15. Februar 2009 · Kommentare deaktiviert für Der erste Kontakt. 2008 · Kategorien: Allgemein

Auszug aus dem Persönlichen Logbuch Nr. 3 von Thomas (14. Törn, Lavrion-Korfu, Mittwoch 22. Oktober 2008)

Auf unserem Weg von Vlikon nach Preveza erreichen wir um 14:00 Uhr den Yachthafen Lefkas. Wir machen unmittelbar neben der Tankstelle längsseits fest. Der unfreundliche Tankwart gibt uns maximal 30 Minuten Zeit. Wir müssen uns beeilen und machen uns auf die Suche nach dem Büro von Ecker Yachting. Wenige Minuten später stehen wir am Steg C vor der MERLIN. Die Yacht ist in einem Top Zustand und gefällt uns auf Anhieb. Schnell noch ein paar Fotos geschossen und ein kurzer Plausch mit dem Stützpunktpersonal, schon geht es weiter.

Aber das Feuer beginnt hell zu lodern!

15. Februar 2009 · Kommentare deaktiviert für Der Kauf · Kategorien: Allgemein

Dezember 2008

Ich glaube meinen Augen nicht als ich das Antwortmail lese. „Dann lassen wir´s halt bleiben“ stand da geschrieben. Bleiben lassen! – jetzt, wo wir so weit gegangen sind – Zu Endverhandlungen zum Verkäufer nach Ried in Österreich gefahren sind. Soll jetzt alles plötzlich zu ende sein? Das kann´s doch nicht geben!

Seit einiger Zeit sind wir unseren Alltagstrott schon überdrüssig. Aussteigen, den Beruf irgendwann an den Nagel hängen.  Die Freiheit nicht nur eine Woche im Jahr beim Segeln genießen, sondern einen ganzen Sommer oder noch länger auf einer Segelyacht verbringen das ist unser großer Traum.

Wegen einiger hundert Euro soll dieser Traum jetzt nicht in Erfüllung gehen?!

Januar 2009

Wir haben noch mal nachverhandelt und sind uns einig geworden. Die Verträge liegen auf meinem Schreibtisch. Die Tinte ist noch feucht, aber der Kauf ist besiegelt. Wir sind ab sofort stolze Besitzer einerBavaria 33 Cruiser, Namens MERLIN. Um unseren Traum zu verwirklichen muss unsere MERLIN aber die nächsten Jahre als Charteryacht ihr Geld verdienen. Erst dann können wir „auf eigenem Kiel“ das Mittelmeer bereisen. Bis dahin werden wir sie aber mehrmals pro Jahr besuchen und Euch aktuell darüber berichten.

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Der erste Törn stand unter keinem guten Stern. Einen Tag vor unserer Abreise ist mein Vater verstorben. Dies traf uns wie ein Blitz aus heiterm Himmel. Trotz seiner 81 Jahre war er bis zuletzt fit wie ein Turnschuh. Als nach einer Woche das Nötige getan war haben wir uns dann doch kurzfristig entschlossen für zweieinhalb Tage nach Griechenland zu fliegen. Einerseits um die Bootsübernahme abzuwickeln und andererseits um ein wenig Ablenkung zu bekommen. Ich denke mein Vater, mit dem ich bis zum Schluss ein sehr inniges Verhältnis hatte, hätte das sicherlich auch so gewollt.

Nach zwei Flugstunden und 15 Minuten Taxifahrt wurden wir gegen 19:00 Uhr in der Marina von Lefkas bereits erwartet. Natascha, die Perle im Eckerbüro, hat uns sehr nett empfangen. Unsere MERLIN stand bereits für uns bereit.

Am Sonntagmorgen nach dem Frühstück an der Hafenpromenade begann der Intensiv-Eincheck zusammen mit Olaf. Als Eigner inspiziert man sein Schiff natürlich unter einem ganz anderen Blickwinkel als ein Charterkunde. Was wir vorfanden war aber durchaus akteptabel. Und so blieb uns am Nachmittag noch Zeit für einen ersten Ausritt.

Nachdem wir den Kanal von Lefkas Richtung Süden verlassen haben wurde erstmal das Boot eingehend unter Fahrt getestet. Einige Manöver unter Motor und anschließend unter Segel gefahren. Bis auf die fehlende Geschwindigkeitsanzeige war alles zur vollsten Zufriedenheit. Um mal nach dem Speedlog zu sehen steuerten wir zum Ankern eine kleine Bucht an. Als ich vom Logsensoreinbau schweißgebadet meinen Kopf durch die Decksluke reckte eröffnete sich mir diese tolle Aussicht (siehe Bild).  torn-1-13

Am Abend versetzten wir unsere MERLIN noch in die Bucht von  Vlychon und genossen in einer der Tavernen ein hervorragendes Abendessen mit Blick auf unsere Yacht. torn-1-2

 

Das erste mal, dass wir alleine in einer stillen sternklaren Nacht auf unserer MERLIN zugebracht haben war ein traumhaftes Erlebnis. Leider ging es am nächsten Tag bereits zurück in die Realität. Und der bittere Alltag holte uns bald wieder ein. Der einzige Trost der uns bleibt, im September kommen wir wieder.

13. Februar 2009 · Kommentare deaktiviert für Herbsttörn 2009 Teil1 · Kategorien: Allgemein

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Obwohl einige Zeit ins Land streicht, bis man in Preveza ankommt war die Reise doch recht kurzweilig.  Nach 20minütiger Busfahrt stehen wir dann endlich um 15:00 Uhr Ortszeit in der Marina Lefkas vor unserer MERLIN. Was dann kommt das kennen alle Segler zur Genüge. Die Klamotten aus den Seesäcken verstauen, Proviant einkaufen, alles zum Boot schleppen und versuchen die Sachen so geschickt unter zu bringen, dass man sie nicht erst am letzten Tag wieder findet. Der eigentliche Urlaub beginnt erst am Abend in der Taverne, wenn bei Rotwein und Meze (verschiedene Vorspeisen) so langsam der Alltagsstress weicht.

Am Sonntagmorgen, es ist der 20. September, blinzelt uns die Sonne von der Luke aus ins Gesicht. Es kann losgehen. Mooringleine los und raus aus der Marina Richtung Süden. Ein schöner Segelwind mit wenig Welle erwartet uns als wir gegen Mittag den Lefkaskanal verlassen. Perfekt für den Einstieg vor allem, wenn ein segelunerfahrener Neuling mit an Bord ist.

Wir reiten, Verzeihung kreuzen, zwischen dem Festland und Lefkas hin und her und probieren alle möglichen Segelstellungen aus bis es leicht zu regnen beginnt. Um dem Regen zu entkommen steuern wir die weite Bucht von Vlikhon an und fahren mit dem Dinghi zum Abendessen an Land. Mir ist immer wieder schleierhaft wie andere Crews ohne nasse Hosen aus dem Schlauchboot steigen können. Wir sitzen jedenfalls wieder ziemlich begossen in der Taverne. Der nasse Hintern tut der Urlaubsstimmung keinen Abbruch, im Gegenteil. Bis zum Eintreffen der ersten Speisen wurden von Ingrid dann auch alle Haus- und Hofhunde entlaust. Sogar der uralte zottelige Schäferhund hat den Sommer offensichtlich gut überstanden.torn-2-bucht-meganision

Am nächsten Morgen haben sich die Wolken verzogen und Franz steuert uns als „Skipper des Tages“ aus der Ankerbucht. Wir segeln um die Insel Meganision herum und ankern am Abend, verspannt mit zwei Landleinen, in einer Bucht im Süden der Insel. Die See ist ruhig, die Sterne funkeln.Wir sind allein. Das sind die herrlichsten Erlebnisse eines Seglers.

Am nächsten Morgen hatte Keiner rechten Appetit. Lag es am Schwell der nachts einsetzte, an der Überdosis Spaghetti mit Öl und Knoblauch oder an Bier, Wein und Ouzo?

Beim Ablegen werden die Wellen immer mächtiger, jedoch ohne den passenden Segelwind dazu. Und so motoren wir Richtung Itaka. Anders als Odysseus ttorn-2-itaka1reffen wir Itaka auf Anhieb und machen im Haupthafen des Städtchens Vathi fest. Vathi ist eine griechische Stadt wie im Bilderbuch. Da wir richtig entspannt Urlaub machen wollen und nicht zum Meilenfressen angetreten sind, legen wir einen Tag Segelpause ein und knattern mit Motorrollern quer durch die Insel.

Am nächsten Morgen geht es ein Stück zurück an die Südküste Lefkas. Die Bucht östlich Vasiliki eignet sich hervorragend zum Baden und Faulenzen. Am spätentorn-2-roller Nachmittag suchen wir uns dann aber doch ein geeigneteres Plätzchen für die Nacht. Ormos Sivota erscheint uns passend. Als wir ankommen sind wir etwas enttäuscht. Viel Rummel, wenig Atmosphäre, zugepflasterter Strand. So fahren wir weiter ins bereits bekannte Vlikhon. Eine herrlich ruhige Nacht mit glatter See, leiser Musik und den Duft von gerösteten Pinienkernen. Man kann den ganzen Abend an Deck sitzen. Wenn man will!

Am nächsten Tag, unserem letzten Segeltag, zeigt das frisch eingebaute NAVTEX Galewarning. Als wir um die Mittagszeit eine Badebucht am Festland ansteuern stehen über dem hinter uns liegendem hohen Gebirgszug von Lefkas bereits richtig dunkle Wolken. Der blaue Himmel über dem östlichen Festland ist durchsetzt von Lentis die hohe Windgeschwindigkeiten ankündigen. Wir torn-2-regenverzichten deshalb auf das letzte Bad im Meer, runden ein kleines Inselchen und machen uns auf den Rückweg. Die Entscheidung war richtig. Kaum am Steg festgemacht brach ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner und Starkregen über uns herein.

Na ja, so ist meiner Crew der Abschied von Griechenland nicht so schwer gefallen. Ich bleibe noch eine Woche und hole am Samstag im Austausch drei meiner Fluglehrerkollegen von Flughafen ab. Wie es dann in der zweiten Woche weiter geht, könnt ihr hier lesen.torn-2-ende

12. Februar 2009 · Kommentare deaktiviert für Herbsttörn 2009 Teil2 · Kategorien: Allgemein

Die zweite Woche Herbsttörn beginnt mit dem Abschied meiner ersten Crew. Noch ein wenig wehmütig winke ich den dreien nach, als sie vom Zoll gefilzt werden. Eine knappe halbe Stunde später stehen mir drei mit Seesäcken bepackte urlaubshungrige Fluglehrerkollegen gegenüber. Sie haben mir zwei Dosen Weißbier mitgebracht, die an Bord der Merlin leider nur eine Stunde überleben.

Sonntag 27. September. Vitsi´s Schummermusik weckt uns. Es gibt Kaffe mit Milchschaum und dazu Rührei mit Speck. „Nächste Woche wird es Dir nicht mehr so gut gehen“ meinten die beiden Mädels meiner Vorgängercrew mitleidsvoll. Das kann ich nicht so recht verstehen da Mathias kochtechnisch für paradiesische Verhältnisse sorgt.

Trotz Sturm und Gewitterwarnung legen wir um 12:30 Uhr von Steg C ab und tuckern Richtung Süden. Das Tageszeil ist Spartachorion. torn-3-spatachorion        Eine Bucht auf der Insel Meganision. Der geschäftstüchtige Tavernenbesitzer hilft uns beim Anlagen an seinen Steg Porto Spilia. Es gibt Mooringleinen, Süßwasser und gelegentlich Strom sofern die Tavernenküche nicht alle Amper schluckt. Vom Nachbarschiff klingt es recht fränkisch herüber. Eine Delegation des heimischen Yachtclubs hat sich offensichtlich vom Nürnberger Duzenteich nach Griechenland verlagert.

Die Nacht war absolut ruhig. Vom angekündigten Sturm keine Spur. Wir tuckern zwischen Meganision und Lefkas durch und segeln den ganzen Tag im Steno Kefallinos auf und ab. Am Abend ankern wir in der östlich gelegenen Bucht von Vasiliki. Wie bereits in der ersten Woche nehmen Wind und Schwell immer mehr zu. Auch diesmal entscheiden wir uns zur Weiterfahrt. Allerdings werden wir Vlikon erst in der Dunkelheit erreichen. Der Sonnenuntergang ist grandios.torn-3-sunset1    Mit Radarhilfe und starkem Scheinwerfer erreichen wir gegen 21:00 Uhr das Ankerfeld. Mathias wirft sofort den Herd an und es gibt Pizza mit „scharfem Pulver“. torn-3-pizza1Wir schlemmen bis nichts mehr rein passt beziehungsweise das Brennen im Mund unerträglich wird. Das hartnäckige Nachfragen was Hefe auf Griechisch heißt hat sich jedenfalls gelohnt. Tage später stellen wir fest, dass das Wort Hefe eigentlich auf jeder griechischen Bierdose steht.

Der Dienstag begrüßt uns mit einem stahlblauen Himmel. Wir entscheiden uns in den Ambrakischen Golf zu fahren. In Lefkas legen wir eine kurze Pause zum Wasserbunkern und auf ein Käffchen ein. Die Drehbrücke öffnet sich für uns um 14:00 Uhr. Dann geht’s zunächst Richtung 340 Grad aufs offene Meer hinaus. Um 16:30 Uhr kehren wir zum Tonnenstrich von Preveza zurück und tuckern in den Ambrakischen Golf ein. Dort üben zwei Löschflugzeuge ihre Treffsicherheit beim „Wasserlassen“ was uns Piloten natürlich begeistert. torn-3-wasserflugzeug1Gegen 19:00 Uhr ankern wir in der Bucht von Nea Kamarina. Über dem Gebirge tobt sich ein Gewitter aus das den Nachthimmel beunruhigend erhellt.

Das Gewitter hat uns in dieser Nacht nicht mehr erreicht, trotzdem war an Schlaf nicht zu denken. Obwohl sie nur ihren Job taten, hätte ich die drei Köter die bis zum Morgengrauen gebellt haben, am liebsten umgebracht. Dafür gehen wir den Mittwochmorgen recht gemächlich an. Selbst der Übergang zwischen Frühstück und Mittagessen ist fließend. Anschließend lassen wir uns mit der leichten Briese von der Fock aus der Bucht ziehen. Der Wind nimmt deutlich zu und wir kreuzen den ganzen Tag wie die Wilden im Ambrakischen Golf umher.torn-3-segelntorn-3-segeln-1 Abends geht´s zum Fischessen in den Hafen von Preveza. Dort treffen wir ein nettes und interessantes Pärchen das mit ihrer Bavaria 38 schon den ganzen Sommer unterwegs ist.

Für die nächsten Tage ist starker Südwind angekündigt. Wir entscheiden deshalb nicht wie ursprünglich geplant nach Paxos weiter zu fahren, da wir nur mühsam zurück kämen, sondern umrunden Lefkas an der Westseite. Nach dem obligatorischen Badestopp sitzen wir dann am Abend im Hafen vor Itaka in meiner Stammkneipe bei Fischsuppe und Stifado.

Es ist Freitag. Unser letzter Segeltag. Um 7:30 Uhr ziehen bereits Gewitterwolken heran. Wir brechen zeitig auf, um frühzeitig und unbeschadet in der Heimatmarina anzukommen. Aus allen Häfen und Buchten rücken Segler aus. Teils unter Motor, teils mit stark gerefftem Tuch. Es ist kalt und regnet zeitweise aber das befürchtete Unwetter bleibt aus. Vorerst jedenfalls noch. Trotzdem bin ich ziemlich angespannt und letztendlich dann auch froh, noch rechtzeitig vorm Sauwetter den Liegeplatz erreicht zu haben.

Die zweite Segelwoche geht zu ende.  Beim Abflug treffen wir das nette Paar aus Preveza und die Leute von Nürnberger Yachtclub wieder. Sogar die beiden Löschflugzeuge sehen wir beim Start noch einmal.

Montag 7. Juni 2010

Der Monitor vor mir zeigt 35.000 Fuss an. Unter mir liegt der Atlantik. Der Airbus A340 in dem ich sitze jagt mit 880 Stundenkilometer seinem Ziel entgegen. Eigentlich ziemlich flott unterwegs, denke ich, und trotzdem sind es noch 3 Stunden und 37 Minuten bis Chicago.

Essen, trinken, schlafen, lesen, alles habe ich schon hinter mich gebracht. Jetzt könnte ich es noch mit schreiben probieren. Zum Beispiel über den letzten Segeltörn im Mai. Gott ist das schon wieder lange her.

Mitsegler Waltraud links und Manfred Bildmitte zusammen mit Frank beim Sektempfang

Mitsegler Waltraud links und Manfred Bildmitte zusammen mit Frank beim Sektempfang

Damals gab es bei der Reiseplanung einigen Nervenkitzel. Zunächst brachte dieser isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen die ganzen Flugpläne durcheinander.  Dann  häuften sich in Griechenland wegen des befürchteten Staatsbankrotts die Streiks. Es gab sogar Totesopfer. So waren wir dann doch ziemlich erleichter als unser Flieger zum planmäßigen Abflug aufgerufen wurden. Regina und Frank, auf vielen Törns mit dabei gewesen, bereiteten uns am Flughafen noch einen Sektempfang. Einfach klasse! 

Knapp zweieinhalb Stunden später standen wir in Lefkas vor unserer MERLIN. Sie hatte den Winter gut überstanden. Da die Segelsaison gerade erst begonnen hat, war noch nicht viel los in der Marina. Da wir den Trubel sowieso nicht besonders mögen ist es für uns eigentlich die ideale Jahreszeit. Alle Ecker-Yachten standen am Kai bereit zum Auslaufen. Im Büro begrüßte uns Barbara in perfektem Deutsch und teilte uns auf Anfrage mit, dass Natascha, die wir vom letzten Jahr noch kannten, in Babyurlaub ist.

 

Mittwoch 12. Mai

Es soll ein gemütlicher Törn werden, möglichst ohne Hecktik. So sind wir erst um die Mittagszeit ausgelaufen. Richtung Westen durch den Kanal. Die ersten Meilen legen wir unter blauem Himmel bei glatter See und 10 bis 15 Knoten Wind zurück. So richtig zum eingewöhnen. Am Abend erreichen wir Porto Spilla auf Meganision und machen mit Mooringleine am Steg der Taverne fest. Es ist absolut herrlich bei einem kühlen Bierchen an der Strandbar zu sitzen und seine Yacht zu bewundern.

Auf jeden Fall sollte man auf Meganision eine Wanderung zum Bergdörfchen Spartakhorion einplanen. Der herrliche Ausblick ist die Anstrengung Wert. Das Abendessen nimmt man dann aber anstandshalber  in der Taverne am Strand ein. Dafür werden keine Gebühren für Steg, Frischwasser und Landstrom erhoben und obendrein ist das Essen gut zubereitet.

 

Donnerstag 13. Mai

Ab 10 Uhr schippern wir bei glatter See und leichter Briese nördlich um Meganision herum Richtung Itaka.

Urplötzlich, als hätte jemand einen Schalter umgelegt frischt der Wind auf 27 Knoten auf. Die MERLIN, natürlich voll aufgetucht, legt sich fasst auf´s Wasser und läuft beinahe aus dem Ruder. Das Reffen bereitet einige Schwierigkeiten, zumal auch noch richtig Welle einsetzt. Ein Vatertagsausflug der sich gewaschen hat!

 

Ein kurzer Blick auf den Monitor. Goose Bay. Der Airbus hat den amerikanischen Kontinent erreicht. Außentemperatur minus 47°C. Jetzt sind es nur noch knapp über zwei Stunden. Aber zurück zum Segeltörn.

 

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Eine Bucht auf Itaka. Noch ist es absolut ruhig, aber nicht mehr lange!

 

Freitag 14. Mai

Die Welt scheint wieder in Ordnung zu sein. Nach Mitternacht ist der Wind schwächer geworden. Jetzt um 9 Uhr sticht wieder die Sonne unbarmherzig vom stahlblauen Himmel. Baden, Dinghi-Rundfahrten und Landgang ist angesagt. Ab 12 Uhr motoren wir bei absoluter Flaute an der Nordostseite Itakas entlang und sehen uns einige hübsche Ankerbuchten an. Wie im Paradies. Aber der Schein trügt. Das NAVTEX bringt bereits Surmwarnung der Stärke 9. So machen wir uns um 15 Uhr auf den Weg zu unserem Stammplatz im Inselhaupthafen Vathi.

Kaum liegen wir fest, schon kommt Hecktik auf. Eine Flotille mit englischen Crews brechen herein. Und mit ihnen der Sturm. Alle setzen Zweitanker. Das ist gut so, denn was da aus der Hafeneinfahrt auf uns zukommt ist nämlich keine Nebelwand sondern aufgepeitschtes Wasser. Wir lassen sicherheitshalber den Motor mit gegenan kämpfen und sind auf alles gefasst.

Nach zwei Stunden harter Arbeit ist die erste Woge durch. Wir lecken unsere Wunden und können zum Abendessen sogar an Land gehen. Leider halten die Sonnenschirme dem schon wieder einsetzenden Regen nicht stand. So wird es nur ein kurzes aber nasses Abendessen.

 

Samstag 15. Mai

Das NAVTEX zeigt abermal Sturm an. Die für diesen Tag geplante Motorroller-Rundfahrt fällt also flach. Es reicht gerade mal für einen Stadtbummel mit kurzem Museumsbesuch. Immer mit einem Auge zum Hafen gerichtet. dsc00821-1

Um 14 Uhr geht´s wieder los. Bei einer Gewaltböe rauscht die Ankerkette ein Stück durch die Winsch. Unser Bug stattet der Nachbaryacht einen kurzen Besuch ab. Fender sei Dank ist nichts passiert. Wir setzen zur Sicherheit noch Querleinen zum Hafenamt. Kaum hat sich am Abend die Lage beruhigt, schon setzt das Hungergefühl wieder ein. Aber jedes mal wenn wir zum Landgang ansetzen wollen, frischt der Wind wieder auf. Na schön, holen wir halt Pizzas an Bord.

 

An dieser Stelle ein Dank an die Crew von sailingholiday.com die nicht unmassgeblich beteiligt waren, dass an den letzten beiden Tagen nichts ernsthaftes passiert ist.

 

Sonntag 16. Mai

Die Nacht war dann eigentlich noch recht ruhig. Das Barometer klettert wieder. Trotzdem wollen wir schon mal ein Stück der Heimreise antreten.  Um 10 Uhr nehmen wir Kurs Vlykhon auf Lefkas. Bei durchschnittlich 29 Knoten Wind und 2,5 Meter Welle macht die MERLIN mit gerefften Segeln 6 bis 7 Knoten Fahrt. Ein anstrengender aber schöner Segeltag. In der Meerenge zwischen Lefkas und Meganision bekommen wir dann noch mal richtig eine verpasst. Selbst in der allseits geschützten Bucht von Vlykhon blässt es ohne ende. Der Zweitanker muss wieder ausgebracht werden, da wir laut GPS auf Trift gehen.

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Beim Versuch mit dem Dinghi an Land zu fahren verlässt uns Manfred in voller Montur Richtung Pfütze. Außenborder unterwasser, Propeller oben. Na prima, dann gibt´s halt keine Vorspeisenplatte an der Wasserfront sondern Spaghetti unter Deck. Dazu dreht sich die MERLIN die halbe Nacht wie ein Karussell. Aber der Anker hält.

 

Montag 17. Mai

Da die nächsten Charterkunden erst am Samstag eintreffen, könnten wir eigentlich bis Dienstag kurz vor unserem Abflug weitersegeln. Aber ich hab ehrlich gesagt die Schnauze voll. Und so fahren wir nach dem Frühstück zurück in die Marina. Ab der Kanaleinfahrt nimmt der Wind wieder zu. Diesmal allerdings wegen des Düseneffekts und nicht weil der nächste Sturm auf uns lauert.

Da wir bereits gegen Mittag in der Marina eintreffen, holen wir heute die ausgefallene Motorroller–Rundreise nach. Mit kurzen Hosen geht’s durch die Insel. Wusste gar nicht, dass es auf Lefkas so hohe Berge gibt. In 1100 Metern Höhe wird´s dann bei ca. 4°C schon etwas kalt für´s kurze Höschen. Aber der Blick auf die traumhaften Buchten auf der Südseite der Insel ist einmalig. So hat dieser Segeltörn etwas ganz besonderes an sich. Höhen und Tiefen, Flauten und Stürme, Kälte und Hitze, Entspannung und Hecktik. Ein Mix aus allen Möglichkeiten.

 

 

 

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Lefkas aus der Vogelpersprktive

Vlykhon vom Motorroller aus

Vlykhon vom Motorroller aus

   

 

Wenn man die Zeit noch mal zurück drehen könnte, ich würde den Törn auf alle Fälle noch einmal erleben wollen.

 

Wir gehen in den Sinkflug über. Vor mir liegt Lake Michigan und im Dunst die Skyline von Chicago. Ich bin am Ziel.

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Es ist eine unchristliche Zeit die uns durch die Fluggesellschaft beschert wurde. Abflug in München um 5:00 Uhr früh. An Schlaf war also in dieser Nacht kaum zu denken. Wir, das sind Franz und ich, suchen schlaftrunken im fast menschenleeren Abfertigungsgebäude unseren Mitsegler Wolfgang der aus Salzburg anreist.

Eine gewisse Grundmüdigkeit zieht sich durch den gesamten Tagesablauf und verschwindet eigentlich erst beim abendlichen Tavernenbesuch in Lefkas. Anschließend verputzen wir noch beinahe den gesamten Ouzzovorrat für die Woche. Entsprechend träge starten wir in den Sonntag. Der griechische Kaffee ist etwas stärker als der Deutsche und stellt uns wieder auf die Beine.

Endlich kann´s losgehen. Das leichte Bries´chen das uns nach dem Lefkaskanal erwartet reicht gerade mal zum Auslüften der Segel. Von der Tageslast „erschöpft“ treffen wir bereits um 15:00 Uhr in Vlykhon ein. Am Abend fahren wir mit dem Dinghi in jene Taverne in der sich Wolfgang und Franz am Nachmittag bereits „anfüttern“ haben lassen. Dinghifahren geht bei uns natürlich nie ohne nassen Hosenboden ab.fruhjahrstorn-2010-teil-1-2

Die Marillenmarmelade entpuppt sich am Montagmorgen als plumpe Fälschung mit eingelagerten Orangenschalen. Um 11:00 Uhr geht es zwischen Meganision und Lefkas Richtung Itaka. An unserem Stammplatz in Haupthafen Vathi sind allerdings mittlerweile die Festmacher abgerostet. Balduin, ein englischer Skipper der mit Frau und Schwiegermutter unterwegs ist, hilft uns beim Anlegen. Nach dem obligatorischen Tavernenbesuch treffen wir beim Stadtbummel eine Crew aus Bayreuth. Die sehen genau so aus wie wir nach dem gestrigen Ouzzogelage und laden uns zum Absacker ein. Leider versteht unserer Wolferl kein Fränkisch und wir müssen alles übersetzen.

Am nächsten Morgen geht´s im Uhrzeigersinn um Itaka. Teils unter Segel, teils nur mit Motor und dann im Schmetterling bis zu unserem Tagesziel Fiskardho auf der Insel Kefalina. Der Hafen ist bis auf den letzten Platz belegt. Wir gehen deshalb in eine etwas südlich gelegenere Bucht und ankern mit langer Landleine auf 5 Meter Wassertiefe. Es ist ein herrlicher Buchtabend mit Bad, Spaghetti und viel Rotwein. Nur das ständige Blitzen am Nachthimmel kündigt ungemütliches Wetter an.     

Mittwoch 6. Oktober 9:00 Uhr. Wolfgang ist nach Fiskardho gejoggt und hat frisches Gebäck mitgebracht. Das Navtex meldet Gewitter. Von Westen ziehen auch schon die ersten dunklen Wolken heran. Ab 11:30 Uhr bewegen wir uns zurück Richtung Sivota auf Lefkas. Ziemlich durchgeschaukelt erreichen wir kurz vor drei uhr die Bucht. Von den umliegenden Bergen kommen dukle walzenförmige Wolken auf uns zu. Es beginnt zu schütten. Nach dem zweiten Anlegemanöver geben wir auf. Die Fallböen sind einfach zu heftig um risikolos anzulegen. Wir beschließen trotz sauschlechter Sicht, Starkregen und Starkwind gegenan nach Vlykhon zu gehen wo wir ziemlich entkräftet um 16:30 Uhr ankommen. fruhjahrstorn-2010-teil-1-3

Es ist ein tolles Gefühl unter Deck die nassen Sachen ablegen zu können und sich aufzuwärmen. Keiner will bei dem Wetter mit dem Gummiboot an Land. Resteessen ist angesagt. Nachts blitz und donnert es noch sehr heftig, aber die See beruhigt sich langsam.

Donnerstag. Die Gewitter haben sich verzogen und die Sonne scheint wieder. Allerdings spricht das Navtex eine andere Sprache und sagt „Gale“ voraus. Grund genug frühzeitig in die Marina Lefkas zurück zu kehren. Irgendwie wurmt uns das, bei schönstem Sonnenschein und Segelwind im Hafen zu liegen. Als am Abend allerdings das nächse Gewitter hereinbricht, sind wir doch froh im Hafen zu liegen. fruhjahrstorn-2010-teil-1-4

Freitag. Die erste Urlaubswoche wollen wir mit einer Scooter-Tour ausklingen lassen. Mit drei dieser Teile geht´s einmal rund um Lefkas. Nach dem Mittagessen in Vasiliki sehen wir uns die Bucht von Sivota von Land aus an. Nichts erinnert mehr an das Unwetter vom vergangenen Mittwoch. Am Abend geht es mit den Motorrollern über die Drehbrücke aufs Festland und durch einen Tunell unter dem Meer durch nach Prevezza. Zum Schluss feiern wir mit ettlichen Coronas Abschied von Wolfgang der uns am frühen Morgen verlässt. Die erste Woche Herbsttörn geht zu ende. Feucht wie sie begonnen hat.fruhjahrstorn-2010-teil-1-5

Vielen dank an Franz für die tollen Bilder.

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So, Wolferl sitzt im Flieger. Jetzt hoffen wir mal, dass unsere Mädels ankommen. Franz und ich stehen in Preveza am Flughafen und warten. Und tatsächlich, die Schiebetüren öffnen sich kurz und wir sehen (und hören) die Beiden an der Gepäckausgabe. Na dann ist ja alles klar!

Der Samstag vergeht mit Einkaufen und einem Stadtbummel. Es wird spürbar ruhig in Lefkas. Die Saison geht langsam zu ende.

Sonntag 10. Oktober. Um 10:30 Uhr legen wir von Steg C ab, Kurs Richtung süden. Es ist angenehm warm und hat ca. 4/8 hohe Bewölkung aber wenig Wind. So tümpeln wir gemächlich der Insel Meganision entgegen. Zunächst sehen wir uns den netten kleinen Hafen von Vathi an, vathi-auf-meganision1gehen aber dann doch weiter zu dem bereits mehrfach angelaufenen Porto Spila unterhalb der Stadt Spartachori.

Ich gehe immer wieder gerne den Weg hinauf zu dem kleinen verschlafenen Ort. Diesmal sperrt der Tavernenbesitzer extra wegen uns seine Terasse noch mal auf. Wie gesagt, die Saison geht zu ende.spartachori Die Sicht von da oben ist immer wieder grandios.

Montag 11. Oktober. Es regnet. Der Wetterbericht meldet für die kommenden drei Tage nur Schmuddelwetter. Für Teile der Nordionischen See sogar Sturmwarnung. Wir segeln im Uhrzeigersinn um Meganision bis zur Südspitze und von dort aus weiter Richtung Itaka. Biegen dann aber vor Arkoudi Richtung Norden nach Vlykhon ab. regen2Tropfnass kommen wir um 16:30 Uhr am Ankerplatz an. Abendessen an Bord. Nachts starke Fallböen, Gewitter und Regen. Der Anker hält im Schlick problemlos.

Dienstag 12. Oktober. Es ist weiterhin bewölkt und regnerisch. Wir beschließen nach Lefkas zurück zu fahren und auf Landurlaub umzustellen. Die nächsten Tage erkunden wir mit Mietauto und Motorroller die Umgebung und nutzen unsere MERLIN als Hotelzimmer. Mal was anderes.Easy Rider

08. Februar 2009 · Kommentare deaktiviert für Sommertörn 2011 · Kategorien: Allgemein

Die erste Woche

Es ist endlich Sommer in Deutschland. Um genauer zu sein, es hat 33 Grad beim Abflug in Nürnberg. Frank und Regina haben wieder für eine Abschiedsüberraschung gesorgt. So besteigen wir bereits mit einem Gläschen Sekt im Bauch und entsprechend Pudding in den Knien den Flieger. Die Temperaturanzeige nach der Landung in Lefkas ist annähernd gleich mit der in Nürnberg, doch durch Wind und geringer Luftfeuchte irgendwie erträglicher. Oder erträglicher weil halt einfach Urlaub ist. Den Rest des Tages verbringen wir mit den üblichen Vorbereitungsarbeiten. Proviant bunkern unsere MERLIN einrichten, dazwischen ein Käffchen torn-2011-7und abends überfressen wir uns in unserer Stammtaverne am Hafen. Die Nacht kann man eigentlich nur unbekleidet und ohne Zudecke überstehen. Nur der blöde Moskito nervt.

Am nächsten Tag, es ist der 24. August, kitzelt uns die Sonne so lange in der Nase bis wir um 8:00 Uhr freiwillig aufstehen. Für mich als notorischer Langschläfer eigentlich eine Qual, aber im Urlaub bei stahlblauem Himmel kein Problem. Das Barometer steht auf 1034hPa und wird sich die nächsten zwei Wochen nur unmerklich von dort wegbewegen. Um 10:20 Uhr laufen wir aus. Wir, das sind Ingrid, unser Freund Wolfram und ich. Wolframs Freundin treffen wir erst am Freitag in Zakynthos. Sie  musste kurzfristig ihre Urlaubspläne ändern und den Flug um drei Tage verschieben. Nach dem Kanal und einem Ritt mit Düseneffekt, zwischen Lefkas und Meganision durch, schläft der Wind leider komplett ein. Also Schmetterlingbesegelung runter und Motor an. Um 16:00 Uhr erreichen wir die Bucht Skoinou auf Itaka. Die Südwestseite erscheint uns bei den einsetzenden Fallböen am Geeignetsten. Der Grund steigt erst knapp vorm Ufer, dann aber sehr steil an. Aber mit einer Landfeste die Ingrid ausbringt, klappt´s dann recht gut. Es wird eine traumhafte ruhige und sternklare Nacht. Ich lerne das Himmels-W kennen und bei Bier und Wein diskutieren wir über die Milchstraße und dass das menschliche Gehirn die Unendlichkeit leider einfach nicht begreift.

Donnerstag 25. August. Es ist wieder stahlblauer Himmel und ziemlich heiß. Nach dem Frühstück wird noch mal ausgiebig geplanscht und um 11:00 Uhr geht’s Ankerauf Richtung Süden. An Itaka vorbei, weiter nach Kefalonia.  Ab 14:45 Uhr kommt endlich Wind auf. Wir fahren ab Akra Kapros im Schmetterling gemächlich mit 4 kt. dahin. Kurz vor unserem Tagesziel Ayos Nikolaos an der Nordspitze der Insel Zakynthos frischt der Wind gehörig auf. Dummerweise immer beim Anlegen, wenn man ihn eigentlich gar nicht mehr braucht. Wir machen an der einfachen Pier im Westen der Bucht fest. Starker Schwell und der immer stärker werdende Wind machen den Platz ziemlich ungemütlich. Wir entscheiden uns wieder abzulegen und im Ankerfeld zu schwojen. Die gleiche Idee haben allerdings auch die anderen Jachten am Kai und folgen uns. So kommt großes Gedränge auf. Durch die überschneidenden Schwojkreise ist in dieser Nacht an Schlaf nicht zu denken. Als um 2:00 Uhr auch noch heftige Winddreher hinzu kommen ist ein aneinanderstoßen der Yachten praktisch unvermeidbar. Wir ziehen unseren Anker unter den anderen Ankerketten durch und versetzen in einen ruhigeren Teil des Hafenbeckens. Ab 4:00 Uhr bekomme ich dann doch noch eine Mütze Schlaf.

Freitag 26. August. Isolde kommt.

Nach dem nächtlichen Geschaukel und Gedränge hat niemand rechte Lust zum Frühstücken. Wir gehen zeitlich Ankerauf und segeln Richtung Zakynthos Stadt. Der Haupthafen den wir gegen 12:00 Uhr erreichen ist riesengroß mit vielen Fährschiffen. An der Nordostseite können Yachten anlegen. Es gibt Strom und Wasser und man wird dafür um 25.- Euro pro Tag erleichtert.  Der Flieger hat ziemlich Verspätung, aber um 17:00 Uhr sitzt Isolde wohlbehalten mit uns an Bord bei Kaffee und Kuchen. Abendessen in der quirligen Altstadt von Zakynthos.

Samstag 27. August.  Karetta Karetta.

Ich trau es mir kaum zu schreiben. Stahlblauer Himmel und morgens schon heiße Temperaturen. Langsam gehen mir die T-Shirts aus. Unser Nachbarlieger, ein Italiener, hat uns einige Tipps für die Westküste Zakynthos gegeben. Wir entscheiden deshalb, entgegen meiner ersten Ideen, Zakynthos zu umrunden und machen uns um 10:50 Uhr auf den Weg. Skipper ist heute Wolfram. Ab Kap Vasilikos halten wir exakt Kurs um nicht in das ausgewiesene Naturschutzgebiet zu geraten. Hier gibt es einen der wenigen Brutplätze der vom Aussterben bedrohten falschen Karett-Schildkröte. Übrigens alles sehr schön im neuen Buch von Andreas Fritsch beschrieben. Leider können viele Freizeitkapitäne offensichtlich nicht lesen. Geschweige denn die Crews der Ausflugsboote die Scharenweise Touris ins Naturschutzgebiet karren. Für uns Tierfreunde ist das echt traurig anzusehen. Um 14:00 Uhr setzen wir vor der Mole der Ortschaft Keri auf 4,8 Meter Anker. Langsam kommen immer mehr Yachten hinzu. Aber die Bucht ist groß und das distanzierte Nebeneinander ist nicht weiter störend. Wir gehen das erste Mal zum Abendessen mit dem Dingi an Land. Und schon passiert es. Isolde geht unfreiwillig von Bord. Aber nach dem Wäschewechsel kehrt ihr Humor sofort zurück. Nachts gewittert es über dem Festland. Es kommt aber irgendwie nicht merklich näher.

Sonntag 28. August. Irgendwas hat mich geweckt. Es ist kurz vor 6 Uhr. Ich recke den Kopf aus der Decksluke. Eine schaurig schöne Wolkenfront streckt sich mir entgegen. Gerade so von der aufgehenden Sonne leicht angestrahlt. Da sind sie wieder diese Momente auf See die einen Segeltörn so einmalig machen. Beim morgendlichen Schwimmen gegen 8:30 Uhr haben sich die Wolken längst verzogen. Und was soll ich sagen: Stahlblauer Himmel und heiß. Um 10:45 Uhr gibt Skipperin Ingrid Befehl zum Anker lichten. Wir fahren im Uhrzeigersinn an der Westküste Zakynthos entlang weiter. Ein herrliches Gebiet mit hunderten Höhlen und weißen Stränden. Leider nicht für eine Übernachtung geeignet. So müssen wir weiter bis Ormos Vromi. Die Bucht ist zwar, von Fallböen abgesehen, gut geschützt, trotzdem sind wir etwas enttäuscht von der Atmosphäre mit den vielen Touristenkähnen. Kurzentschlossen ziehen wir weiter nach Norden. Um 17:30 Uhr erreichen wir die Wreck Bay. Eine der meist fotografierten Buchten Griechenlands. Entsprechend viele Ausflugsboote sind hier zu finden. Das Wrack des Frachters Panagiotis löst sich allmählich in Rost auf, aber das Wasser der Bucht ist beeindruckend. Hellblau fast künstlich. Wolfram meint es sieht beinahe so aus wie das Zusatzmittel unserer Bordtoilette. Nach solch einem Spruch ist der Zauber der Bucht schnell verflogen und uns in die vielen Touristen mit einreihen hatten wir sowieso nicht im Sinn. Gegen 18:30 Uhr sind wir dann einmal rund Zakynthos und somit wieder in Nikolaos. Es ist wieder windig. Wir versuchen unser Glück erst gar nicht am Kai und werfen Anker im diesmal wesentlich weniger gedrängten Ankerfeld. Es gibt Kapitänsdinner. Spaghetti in Öl, mit Knoblauch und Kapern. Abends schläft der Wind ein und Wolfgang Buck, Mark Knopfler und Joe Cocker erwachen. Wieder so eine traumhafte Nacht. Zwar anders, aber traumhaft. Es wird spät. Besser gesagt früh. Aber irgendwann ist der Ouzovorrat dann doch endlich aufgebraucht.  

Montag 29. August.

Wir haben Zeit. Die zwei Stunden zurück in den Hafen von Zakynthos sind ein Katzensprung. Schwimmen, Frühstücken und Faulenzen ist angesagt. Erst gegen 14:00 Uhr fahren wir los. Dann noch ein letzter Badestopp mitten im Meer. Eigentlich ist es ja egal, ob das Wasser 2 Meter oder 200 Meter tief ist. Trotzdem hat man auf See ein ungutes Gefühl beim Schwimmen. Um 16:00 Uhr laufen wir wieder in den Hafen von Zakynthos ein. Ein Bilderbuchanleger wär´s geworden, wenn die Ankerkette 2 Meter länger gewesen wäre. Also noch mal. Der Zweite klappt perfekt. Nachmittags ist ein ausgiebiger Stadtbummel angesagt. Den letzten Abend verbringen wir in einer Taverne an der nie fertig gestellten Marina. Ein echter Geheimtipp für alle diejenigen die für gutes Essen auch gern mal zwei/drei Euro mehr ausgeben wollen. Komis Fish Tavern (www.komis-tavern.gr). Auch dies ein Abend an dem man noch lange zehren kann. Mit so hochtrabenden Diskussionen, ob Oliven vorm Einlegen gekocht werden. Und warum die Positionslichter der  Marinaeinfahrt eigentlich blinken.

Dienstag 30.August. Bettenwechsel

Guten Morgen Thomas, die Toilette ist verstopft. Na Bravo. Die Anderen frühstücken und ich darf bei der Affenhitze das Klo reparieren. Irgendwie bekomme ich die Leitungen aber wieder frei. Einzelheiten erspare ich meinen Lesern. Um 13:10 Uhr verlässt meine Crew die MERLIN. Im Winterurlaub würde man Bettenwechsel dazu sagen. Ich habe so den Eindruck, sie wären  gerne noch einige Tage geblieben. Für ein paar Stunden kehrt absolute Ruhe ins Boot. Mit Ausnahme einer tschechischen Luxusyacht, die versucht quer einzuparken und dabei mehrere Anker lockert.   

 

Segeltörn 2011. Die zweite Woche

Dienstag 30. August 16:45 Uhr. Die neue Crew ist da. Allesamt Bandkollegen und neben den Seesäcken haben sie ihre Instrumente mitgebracht. Das verspricht aufregende Abende. In kürzester Zeit war der Kühlschrank leer gesoffen. Dann hat es zweieinhalb Stunden gedauert bis Proviant an Bord war. Meine Liste taugte den Neuankömmlingen offensichtlich nicht als Einkaufsratgeber, da lebenswichtige Sachen wie z.B. Bier gar nicht erst gekauft wurden. Also, ein zweites Mal los. In der Zwischenzeit verschwand eine Zweiliterflasche Rotwein fast rückstandslos in irgendwelchen Kehlen und Ouzo wurde mit allen möglichen Säften zusammen gepanscht. Igitt, Musiker eben. Ich brauchte tatsächlich eine Stunde Auszeit und ging planlos spazieren. Als ich zurück kam hatte ich die Erkenntnis gewonnen, sie doch alle zu mögen. Klingt komisch, ist aber so.  Ich liebe sie einfach. torn-2-11

Trotz erster Ausfallerscheinungen gab´s um 22:00 Uhr in der Taverna Spartakos dann doch noch was zu beißen. Marie hat sogar noch Sirtaki mit der Wirtin getanzt. Oder war´s Souflaki? Naja irgend so ein Tanz halt. Die ruhigen Zeiten an Bord waren definitiv vorbei.

Mittwoch 31. August. Die Nacht war kurz, da Marie vergessen hatte Ihren Wecker zu deaktivieren. So begann der Tag bereits um 7:00 Uhr. Ich bring sie um, dachte ich kurz. Hab es aber dann doch nicht getan. Was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Sie hatte auch richtig Angst in ihrer ersten Nacht an Bord. Irgendwie knabberte jemand an ihr und ein Anderer lag auf ihr und vibrierte laut. Ersteres waren die kleinen Krebse die sich nachts immer am Boot zu schaffen machen. Das Zweite war Mathias der immer an Deck schläft und laut schnarchte so dass die Kabine darunter leicht in Vibrationen geriet. Angeblich. Mathias ist übrigens der Einzige den ich kenne, der sich lautlos auf einer Yacht bewegen kann. Wie eine Katze. Mann nimmt ihn erst am Duft seines frisch aufgeschäumten Milchkaffees wahr. Und der ist ein Traum. Jeden Morgen.

Nach gewissen Resteinkäufen legen wir um 10:45 Uhr ab, Richtung Keri. Bei der Einfahrt in den Golf kommt Wind auf.  Naja, so 5 bis 6 Knoten. Wir segeln ein Stück recht gemächlich dahin, bis wir uns in einem Seil verfangen. Das dazugehörige Netz hat sich offensichtlich gelöst und zum Meeresboden verabschiedet. Wir ziehen nur noch einen Plastikkanister hinter uns her. Trotzdem ist Tauwerk in der Schraube. Mathias unternimmt seinen ersten Tauchgang. Das Problem ist schnell behoben. Nur Marie ist etwas schockiert. Wir sind eigentlich schon davon ausgegangen, dass sie zuvor schon mal einen nackten Mann ins Wasser springen hat sehen. Um 14:00 Uhr erreichen wir unseren Ankerplatz. Wie immer nimmt der Wind zu. Aber wir wollen am ersten Tag nicht übertreiben und gehen erst mal schwimmen. torn-2011-21 Um 20:00 Uhr geht´s mit dem Dingi an Land zum Abendessen. Über dem Festland blitzt es wieder. Der spätere Absacker an Bord entwickelt sich zum Konzert. Wolfgang Ambros Watzmann muss gleich zwei Durchgänge herhalten. Dazwischen gibt´s ein Bad im Meer unter perfektem Sternenhimmel. Ich neige zur Wiederholung, aber auch dieser Abend  ist unvergleichlich schön.

Donnerstag 1. September. Nachtfahrt

Um unser Tagesziel Kolpos Argostoliou auf Kefalonia noch bei Tageslicht zu erreichen brechen wir bereits um 5:30 Uhr auf. Eine klassische Nachtfahrt ist es zwar nicht, da am Horizont bereits der neue Tag zu erahnen ist. Aber gerade dieses „hineinfahren“ in den Tag ist immer wieder herrlich. torn-2011-3Wir segeln mit halbem Wind an der Westseite Zakynthos entlang. segeltorn-2011-4Zur Überfahrt nach Kefalonia kommt dann erstmals richtig Wind auf. Unsere MERLIN saust mit sieben Knoten dahin und nicht jeder verträgt die schaukelige Fahrt durchs Wasser. Am wenigsten ein iPad das sich schlagartig Richtung Meer verabschiedet. Um 18:30 Uhr erreichen wir unser Tagesziel. Die ausgedehnte Bucht Livadhi und ankern auf 3,5 Meter. Der Wind schläft ein, Mathias backt Pizza. Einige müssen ihre „Wunden“ lecken. Es war ein anstrengender Segeltag. Beim Abendessen werden aber schon wieder schlaue Sprüche geklopft. Dass zum Beispiel heißes Gemüse IMMER heiß ist. Das muss einem ja gesagt werden.

Freitag 2. September. Man kann auch ohne Motor Spaß haben.

 Um 8:00 Uhr gehen wir Ankerauf und dampfen aus der Bucht. Bei Akra Yerogombos stellen wir fest, dass am Motor das Batteriesymbol aufleuchtet. Und tatsächlich, die Batterien laden nicht. Alle Reparaturversuche scheitern. Eine halbe Stunde weiter, bei Akra Ortholithia fällt der Motor dann schlagartig ganz aus. Da es ja ein Diesel ist können wir uns den Zusammenhang nicht erklären. Wir setzen Segel um so weit wie möglich Richtung Lefkas zu kommen. Den geplanten Auftritt in Fiskardo haben wir längst gestrichen. Olaf von Ecker Yachting versucht sich mit Ferndiagnosen. Aber es scheint keine der üblichen Kleinigkeiten zu sein. Heimschleppen lassen ist sicher eine Option. Aber sicher auch die Teuerste. Aber Poseidon meint es gut mit uns. Der Wind wird stärker. Die Richtung passt. Wenn wir so weiter machen, schaffen wir es noch vor Sonnenuntergang in Vasiliki auf Lefkas anzukommen. Dort kann uns dann sicher morgen ein Monteur weiterhelfen. Um 16:00 Uhr sind wir an der Nordspitze Kefaloninas. Wenn der Wind weiter mitspielt, dann schaffen wir es. Warum muss Poseidon immer gleich übertreiben. Bei der Ansteuerung nach Vasiliki bekommen wir Fallböen mit bis zu 40kt. verbraten und können den Kurs nicht mehr halten.  Also wieder raus und hoffen, dass der Wind etwas nachlässt. Mittlerweile wird es dunkel und wir haben keinen Strom mehr. Wir schalten alles ab, damit wenigstens der Tiefenmesser noch funktioniert. Alles muss jetzt passen! Wir haben nur einen Versuch. Wenn der Anker nicht hält müssen wir ihn kappen. Wir müssen kreuzen um nicht in Legerwal zu geraten, schießen in der Finsternis mit hoher Geschwindigkeit in die Bucht. Noch 6 Meter Wassertiefe. Aufschießer. Anker fällt. Das Boot läuft kurz achteraus und steht. Dem großen Bügelanker sei Dank. Der Skipper eines Cats neben uns hätte bald einen Nervenzusammenbruch bekommen. Es bläßt wie verrückt. Ab 23:00 Uhr beginnt die Nachtwache. Jeweils eineinhalb Stunden. DieÄther – Thomas – Marie – Mathias – Frank. Aber um Mitternacht ist der Spuk vorüber. Ich schicke DieÄther zu Bett, bleib noch eine Stunde wach, setze eine Taschenlampe an die Fock als Ankerlicht und beende die Wacheinteilung. Wir haben uns ein paar Stunden Ruhe redlich verdient.

Samstag 3. September. Thank you for the Music.

 

 

 

 

8:00 Uhr. Jetzt ist die Servicebatterie endgültig ausgelutscht. Das gesamte Panel blinkt nur noch. Ich dreh den Hauptschalter ab. Um 9:30 Uhr soll der Monteur kommen. Und tatsächlich, Mike steht um 9:28 Uhr am Ufer und erwartet unser Dinghi. Mike, den ich schlichtweg in Dave umtaufe, ist ein junger gewiefter Engländer. Schnell hat er eine Lösung für uns. Wie bereits befürchtet trafen fast zeitgleich zwei Probleme aufeinender. Dieselalgen und ein defekter Strom-Splitter. Nach eineinhalb Stunden waren wir wieder  einsatzbereit. Um 11:45 Uhr gehen wir im Hafen längsseits und verabschieden uns von Dave äh Mike. Ab 12:45 Uhr sind wir wieder unterwegs. Engelchen ist am Steuer. torn-2011-6Ziel ist Porto Spilla auf Meganision. Aber zuvor umrunden wir noch die Insel Arkoudhion. Um 16:00 Uhr erreichen wir unser Ziel. An der Bar gibt es kaltes Bier und wir feiern bereits am Nachmittag ausgiebig. Der schon obligatorische Marsch nach Spartachorion darf natürlich nicht fehlen. Am Abend ist endlich mal Livemusik angesagt. Wir sind umringt von Engländern und Italienern. Haben auch tatkräftige Unterstützung. Es wird ein langer Abend. Schöner als jede Gage ist es, wenn einem beim Abschied zugerufen wird: Thank you for the Music. Einfach toll.

Sonntag 4. September.

Katerstimmung. Selbst Mathias Kaffee und der morgendliche Schwum helfen nicht wirklich. Wir segeln ab 12:00 Uhr zur Insel Kalamos. Dort gibt es ein verfallenes Dorf, Porto Leone. Durch Erdbeben kam die Trinkwasserversorgung zum erliegen und die Menschen mussten ihr Dorf verlassen. Lediglich die Kirche ist noch in Betrieb. Der Anker hält nicht besonders gut, aber zum Baden reicht es aus. Für lange Zeit wird es das letzte Mal sein Salzwasser zu schmecken.torn-2011-5 Um 16:00 Uhr geht´s zurück Richtung Vlykhon. Es ist ein schöner Segelwind wir machen 4 bis 7 Knoten Fahrt und müssen wenig an der Segelstellung verändern. Ich sitze am Bug und denke mir, es ist ein absolut harmonischer Törn. Beide Wochen. Und das Verlangen hier länger zu verweilen wächst weiter an. Um 19:30 Uhr fällt in Vlykhon auf 4,5 Meter der Anker ein letztes Mal. Am Abend machen wir in einer Taverne noch mal richtig einen drauf.

Montag 5. September

Einmal darf ich es noch erwähnen: Auch am letzten Tag, Stahlblauer Himmel, 33 Grad.  Um 10:15 Uhr Anker auf. Bei schwachem Wind geht es nach Lefkas. Wie immer frischt der Wind beim Anlegen auf. Langsam glaube ich es liegt an mir. Poseidon verzeih, ich zeig Dir niemehr den Mittelfinger. Wir tanken 86 Liter Algenfreien Diesel nach und fahren unseren letzten Anleger am Steg C Platz 33. Mit einer Skooterfahrt quer durch die Insel Lefkas gehen Traumhafte 14 Tage zu ende.  Ich werde lange davon zehren. Vielen Dank an die Crews. Ihr wart großartig!

 

Thomas

 

 

Drei Seebären und ein Liebespaar
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Samstag 5. Mai

Es ist bereits 19:00 Uhr Ortszeit als wir die MERLIN betreten. Das neu eingebaute GPS strahlt uns vom gpsSteuerstand  entgegen. Der Einbau ist ausgezeichnet gelungen. Danke Olaf.  Für große Sprünge ist es schon zu spät. Wir sind müde von der Anreise, verärgert über AirBerlin und hungrig wie Bären. Nach einem ausgiebigen Abendessen und einem Absacker an Bord kommt erstmals wieder dieses Gefühl durch   – ich bin daheim – endlich wieder daheim.

Sonntag 5. Mai (LOG 10.600 NM)

Um 11:30 Uhr nach Frühstück, duschen und einkaufen legen wir ab.  Diesmal geht es Richtung Norden. Anstatt der üblichen Schwenkbrücke bildet eine Autofähre die Verbindung vom Festland nach Lefkas. Aber das Prozedere ist das Gleiche. Zur vollen Stunde wird den Wasserfahrzeugen der Weg freigegeben.  Nachdem wir frei von Land sind ist nach Jahren mal wieder eine mehr oder weniger intensive Einweisung angesagt. Schließlich haben wir mit Ramiro eine absolute Landratte und mit Marie eine erstmalige Wiederholungstäterin an Bord. Schwimmwesten, Liefbelt, Feuerlöscher, MOB-Taste, EPIRB, Rettungsinsel, Signalmittel. Das volle Programm eben. Sogar einen Fender „retten“ wir vorm Ertrinken aus den Fluten.  Danach geht´s den Tonnenstrich an Preveza vorbei in den Ambrakischen Golf. Wir können weite Strecken gut segeln mit richtig Wind und wenig Welle und erreichen unser Nachtquartier schon gegen 17:00 Uhr. In der Bucht südöstlich der Landzunge Panagia gehen wir auf 12 Meter Wassertiefe mit 50 unserer 70 Meter nagelneuen Kette vor Anker. Der Wind bläßt immer noch ziemlich steif und die MERLIN dreht sich wie ein angebundener Hengst um die Kette. Andere Jachten liegen da bedeutend ruhiger. Aber dieses Verhalten kenn ich bereits zur Genüge. Das haben die 33er scheinbar so an sich. So wird an diesem Abend der Begriff SvA geboren. Spaß vor Anker. Wir nehmen es bei Spaghetti mit Pesto und Salat vollkommen gelassen. Und als nachts auch noch der Wind einschläft stören eigentlich nur noch ein paar vereinzelte Schnarchgeräusche die himmlische Ruhe unterm Stternenhimmel.

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Montag 6. Mai

Der erste Blick an Deck treibt mir ein Lächeln ins Gesicht. Entgegen allen Prophezeiungen hat es um 9:00 Uhr bereits Short und T-Shirt-Temperaturen. Das Barometer steht  wie festgenagelt bei 1035hPa. Der erste „Schwumm“ um´s Boot lässt dann aber doch sehr schnell erkennen, dass es erst Frühling ist. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Formfleisch und Spiegeleier lupft Co-Skipperin Ingrid um 11:30 Uhr den Anker aus dem Wasser. Wir wollen den Ambrakischen Golf erkunden segeln weite Teile des Binnenmeeres ab, erkunden den Hafen von Vonitsa und legen einen Badestopp in der Bucht von Paliampela ein. Es herrscht idealer Segelwind und so toben wir uns richtig aus. Immer wo es am besten geht, ohne großes Ziel vor Augen.  Ab und zu eskortieren uns Pelikane. Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum 3 sm entfernten Hafen von Preveza. Dort herrscht, für diese Jahreszeit,  ein ziemliches Getümmel. Eingepackt zwischen zwei Yachten ankern wir mit 40 Meter Kette. Bewölkung und Wind legen etwas zu. Oder ist es bereits die Nacht, die hereinbricht?  Vor Jahren hab ich in einer Seitenstraße mal eine Fischtaverne ausfindig gemacht. Der Chef lächelt schon immer wenn ich komme. Keine Ahnung was bei ihm anders ist, aber es gibt dort den besten Fisch der Welt.

 

Dienstag 7. Mai

Hier in Preveza schlafen alle etwas länger, außer Mathias natürlich. Kommt wohl von der Discomusik die erst endet, wenn der letzte Gast sein Glas geleert hat. Wohl dem, der in der Bugkabine nächtigt.  Aus dem Frühstück an der Hafenfront wurde nur ein Käffchen, da wir noch einen ziemlichen Weg vor uns haben.  Mit frisch gebunkertem Wasser geht es um 10:00 Uhr los. Eigentlich ein einfacher Ableger, wenn sich nicht  eine der Achterleinen bekniffen hätte.  Bei dem Versuch mit Vorwärtsschub los zu kommen machen wir dann doch noch mit unserem Nachbarn Bekanntschaft. Aber alles halb so schlimm.  Um 10:30 Uhr passieren wir bei strahlendem Wetter die erste Tonne hinaus Richtung Meer. Kurs Antipaxos. Bei 6kt Wind gegenan motoren wir erst mal.  Zeit die Spaghettireste vom Sonntag zu vertilgen.  Um 14:00 Uhr, der Wind wird immer stärker, beschließen wir Segel zu setzen und aufzukreuzen. Herrlicher Segelwind, weniger gut zum abspülen unter Deck. Wir kreuzen wie wild drauf los. Den ganzen Nachmittag lang. Nach mehreren Anläufen erkenne ich die Bucht wieder in der ich, aus Korfu kommend, schon einige male genächtigt habe. Die besten Plätze sind natürlich schon belegt und in der Mitte hält, trotz mehrerer Versuche, der Anker nicht richtig. Der Wind pfeift immer noch ziemlich ums Eck. Ich will nachts keinen Stress haben, man wird ja klüger. So machen wir uns auf, nach Paxos in den Hafen.  OK, ich habs selbst bemerkt. Bin zu schräg achteraus gefahren. Die Ankerketten überkreuzen sich mit der Nachbaryacht an Backbord. Aber der Skipper meinte nur gelassen, wir sollen halt morgen vor ihm ablegen. So Yachties sind irgendwie cooler drauf als die gestressten Charterskipper. Auch die Crew der Steuerbords liegenden Yacht, ein Pärchen aus Schweden, sind total nett und relaxt. Kein Wunder sie sind mit Ihrer Traumyacht schon drei Monate unterwegs.

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Mittwoch 8. Mai

Um 8:30 Uhr aufstehen um 8:40 Uhr ablegen. Erstens, weil ich es dem Nachbar versprochen habe. Zweitens, weil wir einen langen Weg vor uns haben. Wir verursachen keinen Ankersalat. Unser Nachbar ist nicht einmal wach geworden. Vorbei an Antipaxos nehmen wir Kurs zur Nordspitze Lefkas auf. Kein Wind, nur Welle. Ausgerechnet heute, wo wir so lange unterwegs sind. Das Navtex meldet 4-5 bft Lokal sogar 6. Aber es weht nur ein Hauch. Beim ausbaumen der Fock bricht sich Mathias fasst die Finger. Zum Glück nur fasst. Bis zur nächsten Klinik wäre es ziemlich weit.  Unser Tagesprogramm: dösen – Schnittchen – dösen – Käffchen – dösen – Retina. Vor lauter Anstrengung haben einige sogar den Besuch eines Delfins verpasst. Kurz nach 16:00 Uhr, nach acht Stunden Schiffschaukel fahren, reisst der Geduldsfaden. Wir geben unseren Plan nach Itaka zu fahren auf und schippern ums Südkap von Lefkas mit Kurs Vasiliki. Nach dem Kap ist schlagartig die Welle weg und durch den Düseneffekt nimmt der Wind enorm zu. Nicht umsonst ist Vasiliki als Surfparadies bekannt. Bei 6 Meter Tiefe stecken wir 50 Meter Kette in den Sand. Das reicht aus. Wir vertilgen etliche Bleche mit selbst gebackener Pizza. Das neue Dinghi wird zu Wasser gelassen und auf Herz und Nieren erprobt. Vom Geschaukel tagsüber müde geworden fallen alle um 22:00 Uhr in die Kojen.   

Donnerstag 9. Mai

9:30 Uhr. Schnell noch ein „eisiger“ Schwumm um die MERLIN bevor wir uns auf den Weg Richtung Süden machen. Wir wollen zwischen den Inseln Ithaka und Kefalonia durch. Die See ist glatt wie die gespannte Plastikfolie in der Augsburger Puppenkiste. Um 13:00 Uhr liegt Fiskardo querab. Die Düse zwischen den Inseln beschert uns die erste leichte Briese. Wir fahren im Schmetterling mit vier, später mit bis zu 5,5kt  durch den Kanal.  Kurzzeitig eskortiert von einem Phantomjäger der griechischen Armee. Als wir die Südspitze Ithakas runden ist durch die Landabdeckung der Spaß vorerst zu ende. Um 17:00 Uhr suchen wir eine nette Badebucht bei Nisos Pera auf. Der Wind frischt wieder auf und wir können noch mal volles Rohr segeln. Allerdings kommt uns der Wind, wie sollte es anders sein, genau entgegen. Beim Aufkreuzen kommen wir unserem Etappenziel, dem Hafen Vathi, nur recht mühsam näher. Am Festland grollen die aufgetürmten dunklen Wolken zu uns herüber.  Bei Ak. Skotariya geben wir (bzw. ich) auf. Sonst wird es einfach zu spät. Um 19:30 Uhr erreichen wir Vathi. Übrigens einer meiner drei Lieblingssorte in Griechenland. An unserem Stammplatz wurden zwischenzeitlich alle Poller und Ringe demontiert oder sind weggerostet.  Wir ankern im Nordöstlichen Teil des Hafenbeckens. Mathias ist an der Reihe. Dinghi fertig machen und los! Das Abendessen nehmen wir in unserer Stammtaverne ein. Wir vermissen den Seniorchef mit den buschigen Brusthaaren. Dafür tragen die Anderen alle schwarz. Keiner traut sich zu fragen.  Das Essen ist trotzdem wie immer traumhaft. Mousakka, Meetballs mit Zitronensaue, Ziege, gebratenes Gemüse Mangold, Zazikki.  Bei der Rückfahrt mit dem Dinghi ist Ingrid sichtlich angetan als sich im Mondschein zwei Yachten im Päckchen aneinander schmiegen. Am anderen Morgen musste sie dann „nüchtern“ feststellen, dass es ein Cat war.     

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Freitag 10. Mai

Alle haben lange geschlafen. Selbst Mathias der jeden Tag pünktlich um 7:30 Uhr aufsteht, hat es heute bis 10:00 Uhr in der Waagerechten gehalten. Angeblich wurde er die ganze Nacht von einer Stechmücke attackiert. Um 11:00 Uhr gehen wir Anker auf. Marie wäre heute am Ruder eingeteilt, hat sich aber gleich wieder zurück gezogen. Um 13:00 Uhr erreichen wir die One House Bay auf der Insel Atokos. Ein traumhaftes Plätzchen Erde. Leider hat sich das unter Seglern bereits rumgesprochen.  Früher hatten wir hier so manche Nacht alleine zugebracht. Heute ist es so überlaufen, dass wir nur vorbei schippern.  Die See ist immer noch glatt wie ein Kinderpopo. Erst gegen 14:30 Uhr kommt Wind auf.  Wir segeln gemütlich östlich an Meganision vorbei. Um 15:30 Uhr sieht man Marie kurz im Niedergang. Unsere Sorgen, sie hätte sich was angetan, sind also völlig unbegründet. Auch ich nehme mir mal eine halbe Stunde Auszeit am Bug. Dem schönsten Platz an Bord. Schön aber unbequem, zumindest für Breitärsche wie mich. Delfine begleiten uns ein kurzes Stück. Der Wind schläft endgültig ein. Wir motoren die restlichen fünf Meilen nach Porto Spilla. Dort soll es neben der schönsten Aussicht auch noch den stärksten Wasserstrahl zum Haare waschen geben. Bei meinen drei Federn am Kopf, absolut bedeutungslos.  Aber es gibt nicht nur Wasser, sondern auch Faßbier an der Strandbar und zwar eiskalt.  Es steht gewaltig Schwell in der Bucht und schaukelt die Yachten am Steg ziemlich durch.  Aber selbst der Boden an Land beginnt nachts zu schwanken.  Oder liegt´s wieder mal am Ouzzo? 

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Samstag 11. Mai

Aufstehen 9:00 Uhr. Um 9:30 Uhr legen wir unter Motor die letzten Meilen nach Lefkas zurück. Die Woche ist wieder viel zu schnell vergangen. Auch wenn die letzten zwei Tage vom Wind her nicht besonders ergiebig waren, so haben wir doch einen Großteil der 215 Seemeilen unter Segel zurückgelegt. Bis auf die Wassertemperaturen konnten wir nicht übers Wetter klagen. Und wir hatten keinen Unfall und keinerlei Störungen. Alles in Allem eine traumhafte aber viel zu kurze Woche bei der Jeder seine Eigenarten voll ausleben konnte.

11:00 Uhr Lafkas Marina Steg C Platz 33 (LOG 10815 NM)

Thomas

 Skipper der MERLIN. Meiner Göttin der Morgenröte.