Platz mit Blick zu den Felsengräbern aus. Die Lokale sind vollkommen auf Tourismus ausgelegt, wie soll es auch anders sein. Aber Niemand nimmt uns übel, dass wir uns auf kühle Getränke, Salat und Vorspeisen beschränken.

Gestärkt geht es weiter zur dritten Station. Einem Schwefel-Thermalbad. Was soll ich schreiben? In atemberaubender Landschaft liegt ein heiß brodelndes, trübes und penetrant nach faulen Eiern stinkendes Bad. Wer´s mag kann reinsteigen. Es soll gesund sein. Christian, unser Mitsegler hat es ausprobiert. Der Rest der Crew hat darauf verzichtet und sich an den Chai (Deutsch Tee) an der Bar gehalten. Chai ist übrigens allgegenwärtig. Die Türken trinken sehr viel Tee.

Anschließend geht es zurück. Und gegen 16:00 Uhr sind wir wieder in der Marina. Um die Bordkasse nicht ungebühr zu strapazieren, wird an Bord gekocht. Kapitäns-Dinner. Spaghetti mit zweierlei Saucen, viel Salat, Efes, Angora und Raki.  Meine Crewmitglieder stimmen mir zu. Ein Ausflug der sich echt lohnt.

Wenn Ihr neugierig geworden seid. Meine MERLIN (Bavaria 33) hat in diesem Jahr noch eine Charterwoche vom 11.11. bis 18.11. frei und steht Euch ab 19.05.2018 wieder für solche Ausflüge und andere Erlebnisse zur Verfügung. Natürlich auch die restliche Flotte von Sail with Friends.

Liebe Grüße und kommt gut über den Winter

Skipper Tom

www.segelyacht-merlin.de

PS

Danke an Christian für die schönen Bilder

 

Ein etwas längerer Reisebericht über einen etwas längeren Segeltörn

Als wir 2008, nach vielen Chartertörns, unsere MERLIN kauften, schwang immer die Idee einer Weltumsegelung mit. Zunächst sollte das Boot aber verchartert werden und die zugesagten jährlichen 8% Rendite einbringen. Wenn wir dann irgendwann mal in den Ruhestand treten, soll´s losgehen.

Aber wie das Leben so spielt, werden aus Riesen oft Zwerge. Und so schrumpften auch unsere Pläne Jahr für Jahr und Stück für Stück zusammen. Nach dem der Konkurs des Charterunternehmens, verbunden mit hohem Geldverlust, blieb von der Weltumsegelung nur eine Mittelmeerumrundung übrig. Und als wir heuer im März in den Vorruhestand traten, wurde auch daraus „nur“ noch ein etwas längerer Türkei-Griechenland-Törn. Trotzdem sollte es unser bislang größtes und schönstes Segelabenteuer werden.

Neun Wochen zu zweit auf See, das ist nicht nur eine technische und logistische, sondern auch eine zwischenmenschliche Herausforderung. Aber was soll ich sagen, alles hat bestens geklappt.

 

Die Reise beginnt in Göçek.

Mitte März sind in der Türkei bereits T-Shirt Temperaturen. Aber das Wetter ist noch launisch und die Nächte kalt. Sehr kalt sogar. So wärmt uns abends der kleine Heizlüfter unter Deck, den ich vor Jahren in Kuşadasi gekauft habe. Geht aber nur bei Landstrom. Die ersten Tage verbringen wir mit Vorbereitungen und Landausflügen. Man hat ja schließlich Zeit, viel Zeit. So plaudern wir viel mit der Stützpunktcrew und mit anderen Seglern. Wir lernen unter anderem die Felsengräber in Fehtyie, den berühmten Fischmarkt und die verlassene Stadt Kayaköy kennen. Wir reisen vorwiegend mit den regionalen Kleinbussen, den Dolmush. Günstiger kann man nicht reisen. Einfach genial. Leider gibt es sowas nicht in Deutschland. Oder Gott sei Dank! Denn bei unserer typisch deutschen Einstellung würden sich Fahrer, Fahrgäste, Passanten und Verkehrspolizisten in kürzester Zeit gegenseitig umbringen.

In den Lokalen sind wir meist die einzigen Gäste, werden aber immer zuvorkommend und nett bedient. Die Saison hat noch nicht begonnen und der türkische Wahlkampf trägt sein Übriges dazu bei.

Trotz nächtlicher Tiefsttemperaturen nabeln wir uns am 25. März vom Landstrom und den Annehmlichkeiten der D-Marin Göçek ab und machen uns auf die Reise. Zunächst bleiben wir noch im Bereich um Göçek, der sogenannten Bucht von Fethyie, die ich immer als türkischen Bodensee bezeichne. Viele Charterkunden verlassen dieses Gebiet auf ihrem Törn überhaupt nicht. Fast komplett von Land umschlossen, gibt es moderate Winde bei wenig Welle. Und an jeder Ecke eine nette Taverne. Ideal für Familientörns. Nur bei uns bläst es jetzt ohne Unterlass, so dass sich am nächsten Morgen an unserer Mooring-Tonne die Festmacherleine bis auf ein paar Kardeele durchgescheuert hat. Zwei Tage später verlassen wir das Revier und gehen Richtung Norden nach Ekinçik. Die Sonne versucht sich durch den Saharastaub zu kämpfen. Die glatte See wechselt schlagartig beim Verlassen des „Bodensees“ in 2 Meter langgezogene Welle, aber ohne Wind. Ziemlich durchgeschaukelt erreichen wir abends als einzige Yacht die MyMarina. Das Restaurant ist noch im Dornröschenschlaf. Nach einer knappen Stunde Fußmarsch bekommen wir im Dorf in einer Lokanda bei den Einheimischen Essen und Getränke. Sogar eine Flasche Rotwein findet sich in der Abstellkammer. Ein Gast fährt uns anschließend mit seinem Auto zurück zum Schiff.

Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Wir brechen am nächsten Morgen zeitig auf, um vor dem Regen in Marmaris zu sein. Netzel Marina Marmaris, der Beginn meiner seglerischen Aktivitäten. Das müsste so ungefähr 30 Jahre her sein. Im strömenden Regen gehen wir zum Marina-Office. Der Typ hinterm Schalter grinst, als ich seine Visitenkarte zücke. Er hat jahrelang in Düsseldorf gelebt und ich hab ihn bei einem Überführungstörn kennen gelernt. So klein ist die Welt. Selbst meine alte Karte für den Landstrom funktioniert hier noch. Wir bleiben ein paar Tage. Die Einkaufsliste liest sich recht abenteuerlich. Mooring-Handschuhe, Zahnputzbecher, Kippschalter, Lötkolben usw. Die Altstadt ist mittlerweile ein komplett überdachter Bazar. Eine Touristenhochburg mit lauter Discomusik bis zum Hafen. Aber so war Marmaris eigentlich schon immer.

Am 30.3. es ist Karfreitag, geht es bei blauem Himmel weiter Richtung Nord. Bei bis zu 30kt Wind und gut Welle wird es ein ziemlicher Ritt. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir die Bucht von Nemo. So haben wir sie vor Jahren getauft. In der Karte heißt sie Serçe Limani. Die Einfahrt ist nur sehr schwer auszumachen. Dahinter öffnet sich eine Art Fjord. Von den zwei Tavernen wurde eine rückgebaut. Die Andere, an deren klapprigen Steg wir festmachen, macht erst in einer Woche wieder auf. Die 0,6 Meter Wasser unterm Kiel beunruhigen mich schon etwas.  Ein Fischer verkauft uns seinen Fang. Die Meerbarben werden zum Karfreitagskarpfen umgetauft. Ein herrliches Gericht, noch Wochen danach finden sich Schuppen davon in der Pantry. Es ist eine ruhige und sternklare Nacht. Leider kann man ohne Schüttelfrost nicht lange draußen sitzen.

Teils unter Motor, teils voll besegelt fahren wir am nächsten Tag weiter, vorbei am Kap Karaburun und biegen in den Hisarönu Körfezi ein. Ein gemütlicher Segeltag. Nur als wir unserem Ziel näher kommen frischt der Wind krass auf. Ein einziger Platz ist am Gemeindesteg des Dorfes Selemiye Köyu noch frei. Die Gasse zwischen zwei Yachten ist ziemlich eng, was aber bei dem Wind eher von Vorteil ist. Der Hafenmeister ist sehr Hilfsbereit und Ingrid kann erstmals ihre Mooring-Handschuhe testen.

Auch dieses Dorf befindet sich noch im Dornröschenschlaf. Der einzige Laden der geöffnet hat, ist eine Bäckerei. Abendessen also an Bord aber mit Katzenbesuch.

Nachts immer wieder starke Fallböen. Auch der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Ein Tiefdruckgebiet ist im Anmarsch.

Es ist Ostersonntag, der 1. April. Es pfeift immer noch heftig von den Bergen herab. Ungewaschen und ungefrühstückt machen wir uns auf den kurzen Weg zur Marti Marina bei Orhaniye. Der Wind nimmt stetig zu. So ist es beruhigend, dass uns gleich drei Helfer im Pilotboot beim Anlegen zur Seite stehen. Aber alles klappt perfekt. Langsam sind wir ein eingespieltes Team.

Orhaniye ist ein weit auseinandergezogenes Dorf mit viel landwirtschaftlicher Fläche und keinerlei Versorgungsmöglichkeiten. An einer Art Tankstelle an der Durchgangsstraße wollte man uns für 4 Äpfel ein Vermögen abnehmen. Nein danke! Das Strandrestaurant Orhaniye Incir hat als Einziges geöffnet. Essen und Service sind ganz OK. Nachts zieht die Front durch und schüttelt uns selbst in der geschützten Marina ziemlich durch.

Obwohl die meisten Yachten noch an Land stehen, waren der Supermarkt und ein Restaurant in der Marina geöffnet. Sogar unsere Wäsche wurde gewaschen. Auch die erste leere Gasflasche kann problemlos getauscht werden.

 

Am Dienstag stellt sich stabiles Hochdruckwetter ein. Schnell noch mal duschen, Boot fertig machen und los geht´s Richtung Westen, Kurs Palamut Bükü. Querab Simi muss der Motor mithelfen, ab Inçe Burun geht es dann wieder mit reiner Windkraft voran. Hayit Bükü, das wir als Erstes anlaufen, ist durch Fallböen als Ankerplatz heute absolut ungeeignet. Also weiter zum Hafen von Palamut Bükü. Die Einfahrt ist versandet und daher Vorsicht geboten. Im Hafenbecken herrscht ein rechtes Leinen- und Ankergewirr. Der uns zugewiesene Platz gefällt uns nicht besonders, so dass wir 10 Minuten später wieder draußen sind und vorm Hafen ankern. Nach einem ruhigen Sundowner setzten auch hier Fallwinde ein und bescheren eine extrem unruhige Nacht. Gegen 2:00 Uhr ist keine Ankerwache mehr notwendig. Dafür setzt Schwell ein, dass einmal sogar die Besteckschublade aufspringt.  Interessant ist, dass es zu der Jahreszeit nachts immer richtig bläst und tagsüber der Wind gerade so zum Segeln reicht. Umgekehrt wär´s deutlich entspannter.

 

Wir verlassen den Bereich der Daça Halbinsel mit einem kurzen Abstecher zum antiken Knidos. Den Gökova Körfezi lassen wir aus. Es geht stundenlang zum Teil unter Motor an der Insel Kos vorbei. Je näher wir unserem Tagesziel, der D-Marin Turgutreis, kommen, desto mehr nimmt der Wind zu, leider wieder exakt gegenan. In Turgutreis, der zweitgrößten Marina der Türkei, sind unsere Schiffsdaten noch im Computer gespeichert. Wir checken gleich für zwei Tage ein und unternehmen Tagesausflüge nach Bodrum und Turgutreis, kaufen einige Leinen und verproviantieren MERLIN neu.

Freitag, 6. April. Es ist wolkig geworden. Frühstück unter Deck, noch mal duschen, dann geht´s weiter. Zunächst unter Motor Richtung Norden an Gümüslik vorbei. Dann in den Güllük-Golf. Wir segeln mit 2 bis 3 Knoten Fahrt durch den Golf. Ab Asim Körfezi werden es dann 5 Knoten. Leider geht unser Windmesser nicht mehr. Wir steuern Port Iassos an.

Es gibt nur wenig Informationen über diese Marina, da sie noch nicht sehr lange besteht. Auch hier hat die Saison noch nicht begonnen. Man bemerkt uns erst als wir bereits einen Anlegeversuch starten. Natürlich unter Fallwinden. Das Personal der familiär geführten Marina ist überaus freundlich und hilfsbereit. Im Büro erfahren wir, dass unsre Nachbaryacht dem Schauspieler Sigmar Solbach gehört. Leider ist er nicht anwesend, wir hätten ihn gerne kennengelernt. Es ist die günstigste Marina auf unserer Türkeireise. Wahrscheinlich weil u.a. keine Krananlage und keine Tankstelle vorhanden ist. Auch die Anreise ist etwas umständlich. Zwar fliegen im Sommer genügend Airliner Bodrum an, aber den letzten Streckenabschnitt muss man mit dem Gullet zurücklegen.  Am Hang befindet sich eine Geisterstadt. Alles leerstehende neue Villen, die bereits wieder dem Verfall ausgesetzt sind. Zum Marina-Service gehört der kostenlose und mehrmals täglich verkehrende Gullet-Transfer nach Güllük, den wir zu einem Tagesausflug nutzen.

Es wird langsam Sommerlich warm. Bei Blumenkohlwolken sitzen wir abends im T-Shirt an Deck und planen die Weiterreise. Didim – St. Nikolo – Kuşadasi – Samos usw. usw.

Der Wetterfrosch hat für Nachmittag Gewitter angekündigt. Wir starten deshalb zeitig, um trockenen Fußes in Didim anzukommen. Alle Segelversuche schlagen fehl. Es herrsch zu wenig Wind. Erst kurz vorm Anlegen frischt er auf. Aber das kennen wir ja bereits. Der abendliche Besuch des Apollo-Tempels endet jäh mit einem Wolkenbruch. Ein Supermarkt bietet Unterschlupf. Dort gibt es auch Schirme zu kaufen. Ziemlich durchnässt kehren wir zu MERLIN zurück. Dann wird´s halt ein gemütlicher Fernsehabend unter Deck. Dank Bord-WLAN und Frankenschau.

 

Unser nächstes Ziel ist die Bucht St. Nikolo am türkischen Festland gegenüber der Insel Samos. Doch vorher werden in der Marina noch mal 70 Liter Diesel getankt und 20 im Kanister gebunkert. Nach dem Kap Tekagaç bringen uns achterliche Winde Richtung NNW, entlang der Küste. Um 16:30 Uhr erreichen wir St. Nikolo. Der Wind bläst mittlerweile wieder recht ordentlich und macht den Ankerplatz unsicher. So versetzen wir weiter nach St. Paul. In der Karte Su Adasi genannt, wo sich das Eisen bei 5 Meter Wassertiefe in den Sand gräbt . Gegen 21:30 Uhr, es ist schon dunkel, nähert sich langsam tuckernd ein Fischerboot. Die Jungs versuchen ihr Netz, das sie einholen, unter MERLIN vor zu bringen. Vergeblich. Die Boote berühren sich mehrmals, dann wird das Netz kurzerhand mit dem Messer gekappt. Nach einer halben Stunde kommt der Fischer von der anderen Seite um das andere Netzende einzuholen. Das gelingt. Es hat sich zum Glück nicht unter unserem Rumpf verfangen. In gebührendem Abstand machen die Fischer ein Schläfchen. Aber nach drei Stunden, es ist immer noch stockdunkel, legen sie das geflickte Netz wieder aus. Diesmal allerdings mit vielen Blitzlichtern dran. Morgens holen sie Ihre Beute ein. Wir nehmen ein Sonnenbad in der Bucht, die uns für ein paar Stunden alleine gehört. Um 10:30 Uhr gehen wir Anker auf, runden Kap Dipburun und machen uns auf den Weg nach Kuşadasi. Immer brav an der türkischen Küste entlang, da uns ein griechisches Kriegsschiff beobachtet. Meinen wir jedenfalls. Das Meer ist glatt wie die Folie in der Augsburger Puppenkiste.  Wir nehmen direkten Kurs 030 nach Kuşadasi. Um 15:00 Uhr machen wir am Steg L fest. Annähernd an der Stelle, wo MERLIN über ein Jahr seinen Platz hatte. Esra, die Frau von Günter, begrüßt uns herzlich. Auch die anderen Gesichter kommen mir noch bekannt vor. Es ist ein bisschen wie heimkommen. Am nächsten Morgen kümmert man sich um die defekte Windanlage und noch ein paar weiter Baustellen. Gegen Mittag fahren wir mit dem Dolmush nach Ephesus und zur Kapelle der Jungfrau Maria. Ich mache mir normalerweise nichts aus alten Steinen, aber diese historische Stätte muss man gesehen haben. Es ist sehr beeindruckend, ja beinahe überwältigend. Als wir zur Marina zurückkommen, liegt bereits unsere gewaschene Wäsche an Deck. Nachts ist noch eine deutsche Dreier-Crew mit dem Taxi angekommen und belegt eines der Nachbarboote. Eine Rentnercrew wie uns scheint. Am nächsten Morgen stellt sich der Skipper bei uns vor. Er heißt Walter. Ein sehr sympathischer Typ mit dem man gerne plaudert. Er erinnert mich auch irgendwie an Jemanden. Meinen Namen kann er sich ganz gut merken, meint er. Sein Sohn heißt auch Thomas. Merkwürdiger Zufall, mein Vater hieß auch Walter. Und jetzt weiß ich auch, an wen er mich erinnert.

Mittlerweile hat der Elektriker eine neue Platine für unsere Windanlage aus Izmir geholt. Wir unternehmen einen Museumsbesuch auf der vorgelagerten Taubeninsel. Übrigens, Kuş heißt auf Türkisch Taube und Adasi natürlich Insel. Kuşadasi – die Taubeninsel! Mittags essen wir in der Stadt in einem Einheimischen-Lokal für 17 Türkische Lira. Das sind umgerechnet 3 Euro und 50 Cent für 2 Personen incl. Suppe und Getränke und Tee auf´s Haus.

Freitag der 13. April. Auf nach Samos.

Gestern haben wir noch mit Tassos, einem Agenten auf Samos, Kontakt aufgenommen und uns für heute Nachmittag angekündigt. Er wird uns beim einklarieren helfen. Die Überfahrt bis Samos Marina ist in knapp drei Stunden bewältigt. Das GPS zeigt exakt den Grenzverlauf an. Um 12:45 holen wir die türkische Gastlandflagge ein und setzen  feierlich die Griechische.

In Samos ist alles etwas anders. Halt griechisch. Wir müssen fünfmal über Funk rufen, bis wir Antwort erhalten. Niemand geleitet einen zum Liegeplatz. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm. Nur eben anders. Etwas ungewohnt wenn man, wie wir, in der Türkei verwöhnt wurden. Die dunkelhaarige Schönheit im Marina-Büro entschädigt nur teilweise für den geringeren Service. Auch die Liegegebühren sind in Griechenland deutlich günstiger. Nach dem ersten Toilettenbesuch kann man sich denken warum.

Etwa 30 Minuten nach unserer Ankunft steht Tassos vor unserer Pasarella. Er erleichtert uns um unsere Ausweise und die Schiffspapiere. Nach einer Stunde ist er wieder da. Sein Kumpel auf der Polizeistation hat Urlaub und der Stellvertreter möchte uns persönlich kennenlernen. So werden wir kurzerhand zur Polizeistation gefahren und sind drei Minute später eingebürgert wieder draußen.

Die Luft steht in der Marina. Endlich ist es richtig Sommer geworden. Abends nehmen wir den Schotterweg am Ufer entlang zur Stadt Pythagorion. Auch hier bin ich vor 12 Jahren schon mal entlang gelaufen. Wir machen einen Stadtbummel, hören seit langem mal wieder Kirchenglocken und finden in einer engen Gasse eine typisch griechische Taverne mit Hausmannskost, Ouzo und Retsina.

Am anderen Morgen spielt Tassos den Reiseführer für uns. Er zeigt uns die Gegend und macht Vorschläge für Wanderungen. Letztendlich setzt er uns an einem Bergkloster ab, wo sich in einer Tropfsteinhöhle ein Altar befindet. Nachmittags machen wir eine Taxifahrt nach Samos Stadt. Ein quirliger Ort mit großem Hafen. Dort treffen wir auf zwei deutsche Rettungskreuzer und sprechen mit einem der Kapitäne. Sie sind schon seit Monaten hier stationiert und haben bereits viele Flüchtlinge aus dem Wasser gezogen. Keine einfache Aufgabe.

Am nächsten Tag besichtigen wir den Tunnel des Eupalinos. Er wurde vor 2.600 Jahren über einen Kilometer durch den Berg gegraben und diente zur Wasserversorgung. Auch den Flughafen von Samos, mit dem abenteuerlichen Anflug, lassen wir uns nicht entgehen. Am Abend gibt es noch die vorbestellte Moussaka bei Maria in unserer Stammkneipe. Dann müssen wir Abschied nehmen.

 

Dienstag, der 17. April

Es geht nach Agathonisi, einem kleinen Klecks auf der Seekarte. Die Südseite ist sehr zerklüftet mit schönen Ankerbuchten. Wir fahren mit dem Dinghi und einer Flasche Rotwein an den menschenleeren kleinen Kiesstrand. Diese Sonnenuntergänge sind wie Meditation. Kein Mensch weit und breit. Kein Lärm. Nur die Sterne und die Spiegelung des Mondes im Wasser.

Mittwoch, der 18. April

Im Gegensatz zum Strandbesuch war die Nacht dann doch nicht ganz so ruhig. Einsetzender Wind hat zweimal den Ankeralarm ausgelöst. Und weil Merlin immer so gerne mit dem Wind tanzt, klopft die Kette ziemlich lautstark gegen den Metallbeschlag am Bug.  Auch die Ankerkralle hilft da nicht dagegen. Gegen 10:00 Uhr holen wir den Anker ein und nehmen Kurs Leros. Knapp eine Stunde später meldet sich der Wind wieder, der, seit er unseren Anker sah, schlagartig verstummte. Wir peilen die Nordspitze der Insel an. Neben den vielen Fischzuchten gibt es zwei Marinas, die von einer Landebahn getrennt sind. Vergeblich suchen wir durchs Fernglas den dazugehörigen Hafen. Später erfahren wir, dass es hier nur Landliegeplätze und einen Travellift gibt. Wir drehen nach Südost und erreichen um 15:30 Uhr unser Ziel, die Stadt Lakki.

Leros hat eine unrühmliche Vergangenheit als Irrenhausinsel. Lakki hat einen für Griechenland untypischen Baustil. Wir sind beim Stadtbummel auch beide nicht besonders beeindruckt. Lange dauert es, bis wir ein uns passendes Lokal finden. Dort erhalten wir das schlechteste Essen unserer Reise, zum teuersten Preis.

 

Donnerstag, der 19 April.

Der Windfinder meldet stürmisches Wetter für die nächsten Tage. Und obwohl wir für zwei Nächte Hafengebühr entrichtet haben, brechen wir Hals über Kopf auf. Entgegen unseren Plänen nehmen wir Kurs zum türkischen Festland. Als wir durch die Passage zwischen Leros und Kalimnos sind, wird’s Windig. Mit stark gerefften Segeln geht´s in Schussfahrt dahin. Auch die Wellen sind nicht von schlechten Eltern. Die nächste schützende Marina ist Turgutreis wo wir um 14:30 Uhr an unserem alten Platz festmachen. Die Crew im Büro ist zwar etwas verwundert, dass wir schon wieder da sind, können es aber bei der Wetterlage ganz gut verstehen.

Der Starkwind lässt nicht nach und wir bleiben ein paar Tage. Aus dem geplanten Trip nach Pamukale wird es dann allerdings doch nichts. Der letzte Bus ging gestern, der Nächte erst am Montag.  Wir gehen einkaufen sitzen im Kaffee, bummeln durch die Straßen und reservieren einen Tisch für Samstagabend  in einem Fischrestaurant, in dem wir die Vorspeisen schon mal vorgekostet haben.

Von Werner, einem Hessen der mit seiner 44er Bavaria unterwegs ist, erfahren wir, dass die Bavaria-Werft gestern Konkurs angemeldet hat. Werner hatte früher seine Yacht über die Firma Franken & Meer verchartert. Die Agentur war in unserer Stadt beheimatet. So klein ist die Welt.

 

Montag 23. April

Es geht nach Kos. Herrlicher Segelwind. Wir sind mit 6 Knoten gut unterwegs. Im Fahrwasser müssen wir immer wieder ziemlich großen Frachtern ausweichen.

Danach riecht es eine Zeitlang wie daheim im Heizungskeller. Und das Wasser wandelt sich zur schillernden Brühe. Welcher der Große der Übeltäter war, ist schlecht auszumachen. Die Strecke ist ziemlich befahren. Aber eine riesen Sauerei ist es allemal. Gegen Mittag sind wir bereits am Tagesziel, holen die Segel ein und melden uns über Funk bei der Marina Kos an. Wir lassen einen anderen Segler mit Motorschaden den Vortritt, bevor wir am Steg F anlegen. Der Abendspaziergang führt uns zum Stadthafen. Auch hier kommen Erinnerungen an einen früheren Törn hoch. Zum Abendessen haben wir uns die Taverne MπAXAPIA ausgesucht, in der nur Einheimische sitzen. Wir werden nicht enttäuscht.

Morgens weckt uns ein Betonmischfahrzeug. Direkt an unserem Heck bessern Arbeiter die Pier aus. Allerdings typisch griechisch. Nachdem der Glattstrich fertig war, kamen zwei Kleinbusse und haben ihr Reifenprofil in der frische Betonschicht verewigt. Nachmittags sehen wir uns die Platane des Hyppokrates an.

Donnerstag, der 26. April

Nach einem weiteren kurzen Übernachtungsstopp in einer Bucht am türkischen Festland, steuern wir die Insel Symi an.  Zuvor gibt es Frühstück an Deck. Es ist sommerlich warm geworden. Die Durchfahrt zwischen der Insel Nimos und Symi ist atemberaubend. Das Hafenhandbuch meint, man soll sich nicht nervös machen lassen, ob der geringen Tiefe und der wechselnden Wasserfarbe. Hinter dem eigentlichen Haupthafen mit Postkartenmotiv, gibt es eine tief einschneidende Bucht. Dort fällt unser Ankerpärchen auf 17 Meter in gut haltenden Schlick. Ingrid geht erstmals ohne Neopren ins Wasser. Es ist Sommer. Im einzigen Strandkaffee gibt es, Dank der EU,  0,3 Liter Bier für 3,40 Euro. Quasi ein Euro pro Schluck. Nachdem wir die einzigen Gäste sind, beschließt die Wirtin in 15 Minuten zu schließen. Abendessen an Deck. Es ist windstill und wird sternenklar.

 

Am Morgen, als die Sonne über die Hügel spitzt, sehen die Hänge wie abgeschmolzene Gletscher aus. Total Karg, ohne einen grünen Fleck. Landwirtschaft ist auf Symi offensichtlich nur eingeschränkt möglich. Unser heutiges Tagesziel, Rhodos Marina. Die ewig „Unvollendete“. Um 10:30 Uhr zerren wir die Anker aus dem Grund und befreien sie mühselig vom Schlick. Anschließend muss das ganze Boot gereinigt werden. Um 11:30 Uhr querab Karaburun passieren wir ein dümpelndes griechisches Kriegsschiff. Dann kommt endlich Wind auf und wir segeln mit gemütlichen 3kt Richtung Nordspitze von Rhodos.  Die Handbücher und selbst der Kartenplotter sind sich nicht ganz einig, wo denn die Marina genau liegt. Im zweiten Anlauf finden wir die Einfahrt. Eine Kennzeichnung wäre sehr hilfreich gewesen, da es mehrere Häfen ringsum gibt. Wir parken MERLIN achteraus bei 18 Knoten Wind in einen Seitensteg ein. Es gibt kein Mooring-System. Antonia erleichtert uns für zwei Nächte um 80 Euro. Der Eincheck ist problemlos, schließlich hatten wir uns gestern bereits per Mail angekündigt. Bisher liegen wir alleine am Steg, dann laufen 12 Regattaboote beinahe zeitgleich ein. Wahrscheinlich alles perfekte Segler, nur vom Anlegen leider nicht die geringste Ahnung. Ich stürme aus dem Marina-Kaffee, weil ich echt Angst um unser Boot habe. Die Marina-Crew kann aber Schlimmeres verhindern.

Wir haben nichts gegen Ausländer. Schließlich sind wir selbst auf der ganzen Welt Ausländer. Aber wenn 12 Crews Russen aus Dusche und Toilette kommen, brauchst Du da nicht mehr rein. Das Abendessen nehmen wir, weit entfernt der Touristen, in einer unscheinbaren aber urigen Taverne ein. Und wieder haben wir mit unserer Entscheidung ins Schwarze getroffen.  Nach Retsina und einigen Gläsern Ouzo werden wir etwas melancholisch. Zu viele sind in letzter Zeit von uns gegangen. Wir stoßen auf Karin an, auf Herbert, auf unseren Papagei, unseren treuen Hund, auf meinen Vater und noch so einige, die wir wohl nie wieder sehen werden.

Samstag, der 28.04.

Wir besichtigen die Altstadt von Rhodos. Die Stadt ist sehr touristisch, groß und laut. Sie hat doppelte Stadtmauern. In deren circa 3 Kilometer langen Burggraben steht die Luft wie in der Sauna. Im Stundentakt landen die Flugzeuge über unseren Köpfen hinweg und karren Touris an.

Am Nachmittag bereiten wir MERLIN auf die Weiterreise vor und bemerken dabei Wasser in der Bilge. Der Geschmackstest sagt Süßwasser vermischt mit Öl und anderen Feinheiten. Nach dem Lenzen ist Ruhe. Pumpe, Wasserboiler, Außendusche, nirgends ist ein Leck erkennbar.

 

Sonntag, der 29.04.

Wir klarieren über Michalis, einem Agenten, aus Griechenland aus und machen uns um 9:00 auf den Weg zurück zum türkischen Festland. Das Wasser in der Bilge steigt wieder an. Wir ändern unsere Pläne und gehen auf Kurs 090 Richtung Göçek zu einem Wartungs-Zwischenstopp. Nach 6 Stunden erreichen wir den „Bodensee“. Ein wahrer Schwarm an Segelyachten kommt uns entgegen. So viele Yachten haben wir die letzten 5 Wochen zusammen nicht gezählt. Die Saison hat offensichtlich längst begonnen und gestern war auch noch „Bettenwechsel“ in den Charterbasen. Um 17:15 Uhr legen wir an unserem Haus-Steg an.

Am nächsten Tag ist bei der Stützpunktcrew Off-Day. Wir schließen uns an und legen einen Ruhetag am marinaeigenen Sandstrand ein. Es folgt eine improvisierte Bandprobe mit Minikeyboard und CD. Denn unmittelbar nach unserer Rückkehr steht ein wichtiger Auftritt an. Abends lassen wir´s im Çan Restaurant mal so richtig krachen. Unzählige Vorspeisen, Dorade, Rinder Filetsteak und Nachtisch. Das Ganze für sage und schreibe 180 türkische Lira, entspricht 35,- Euro. Geht doch!

Am Dienstagmorgen geht´s los. Die Wasserpumpe wird abgedichtet und der undichte, ölige Saildrive repariert. Gegen 15:00 Uhr sind, dank Serkan, die Arbeiten abgeschlossen. Auch die verschlissene Moooring-Leine wird gleich mit getauscht.

 

Mittwoch 02.05.2018

Nach einem Zwischenstopp an der Tanke und dem Check des verstopften Fäkalientanks geht es weiter die türkische Küste entlang. Diesmal Richtung Süden. Gemiler Adasi ist unser geplantes Ziel. Der Wetterbericht kündigt nachts zunehmende und drehende Winde an. Wir entscheiden uns deshalb für eine Mooring-Tonne vor dem Restaurant bei Karacaören. Ein Ton aus dem Nebelhorn und wir werden von Chef persönlich mit dem Boot abgeholt. Es ist eine sehr einfache Taverne, wie wir es gerne haben. Die selbst gebackenen Brote und Speisen aus dem Backofen sind gut. Man ist sehr um die Gäste bemüht.

 

 

Donnerstag 03.04.

Der Wetterbericht meldet Starkwind für die ganze Region. Das ist gut zum Segeln, aber schlecht zum Ankern. Er soll nämlich nachts nicht abschwächen. Entgegen unseren Plänen, bis zur Bucht vor Kalkan zu fahren, beschließen wir bis Kaş durchzufahren. Querab der sieben Kaps verändert sich die Farbe der See schlagartig. Wie wenn ein Schalter umgelegt wurde, haben wir schlagartig 28 Knoten am Stau und 1,5 Meter Welle. Wir müssen kreuzen, da der Wind wieder annähernd von Vorne kommt. Nach 10 Stunden anstrengendem Ritt erreichen wir die Bucht der Kaş Marina. Mit dem Salz auf der Haut könnte eine Großküche eine Woche lang würzen. Die Hilfe beim Anlegen ist unübertroffen gut. Perfekter Service. Man erinnert sich sogar noch an uns und zeigt auf unseren damaligen und heute verwaisten Liegeplatz G 27. Schließlich lag MERLIN fast zwei Jahre hier. Unser Lieblingsrestaurant in Kaş hat den Besitzer gewechselt. Das Essen ist aber nach wie vor sehr gut und günstig. Yeşil-Restaurant Atatürk Blv. 11/1.

Wie schon vorhergesagt war die Nacht ziemlich windig was in der Marina nicht weiter stört. Von Ümit, dem Marina-Chef werden wir wie immer herzlich begrüßt. Er ist mittlerweile nicht nur ein Facebook-Freund geworden. Zum zweiten Frühstück geht’s in die Stadt. Anschließend zum Markt. Insider wissen, dass Freitag Markttag ist und es dort die wohlriechensten Erdbeeren von Welt gibt. Auch fürs Boot werden einige Dinge benötigt. Schlüsselanhänger für die Reling, Spritzdüse für den Wasserschlauch, Spirale für den Fäkalientank, Spanngummi für die Fender. Den Nachmittag verbringen wir an Pool und Strand. Es sind weniger Gäste als Bedienstete da. Hoffentlich überlebt der Laden. Wäre schade darum. Der Wind kann sich am Abend nicht zwischen Ost und West entscheiden. Wahrscheinlich wegen der Gewitter die an den Bergen hängen und für eine farbige Abendstimmung sorgen, nur ab und zu vom Blitzlicht unterbrochen. Abendessen großspurig im Marina-Restaurant Pasarella. Mezze, Rindersteak, Oktopus, Bier, Wein, Raki. Die Bordkasse gibt´s noch her.

Sonntag, 6. Mai

Nachts hat es zweimal geregnet. Der Himmel ist 6/8tel bewölkt. Um 10:00 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Kekova. Um 12:00 Uhr passieren wir die Engstelle Akar Geçidi. Von der letzten Nacht steht noch eine langgezogene hohe Welle an. Aber kein Wind. Nach der Einfahrt in den Kekova Körfezi drehen wir nach links (Backbord) und werfen beide Anker am Ende der Bucht Polemos Bükü auf 7 Meter Tiefe mit 50 Meter Kette. Hier sieht es aus wie vor 20 Jahren. Wir sind die einzige Yacht. Nachts lässt der Düseneffekt in der Bucht nach. Ein Anker hätte locker gereicht. Im Frankenfernsehen erfahren wir, dass der Club wieder aufsteigt. Naja, dann.

Alle Wetterberichte sagen am frühen Morgen, dass bereits mittags schwere Gewitter zu erwarten sind. Richtung Kaş stärker, Richtung Finike schwächer. So machen wir uns Richtung Süden auf den Weg zum klaren Wasser von Gökkaya Limani. Wir schippern mit Vorwindkurs den kompletten Körfezi entlang. Viele Ausflugsboote sind unterwegs und kreuzen unsere Wege. Gegen 13:00 Uhr sind wir bereits am Tagesziel und werfen unsere Anker ins glasklare Wasser der Bucht. Südseefeeling pur. Ein Dinghi-Ausflug führt uns zur verfallenen Taverne am Ufer und zu einer verlassenen Stadt. Erstmals teste ich meine neue Taucherausrüstung und muss feststellen, dass ein Bleigürtel eine sinnvolle Anschaffung gewesen wäre. Abends schläft der Wind ein, wie ich es eigentlich von meinen Sommertörns in der Türkei gewohnt bin. Auch die Gewitterwolken haben gut Abstand zu uns. Wir haben unser südlichstes Ziel unserer Reise erreicht.

 

Dienstag 8. Mai

Wir werden vom Regen geweckt. Dunkle Gewitterwolken stehen über den Bergen. Wir verlassen die Südsee Richtung offenes Meer, da hier die Sonne scheint. Allerdings scheinen uns die Gewitterwolken zu verfolgen. Immer wieder beginnt es kurz zu regnen. Wieder steht im offenen Wasser eine lange, ca. 2 Meter hohe Welle an. Aber es ist mehr ein wiegen als ein schaukeln. Am Leuchtfeuer biegen wir noch mal in den Kekofa Körfezi ein, Richtung Ügazik. Denn wir wollen unbedingt noch unseren Freund Hassan besuchen. Die Gemeindestege treiben unübersichtlich vorm Dorf im Wasser. Unser Dinghi wird aber von Land aus gelotst, damit wir uns  nicht in den Trossen verfangen. Hassan, seine Frau und seine Tochter sitzen alleine im Restaurant und schimpfen mehr oder weniger über die politische Lage im Land und das Ausbleiben der Touristen. Wenn auch die Auswahl nicht sehr groß ist, gibt es leckere Vorspeisen und Çibura (Dorade).

Am nächsten Morgen besprechen wir beim Frühstück die weitere Route. Wir wollen noch eine weitere Nacht in Kaş-Marina zubringen. Duschen, Batterien laden, Wasser bunkern, Schrauben kaufen und SIM-Karte aufladen. Und dann machen wir uns über Karakaören auf den Weg nach Hause. Mit achterlichen Winden kommen wir die nächsten Tage gut voran. Eolos tut es jetzt scheinbar doch etwas Leid. Für all den Gegenwind und die vielen Motorstunden der letzten Wochen.

Wir gönnen uns in der Sarsalla-Bucht noch ein üppiges Abendessen mit bunt gemischten Vorspeisen, Hähnchen aus dem Backofen, gegrilltem Gemüse, mit Käse überbackenem Brot, und Früchten. Am nächsten Morgen fahren wir nur ein kurzes Stück. Und zwar zu der Mooringtonne, von der wir vor acht Wochen unser Abenteuer begonnen hatten. Steine als Bleiersatz helfen beim Tauchen. Der letzte Abend auf See stimmt uns schon etwas nachdenklich. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Prost Ingrid! Prost Thomas! Morgen geht´s zurück nach Göçek und in ein paar Tagen holt uns der Alltag wieder ein. Aber es wird nichts mehr so sein, wie vorher.

Montag, der 29. Oktober. Vorausgeeilt

Nach unserem längeren Törn im Frühjahr und einem nicht enden wollenden Sommer in Deutschland, bin ich mal wieder auf dem Weg zu MERLIN. Im Anflug auf Istanbul zeige ich meinem deutschtürkischen Sitznachbarn den neuen Flughafen aus der Luft. Als Pilot hat man ein Auge für sowas. Er ist begeistert und gibt die Info lautstark an die halbe Besatzung weiter. Viele türkische Mitreisende verlassen spontan ihre Plätze, um auf der Backbordseite durch die Kabinenfenster zu schauen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, der Autopilot musste kurzzeitig ziemlich gegensteuern. Was ich bis dahin nicht wusste, dass heute Staatsfeiertag in der Türkei ist und genau zur selben Stunde der neue Flughafen mit Pomp und Gloria eingeweiht wurde.

Ich bin meiner Crew zwei Tage vorausgeeilt. Das gibt mir Zeit, MERLIN in aller Ruhe auf den Törn vorzubereiten, am Hafen und Strand zu flanieren, neue Bootschuhe einzukaufen, mit anderen Eignern zu plauschen und ausgiebig mit der Stützpunkt-Crew zu sprechen. Ingrid ist dieses Mal nicht mit dabei. Wir haben einen vierbeinigen Familiennachwuchs erhalten, der zuhause all ihre Aufmerksamkeit braucht.

Donnerstag, der 1. November.  Pasarella mit Zwiebel und Thunfisch

Spät ist es gestern geworden bis die Crew endlich eintraf. Trotz der langen Reise waren die Jungs noch ziemlich fit, haben gleich meine Biervorräte geplündert und wollten, trotz üppiger Bordverpflegung, noch ins Palmyra zum Abendessen. Trotz zweistündiger Zeitverschiebung kommt bereits um acht Uhr morgens, Leben ins Boot. Frühstück im D-Cuisine in der Marina, Proviant einkaufen, MERLIN abfahrbereit machen.

Um 12:30 Uhr legen wir vom Steg C ab. Die Reise soll uns diesmal Richtung Südosten führen.  Das heutige Ziel, aufgrund der bereits fortgeschrittenen Tageszeit, ist Karacaören.  Es wehen schwache thermische Winde, die uns mit drei bis vier Knoten Fahrt voran bringt. Eigentlich der richtige Start, sich wieder ans Segelleben zu gewöhnen und vergessenes aufzufrischen.

Ab Dökükbaşi schläft der Wind ein. Wir motoren ums Kap bis zu unserem Ziel. Bei der Ansteuerung sollte man sich genau ans Hafenhandbuch halten.  Verlockend die Abkürzung, die aber böse enden kann.  Der Senior-Chef hilft beim Festmachen an einer Mooring-Boje.  Zum Abendessen wird man abgeholt. Verabredetes Signal ist ein kräftiger Stoß ins Nebelhorn. Die Taverne besteht zum Großteil aus einer hölzernen und etwas klapprigen Terrasse.  Die Speisen werden im Holzbackofen zubereitet. Wenn auch etwas schmuddelig, ist es hier immer recht nett, familiär und herzlich.

 

Freitag, der 2. November.

Kühlschrankreferent und Kaffee-Thermoskannen-Beauftragter.

Die Nacht war kurz. Um 7:00 Uhr wecken, um 7:05 Uhr laufen wir los. Körperpflege und Frühstück erfolgen unter Fahrt. Es liegen 45 NM vor uns und  die Zeit zwischen Sonnenaufgang  und Untergang beträgt im November gerade mal neun Stunden.  Die Sonnenaufgänge auf See sind immer wieder atemberaubend. Gegen 9:00 Uhr passieren wir das Erste der sieben Kaps.  Als auch der Letzte aus der Nasszelle steigt, verfliegt langsam der Räuchergeruch vom offenen Kamin, letzten Abend.  Als wir gegen 11:00 Uhr das siebte Kap querab haben, herrscht immer noch absolute Flaute.  Hinter der Insel Saribelen, kurz nach Kalkan, legen wir einen Badesstopp ein.  Da wir recht flott vorankamen, gestaltet sich die Pause etwas länger. In geheimer Wahl werden einige wichtige Posten vergeben. Es gibt Häppchen und handgemachte Bordmusik. Schließlich haben wir Gitarre und Keyboard ab Bord.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Kaş-Marina und machen am Steg G, Platz Nr. 24 1/2 fest. Besser hab ich´s nicht getroffen. Abends zum Landgang nach Kaş und in mein Stammlokal Yesil. Das Essen ist gut, der Preis unschlagbar. Anschließend noch ein handgerolltes Eis und für den Absacker an Bord noch eine Box mit dem klebrig pappigen und triefenden Blätterteiggebäck, auch Baklava genannt .

 

Samstag, der 3. November. Wabu voll

Kurz nach 08:00 Uhr kommt Bewegung ins Boot. Die Morgenblase drückt. Den ersten Kaffee bzw. Tee trinken wir an Bord. Das eigentliche und ausgiebige türkische Frühstück nehmen wir im Marina-Restaurant „Pasarella“  ein. Einige Lebensmittel müssen bereits nachgebunkert werden. Vor allen Dingen Bier 😉 Und wir brauchen Wasser, da wir vor der Abfahrt glatt vergessen haben, den Wassertank zu füllen. Stressfrei geht es um 12:00 Uhr aus der Marina-Bucht, dann unter Motor links ums Kap herum, Kurs 140 Grad. Wir haben Zeit. Nutzen die fünf bis sechs Knoten Wind und schippern voll besegelt an Kastellorizon vorbei, Richtung Kekova.  Der Wind dreht immer wieder und wir müssen feststellen, dass wir trotz kreuzen kaum mehr vorwärts kommen.  Um 15:00 Uhr nehmen wir den Motor zu Hilfe, um unseren Ankerplatz bei Tageslicht noch zu erreichen. Gegen 16:30 Uhr passieren wir die Einfahrt Akar Geçidi zum Kekova Körfezi. Die Sonne ist schon hinter den hohen Bergen verschwunden, als das Eisen auf 6 Meter Tiefe fällt.  Abends Kapitäns Dinner  mit allen unseren Rotweinvorräten. Danach Livemusik und anschließend Schottisch/Fränkische Songs von der CD.

Sonntag, der 4. November. Ein Kompliment.

Einige erfrischende Runden ums Boot lindern den Kopfschmerz. Es ist unser vierter gemeinsamer Segel-Tag. Und jeden Morgen begrüßt uns ein Stahlblauer Himmel.  Heute geht es, nach dem Frühstück, auf Wanderschaft. Wir setzen mit dem Dinghi über und erkunden eine antike Lykische Siedlung, rund zwei Kilometer vom Ankerplatz Polemos Bükü entfernt. Die Luft steht. Im Tal und am Berghang ist es drückend heiß. Ich bin froh, die Wanderung im November und nicht im August  zu machen. Kühle Getränke und ein Teller Hühnereintopf im schattigen Lokal am Strand, richten uns wieder auf. Nachmittags fahren wir ein Stück raus aus der Bucht und segeln dort wo es am besten läuft. Am Abend geht es zurück nach Kekova, in den inneren Bereich der Bucht. Es ist schon dunkel als uns mein Freund Hassan mit dem Boot abholt und nach Ügağız bringt. Wir nehmen die Instrumente mit an Land und drehen nach dem Essen mal richtig auf. Hassan wünscht sich ein deutsches Lied. Uns fällt spontan „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller ein. Leider versteht er vom Text kein Wort. Wir erklären, dass es ein Kompliment an seine hervorragende Küche ist.

 

Montag, der 5. November. Wenn die Pizza trauer trägt.

Das Frühstück ist für Hartmut heilig. Die anderen ziehen da mit. Und so wird es jeden Morgen mit Rührei, allerlei Wurst und Schinken, Marmelade und Müsli zelebriert.  Wenn das so weiter geht, werde ich zwangsläufig auch noch zum Frühstücks-Fan.  Gegen 11:00 Uhr ist die letzte Tasse geleert und gespült. Wir machen uns auf den Weg, raus aus Kekova Körfezi. Mit leichten Winden geht es Richtung Demre. Ich möchte die unvollendete Marina inspizieren, die von weitem schon an der großen Steinmole erkennbar ist. Sie liegt Jahre schon da, wie eine Geisterlandschaft. Zu 80% fertig und doch nie zu Ende gebaut. Wir haben unser südöstlichstes Reiseziel erreicht. Mit den letzten thermischen Winden kreuzen wir zurück in die Yali-Bucht. Pizzateig entsteht. Als Teigroller muss eine leere Rotweinflasche herhalten.  Es gibt drei Bleche Pizza mit unterschiedlichen leckeren Belägen. Leider ist die Wärmeverteilung in Ofen nicht besonders homogen. So entstehen schwarze Streifen auf dem Pizzaboden. Hat man erst mal die richtige Esstechnik heraus, schmeckt es aber köstlich.

 

Dienstag, der 6. November.

Nur der Vollständigkeit halber. Es ist immer noch stahlblauer Himmel. Das Barometer steht auf 1020 hPa und hat sich die ganze Woche nicht weiter als um +/- 1 hPa bewegt. Die Wassertemperaturen betragen 24 Grad. Lediglich die ersten 10cm sind deutlich kälter. Die klare Nacht entzieht dem Oberflächenwasser die Wärme. Ein für uns neues Phänomen. Nach dem Bad folgt natürlich das fürstliche Frühstück. Sobald der erste Windhauch bläst, setzen wir Vollzeug und rauschen mit einem Knoten pro Stunde dahin. Ich hätte längst aufgegeben, aber die Crew ist voll bei der Sache. Es fallen Sprüche wie: das wird schon noch besser, segeln ist viel umweltfreundlicher, wir haben ja Zeit, wenn Du jetzt reinfällst, kommst nicht mal mehr hinterher. Ich lege mich in die Koje und lass die Jungs basteln. Gegen 16:00 Uhr müssen wir dann aber doch den Motor anwerfen. Das tägliche Rennen gegen den Sonnenuntergang steht an. Mit sechs Knoten geht es zurück nach Kaş. Ein Delphin kreuzt unsere Bahn, ist aber nicht zum Spielen aufgelegt. Eine große Wasserschildkröte taucht vor uns ab. Das von der Crew gebuchte Adventure-Packet ist somit auch erfüllt. Gegen 17:30 Uhr sind wir wieder in der Marina am Steg G Platz 14,0 fest. Ümit, auch schon ein liebe gewordener Freund, begrüßt uns herzlich im Büro. Es gibt so viele Lokale in Kaş, aber trotzdem zieht es mich immer wieder zu Yesil. Und der Karton Pappzeug darf hinterher natürlich auch nicht fehlen. Beim Absacker an Bord hängen alle müde rum, aber keiner will den Anfang machen. Ich kann leider nicht, da ich Mitschiffs im Salon schlafe.

 

Mittwoch, der 7. November. Guten Morgen Sonnenschein

Es ist 6:30 Uhr und wir werden, wie übrigens jeden Tag, von Nana Mouskouris Song „guten Morgen Sonnenschein“ geweckt. Zu so früher Stunde klingt der Song noch wesentlich nerviger. Zahnpflege, duschen, ablegen.  Um 7:00 Uhr sind wir unterwegs. Gegen 9:30 Uhr, querab Kalkan folgt die erste Kursänderung. Karin und Hartwig, die mit ihrer Bavaria 40 die Woche im selben Gebiet unterwegs waren, sind zeitgleich mit uns ausgelaufen. Ihr Boot läuft einiges schneller und man sieht sie jetzt nur noch schemenhaft am Horizont. Aber sie haben die Segel gesetzt. Da vorne muss also Wind sein.  Auch wir können eine Zeit lang gut segeln. Als der Wind abflaut beginnt wieder die Rechnerei mit Ankunftszeit und Sonnenuntergang. Wir nehmen den Motor mit zur Hilfe. In der großen Bucht vor Göçek ist eine Regatta im Gange. Allerdings mehr statisch, bei dem Lüftchen. Wir halten uns frei vom Geschehen und machen an einer Tonne nördlich der Sarsala-Bucht fest.  Unsere  Fahrt ist um 17:30 Uhr mit dem obligatorischen Manöverschluck beendet.  Es ist etwas frischer geworden. Nach drei Songs wird es zu kalt an Deck. Küchenchef T2homas gibt noch mal Alles und zum Nachtisch gibt es Wolfgang Buck auf CD, ein fränkischer Bardensänger mit hohem Niveau. Spät am Abend bewundere ich noch mal den Sternenhimmel. Einige Regattayachten stehen immer noch vor der letzten gelben Tonne.

Donnerstag, der 8. November. In aller Ruhe

Um 8:00 Uhr ein Schluck Kaffee. Ein letztes Mal ums Boot schwimmen, dann geht’s zurück nach Göçek in die Marina. Den Dieseltank füllen und weiter zum Steg C Platz Nr. 11 den wir um 10:30 Uhr erreichen. Es liegen 191 NM hinter uns. Der Weg ist das Ziel. Nach dem Frühstück schicke ich die Crew zum Tagesausflug nach Fethyie um in aller Ruhe das Boot abrüsten zu können. Genau wie bei Törnbeginn. In aller Ruhe.

Thomas

Danke an Christian, für die schönen Bilder

…und danke an die Crew für den harmonischen und schönen Törn.

Die türkische Regierung hat über Nacht die Steuern für Charterlizenzen drastisch erhöht. Für MERLIN und uns ist es ein  absolut unrentables Geschäft geworden. Somit ist die Yacht von einem Tag auf den Anderen zum Privatboot geworden. FOREIN FLAG PRIVATE YACHT steht auf dem frisch ausgestellten Transit Log 2019. Wir müssen ab sofort neue Wege beschreiten. Wege, die eigentlich erst beim Gehen entstehen werden. 

Es ist schon fast dunkel, als ich am Sonntag in Göçek ankomme. Jedes Mal wenn ich nach längerer Pause MERLIN betrete, bekomme ich so ein unbeschreibliches Gefühl. Eine Mischung aus vertrautem  Wiedersehen, Freude und irgendwie auch Geborgenheit gepaart mit diesen eigenartigen Gerüchen, wohl aus der Bordtoilette. Das nüchterne Erwachen im neuen Zeitabschnitt wird mir erstmals bewusst, als ich die Kühlschrankklappe öffne. Für Charterkunden standen immer kühle Begrüßungsdrinks bereit. Jetzt ist dort nur gähnende Leere. Zum Glück sind Petra und Uli von der Sausalito am Steg und laden mich auf ein paar kühle Bierchen ein.

Der geplante Frühjahrstörn sollte eigentlich zwei Wochen dauern. Mit einem Crewwechsel auf halber Strecke. Leider sind einige Interessenten abgesprungen, so dass letztendlich ein 10tages Törn mit fünf Crewmitgliedern aus den beiden geplanten Wochentörns wurde. Sie reisen am Abend des nächsten Tages an. Bis dahin sind auch die ersten Bierchen kalt und nach dem Begrüßungsschluck geht´s ins Palmyra zum Abendessen.

Dienstag, der 7. Mai Auf geht´s

Um 8:15 kommt Bewegung ins Boot. Von den nächtlichen Pinkeleinlagen mal ganz abgesehen. Ich bekomme alles hautnah mit, weil ich im Salon schlafe, was mich aber nicht weiter stört, sondern eher den Überblick bewahren lässt.

Noch mal richtig ausgiebig duschen. Frühstück bei den netten Mädels im D-Cuisine. Geldwechsel (1€ :7,8TL) und ab zum Einkaufen. Gegen 14:00 Uhr soll es losgehen. Eintrag ins Logbuch: Bewölkt mit Aufheiterungen, schwache Winde, 22 Grad.

LOG: 22725; Motor: 17510 Std.

Aber der Motor springt nicht an. Werkzeug und Messinstrumente werden ausgepackt. Bald stellt sich heraus, dass die Starterbatterie ihren Geist aufgegeben hat. Dank des hervorragenden Service bei Sail with Friends können wir noch am selben Tag, um 16:30 Uhr vom Steg C ablegen. Danke Serkan! Der Wind reicht aus, die Segel zu ballen und wir gleiten bei wenig Welle an Göçek Adasi vorbei. Zum warm werden gibt´s einige Wenden und Halsen bis die eingerosteten Handgriffe wieder sitzen. Gegen 18:15 Uhr steuern wir durch die kleinere der beiden Einfahrten bei der Insel Tersane in den „Bodensee“ und machen an einer Boje für die Nacht fest. Kaum liegt MERLIN an der Boje, macht sich T3homas in der Pantry zu schaffen. Er ist zum ersten Mal mit an Bord und hat bereits bei der Törn-Vorbesprechung angekündigt, dass er sich an Bord um unser leibliches Wohl kümmern wird. Heute gibt es überbackenen Nudelauflauf mit Gemüse und Hähnchenstücke. Selten so delikat an Bord gegessen.  

Bemerkungen:        Bodensee nenne ich das von Inseln und Festland umschlossene Gebiet westlich Göçek. Nachdem es im Mitseglerkreis viele Thomas gibt, sind diese durchnummeriert. T3homas ist also kein Druckfehler.  

Mittwoch, der 8. Mai. Schäuferle-Verweigerer

Im Gegensatz zum ruhigen Abend, wurde die Nacht dann doch etwas windiger und die Metallboje hat mehrmals an den Bug geklopft. Es herrscht stahlblauer Himmel und es hat deutlich abgekühlt. Der Wetterbericht meldet starke und anhaltende Winde um west-nordwest. Unseren eigentlichen Plan Ekincik oder sogar Marmaris anzusteuern, können wir streichen. Da kämen wir bei Gegenwind nicht oder zumindest nur total gefrustet an. Neues Ziel ist Kaş.

Um 9:15 Uhr lösen wir die Leine zur Klopfboje. Frühstück gibt´s während der Fahrt. Der Weg ist lang und wir wollen noch bei Tageslicht ankommen. Nach Tersane setzen wir zusätzlich zum Motorantrieb die Fock. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sollte keinesfalls unter 5kt pro Stunde fallen. Querab Kap Dekükbaşi stellen wir komplett auf Segel um. Die achterlichen Wellen fordern den Rudergängern stundenlange volle Konzentration ab. Ich kenn den Weg, vorbei an den sieben Kaps und dem endlosen Sandstrand schon viel zu gut und überlasse dem bereits gut eingespielten Team das Feld. Sprich, ich mach ein ausgiebiges Nickerchen. Auf Vorwindkurs fühlt man die Windstärke nicht wirklich, aber an den immer höher werdenden Wellen merkt man die Gewalten der See. Beim Abwärtssurfen ist die Schmetterlingsbesegelung kaum mehr vernünftig zu halten. Wir sind deutlich schneller als die vorgegebene Schnittgeschwindigkeit und erreichen Kaş-Marina ziemlich abgeschlafft, aber bereits eine Stunde früher als geplant. Gegen 18:30 Uhr legen wir unter professioneller Unterstützung am Steg G an. Gerade mal drei Bootsbreiten von dem Platz entfernt, an dem MERLIN für eineinhalb Jahre beheimatet war. Ein kurzer wehmütiger Gedankenblick in die Vergangenheit geht dem Manöverschluck voraus. Abendessen im Yeşil-Restaurant in Kaş. Noch ein Absacker an  Bord, und bereits um 22:30 Uhr liegen alle hundemüde in den Kojen. Der Tag war anstrengend.  Die angeregte abendliche Diskussion über Ramadan und diverse andersgläubige Schäuferle-Verweigerer muss zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.

Logbuch: Motorlaufzeit 2,6 Stunden. Strecke 60 NM LOG 22792 NM; Motor 1754,9 Std. Gasflasche gewechselt. Tee- und Kaffeekanne lassen sich äußerlich kaum unterscheiden. Ein ernsthaftes Problem beim Frühstück. Ein Arbeitskreis soll Lösungen präsentieren.

Donnerstag, der 9. Mai. Wassereinbruch und Tütenkette .

07:45 Uhr Windstill, stahlblauer Himmel. Wer bald ins Bettchen steigt, ist auch bald wieder auf den Beinen. Eigentlich sollte es eine Art Ruhetag werden, aber der erste Blick in die Bilge brachte Hektik ins Boot. Ich hatte die letzten Jahre bereits mehrere Wassereinbrüche. Und da es sich wieder um Süßwasser handelte, hielt sich meine Erregung in Grenzen. Per WhatsApp prasselten Unmengen Ratschläge ein. Letztendlich waren einige Schlauchbinder in der Nasszelle lose und vorsichtshalber haben wir auch die verdächtige Dichtung der Außendusche gewechselt.

Der eigentliche Ruhetag begann dann mit einem ausgiebigen türkischen Frühstück. Gefolgt von Landausflügen der Crew. Ich habe den Tag genutzt mehrere interessante Gespräche mit Ümit, dem Marina-Chef und Metin dem technischen Leiter zu führen. Zum gemeinsamen Abendessen haben wir uns dann  im Marina-Restaurant PASSARELLA wieder getroffen. So ein mehrgängiges Abendessen braucht seine Zeit. Und so ging erst um 01:30 Uhr, nach dem „Absacker“ an Bord, das letzte Licht aus.

Logbuch: Motor-Kühlwasser-System, Saildrive und Heißwasserboiler gecheckt. Schläuche in Toilette nachgezogen. Dichtung der Außendusche gewechselt. Bilge trocken gelegt. Steuermann-Sitzbank mit neuer Edelstahlschraube befestigt.  Um den Nachschub unter Deck zu bringen wird eine „Tütenkette“ gebildet. Das Wort sollte in den Duden aufgenommen werden.

Freitag, der 10. Mai Dreifach Salatdressing

08:30 Uhr dunstig, nebelig 1018hPa, aber warm. Nochmal ausgiebig duschen. Frühstück an Bord. Um 10:45 Uhr Leinen los! Wir umrunden die Ferienhalbinsel Çukurbağ Yarimadasi und gehen auf Kurs Kekova Körfezi. Querab Ulu Burun Gehen wir unter Segel und kreuzen uns mit 4kt Fahrt langsam unserem Ziel entgegen. Zum Mittagessen zaubert unser Smutje einen orientalischen Salat aus Karotten, Zwiebel und Orangen. Leider lässt sich das Dressing beim Seegang nicht gut bändigen und musste dreimal hergestellt werden.  Mittlerweile scheint die Sonne fast ungehindert auf uns herab. Gegen 15:00 Uhr steuern wir mit Schmetterlingsbesegelung die Einfahrt in den Fjord an. Durch den Düseneffekt steigert sich das vorherrschende Lüftchen zu beachtlichen 18kt an, was das Ankern bei Palamut Bükü immer etwas prickelnder macht. Aber mit 60 Meter Kette bei 8 Meter Tiefe sind wir gut fest. Die elektronische Ankerwache bestätigt das. Gegen 19:00 Uhr lässt der Wind nach. Abends gibt’s Nudelauflauf mit reichlich Rotwein. Ein Gedicht! Wenn´s nur nicht immer so lange dauern würde. Um 23:45 Uhr geht’s vollgefressen, selig und gut angeheitert ins Bettchen.

Logbuch: Motor 1759,1 Std. Log 22.811NM. Karotten werden rationiert. Der Smutje macht ernst!

Samstag, der 11. Mai. Bestes Koch von Mittelmeer.

Sonnig, mit einzelnen Wolken, 1019 hPa. 08:30 Uhr die Nacht war ruhig. Frühstück an Bord. Um 10:00 Uhr geht’s mit dem Dinghi zum Landausflug zur nahegelegenen Lykischen Siedlung. Quasi ein kleines Stückchen auf dem Lykien Trail. Dieser ist 500km lang und führt von Fethyie nach Anatlya, immer der Küste entlang. Am Rückweg Einkehr bei einem modernen Einsiedler im Purple House. Trotz stetem Windhauch ist es zum Wandern gut warm. Nach der Rückkehr um 14:00 Uhr Anker auf. Mittagimbiss während der Fahrt. Bevor wir Segel setzen machen wir noch einen Abstecher in die auf der Insel Kekova befindliche Bucht Karaloz. Eine verwinkelte und allseits geschützte Bucht, in der vermutlich schon Piraten ihr Unwesen trieben. Aber dann wird das Tuch ausgepackt. Wir müssen nirgends hin und können deshalb die schnellste Segelstellung wählen. So führt unser Weg Richtung Demre und auch wieder zurück in den Kekova Körfezi. Noch ein Abstecher in die westlichen Buchten mit dem türkisblauen Wasser. Aber zum Baden ist es schon zu spät. So motoren wir weiter in den inneren Fjord nach Üçağiz zu meinem Freund Hasan. Der hat uns längst bei der Einfahrt erspäht und lässt uns von der Tochter im Taxiboot abholen. Allein die Abende bei Hasan und seiner Familie sind den Abstecher hierher wert. Der Abend wird lang und hat auch an Bord bei CD-Hardrock-Musik noch lange kein Ende.   

Logbuch: Motor 1762,6 Std.  Log 22.830 NM; Öl gecheckt ist übervoll.

Sonntag, der 12.Mai Muräne in Sicht

Es wird 09:00 Uhr bis sich an Bord etwas regt. Das Wasser im inneren Fjord ist nicht besonders klar, aber der Morgenschwumm tut gut.  Es herrscht stahlblauer Himmel, 1021hPa. Erst gegen 11:30 Uhr sieht unser Anker die Sonne. Nach der Kekova-Ausfahrt und der Begegnung mit einer treibenden Muräne, setzen wir Segel. Auf der Kreuz geht´s zurück an den kleineren Inseln und Kastellorizon vorbei Richtung Kaş. In der weit ausladenden Bucht Bayindir Limani gehen wir gegen 17:00 Uhr vor Anker. Die auszubringende Landleine beschert uns einige akrobatische Einlagen und entsprechenden Diskussionsstoff zum Sundowner.  Abends gibt es Rinder-Kartoffel-Schmortopf, arabische Art. Dazu orientalischen Salat, leider ohne Orangen, da diese tagsüber von niedrigen Matrosen verputzt wurden.

Logbuch: Motor 1765,7 Std.  Log 22.857 NM; Durch den herrschenden Butter-Notstand treten beim Frühstück erste Mangelerscheinungen auf.

Montag, der 13. Mai Augsburger Puppenkiste

Trotz Fliegengitter waren nachts erstmals Moskitos unter Deck. Ab 05:00 Uhr setzte Wind ein, der sich allerdings zu Sonnenaufgang wieder verabschiedete. Stahlblauer Himmel 1020hPa. Wir haben einen langen Schlag vor uns und machen uns bereits um 08:00 Uhr auf den Weg. Mit Ausnahme einiger Windhaucher kommt kein richtiger Segelwind auf. Die See ist glatt und erinnert wieder einmal an die Folie in der  Augsburger Puppenkiste. 11:00 Uhr Querab Kalkan, 13:00 Uhr am langen Sandstrand entlang. 15:00 Uhr bei den sieben Kaps. Auf See patrouillieren verdächtig viele Militärschiffe. Aus dem Internet erfahren wir, dass das bisher größte Seemanöver der Türkei im Gange ist. Vermutlich zum Säbelrasseln wegen dem Streit über die neue entdeckten Gasvorkommen in Zypern. Gegen 16:30 Uhr erreichen wir unbeschadet Karakaören. T3 legt perfekt an einer der Bojen an. Zeit für ein Manöverbierchen und ein paar Runden um MERLIN. Um 19:00 Uhr werden wir zum Abendessen mit dem Boot abgeholt. Die Terasse ist immer noch sehr klapprig und rustikal, aber der Ausblick hinüber zum Babadğ ist einfach grandios. Nachts beim Absacker an Deck stehen wir immer noch unter Manöverbeschuss. Sogar Leuchtspurmunition ist zu sehen. Irgendwie schon etwas beunruhigend.

Logbuch: Motor 1773,2 Std.  Log 22.902 NM

Dienstag, der 14. Mai Kein Tropfen im Tank

Nachts standen wir noch weiter unter Beschuss und ab 5:00 Uhr krähten uns die Hähne wach. Stahlblauer Himmel; 1019hPa. Frühstück an Bord. Es raucht und dampft aus allen Pfannen. T3homas gibt noch mal Alles! Um 11:30 Uhr fahren wir aus der Bucht. Ab Dökübaşi kommt leichter Segelwind auf. Den hätten wir gestern gut brauchen können. Der Weg ist genau genommen recht kurz. Aber was machen wir am Nachmittag schon in der Bucht? Und so kreuzen wir im Fethyie Golf mit den anderen Yachten um die Wetter, bis auch der Letzte der Crew genug Wenden gefahren hat. Dann geht es wieder zurück in den „Bodensee“ und an unsere Boje, die Kalle perfekt trifft. Der Kreis unserer Reise hat sich, von uns unbemerkt geschlossen. Das MIGROS-Versorgungsschiff kommt wie gerufen. Es gibt Eis für die ganze Mannschaft. Zum Kapitäns-Dinner müssen die Restvorräte herhalten, aber es ist niemand hungrig oder durstig aufgestanden. Wir sitzen noch lange an Deck.

Logbuch: Motor 1775,2 Std.  Log 22.922 NM. Obwohl wir in Kaş nachgebunkert hatten, ist der Frischwassertank leer!?! Das ist mir in den letzten 11 Jahren nicht passiert.

Mittwoch, der 15. Mai Immer eine Handbreit …..

Wie immer möchte ich zeitig in die Marina zurück. MERLIN auf Vordermann bringen, dauert schon einige Stunden. So düsen wir um 8:00 Uhr bereits los und sind um 9:30 Uhr längsseits an der Tankstelle. In der D-Marin ist Hochbetrieb wegen einer Regatta. Wir ergattern den letzten freien Platz am Steg C. Allerdings auf der gegenüberliegenden Seite. Das Tiefenlog zeigt gerade mal 0,2 Meter bis zum Kiel an. Erst mal lange duschen und anschließend Frühstück im D-Cuisine. Die Crew unternimmt einen Landausflug nach Fethyie während ich das Boot klariere. Über WhatsApp erhalte ich zwischendurch  schöne Ausflugsbilder von den Felsengräbern und dem Fischmarkt. Nach getaner Arbeit gönne ich mir ein Weißbier und bekomme unerwarteten Besuch von meinem Freund Oktay. Er ist mittlerweile Kapitän auf einer Traumyacht, an der wir zufällig, ohne es zu wissen, heute Morgen vorbei geschippert sind. Es ist ein herzliches Wiedersehen. Der Abschiedsabend findet im Can-Restaurant statt. Wir können uns das locker leisten, die Bordkasse ist noch dicke voll.

Logbuch:         Motor 1777,0 Std.  Log 22.931 NM

                        Gesamtstrecke 206 NM, 26 Motorstunden, 41 Liter Diesel verbraucht

                              Ein Unfallfreier Törn!

Danke an die Crew fürs Segeltraining, für die hervorragende Küche, den Teamgeist und die schönen Fotos.

T1homas

Owner and Sipper SY MERLIN