Rückkehr nach Kas

Nach über einer Woche Barfuß in Shorts und T-Shirt, schlüpfe ich wieder in meine langen Jeans. Es ist drei Uhr morgens. Es geht zurück ins kalte Deutschland mit seinen nächtlichen Minustemperaturen.

Ein recht harmonischer Segeltörn geht unfallfrei zu ende.

Auf dem Weg zu den Sanitäranlagen, erhellen in weiter Ferne Blitze leicht den Nachthimmel. Später, nach der Zwischenlandung in Istanbul gehen diese in Dauerregen über und erleichtern somit den Abschied vom bereits verlängerten Sommer.

Aber zunächst zurück zum Anfang.

Christian, ein eifriger Mitsegler, sagte mir Mitte des Jahres, dass er eine Crew hätte. Und ob ich wohl Zeit und Lust auf einen Segeltörn habe. Auf Segeln hab ich immer Lust, war meine spontane Antwort. So trafen wir uns im Juli 2019 zu einem ersten Briefing. Wir, das sind Uli und Christian, zwei Väter mit ihren zwei Söhnen Laurin und Christoph und mir als Salzbuckel. Nicht nur der Altersunterschied, sondern auch die unterschiedliche Segelerfahrung versprach einen besonderen Reiz.

Logbuch. Donnerstag 24. Oktober 2019, 08:00 Uhr. Sonnig bei 21 Grad 1019hPa

Heute Abend kommt die Crew. Ich bin schon zwei Tage hier, da es Einiges zu regeln gibt.  Unsere MERLIN wird seit diesem Jahr nicht mehr verchartert. Das Boot ist älter, und somit störanfälliger geworden. Die Charterbedingungen in der Türkei haben sich deutlich geändert. Und auch die Charterkunden sind rücksichtsloser geworden. Wir werden Göçek verlassen und MERLIN nach Kas verholen und nur noch für uns nutzen. Dafür war vorab einiges zu klären. Gegen 19:30 Uhr trifft die Crew ein. Die Ruhe an Bord ist definitiv  vorbei. Ein erster Begrüßungsschluck, eine kurze Einweisung in die wichtigsten Dinge an Bord und schon geht´s zum Abendessen ins Özcan Fisch-Restaurant http://www.ozcanrestaurantgocek.com/ 

Freitag, 25. Oktober 2019, 08:00 Uhr. Sonnig 1019 hPa Log 22922 NM Motor 1778,1 Std.

– Abschied von Göçek –

Erstmals gibt es Morgentau auf Steg und Boot. Das Frühstück nehmen wir im D-Cuisine direkt in der Marina ein. Dabei werden Einkaufspläne für den Proviant geschmiedet. Geld tauschen und Lebensmittel bunkern ist angesagt.  Ziemlich genau um 12:00 Uhr legen wir vom Steg C ab und fahren östlich der Insel Göçek Adasi vorbei in den Golf von Fethye. Es erwartet uns leichter Segelwind mit wenig Welle. Ideal um das Schiff und die Segelmanöver kennen zu lernen. Gegen 15:45 Uhr erreichen wir die schmale Einfahrt zum „Bodensee“ bei der Insel Tersane.  Da keine Boje mehr frei ist ankern wir zunächst auf 10 Meter Tiefe und bringen eine Leine zum Land aus.

Log 22946 NM (Trip24NM) Motor 1780,0 Std. (1,9 Std.) 1020 hPa

Später versetzen wir noch an eine frei gewordene Boje.

Abends gibt es plattgedrückte Spaghetti Alio Olio und zusätzlicher Thunfisch-Tomatenmark-Tunke. Dazu Salat und Rotwein.

Am Abend gibt es, für mich völlig unbekannte Kartenspiele bei denen viel Bier getrunken werden muss. Einigen Mitspielern darf man nicht glauben oder nicht in die Augen sehen. Anderen hingegen muss man Nußhaut kauend an den Beinhaaren zupfen. Ein Vorglühritual, wie man mir erzählt. Gegen 22:00 Uhr ist dann, mehr oder weniger, Bettruhe.

Samstag, 26. Oktober 2019, 08:00 Uhr. Sonnig 1020 hPa

Ein paarmal hat unsere Mooring-Tonne an den Bug geklopft. Ansonsten war die Nacht ruhig. Die heutige Tour nach Ekinçik dauert etwa sechs Stunden. Wir haben daher Zeit und verbringen den Vormittag mit schwimmen und schnorcheln und einem ausgiebigen Frühstück. Gegen 11:00 Uhr legen wir von der Boje ab und queren den Bodensee, hin zur breiten Einfahrt bei Tersane. Ab 12:00 Uhr kommt Wind auf. Wir können segeln, müssen allerdings kreuzen. Gegen 17:45 Uhr erreichen wir die My Marina in der Ekinçik-Bucht und machen an Achterleine und Mooring fest. Eine Horde Truthähne bereiten uns einen gewöhnungsbedürftigen Empfang.

Log 22989 NM (Trip 43 NM), Motor 1785,7 Std. (Trip 5,7 Std.)

Das überdurchschnittliche Abendessen im Restaurant der My Marina erleichtert die Bordkasse um 1200 Türkische Lira (ca 200 €). Aber das war es Wert. Den Absacker nehmen wir dann aber doch an Bord ein. Bei Witzen und Schüttelreimen bis zum abwinken.

Besondere Vorkommnisse und Bemerkungen:

  • Motorölstand gecheckt. OK.
  • Christian muss 100mal schreiben, ich darf kein Kerzenwachs verschütten, kann dies aber am Computer tun. 

Sonntag, 27.Oktober 2019, 07:30 Uhr. Sonnig 1019 hPa – Der Königsjodler –

Die heutige Tagestour ist deutlich länger. Wir machen deshalb schon um 08:45 Uhr los und frühstücken unterwegs. Direkt nach der Bucht von Ekinçik kommt, ungewöhnlich bald, Landwind auf. Wir können segeln. Zunächst nur mit der Fock, damit das Boot beim Frühstücken nicht zu sehr kränkt.  Voll besegelt bringt uns der Wind bis Mittag gut voran. Dann schläft er ein. Genau wie der Skipper. Gegen 15:45 Uhr erreichen wir Karakaören und machen an einer der hinteren Bojen und mit Landleine fest.

Log 23029 NM (Trip 40 NM) Motor 1790,8 Std. (Trip 5,1 Std.)

Nach und nach füllt sich die Bucht mit Yachten. Ein Gedränge, das ich hier so noch nicht kannte. Und dies Ende Oktober. Abends bauen sich mächtige Gewitter auf. Auch der Wind wird ziemlich böig, so dass der Restaurantbesuch diesmal etwas kürzer ausfällt. 

Besondere Vorkommnisse und Bemerkungen:

  • Stefan aus Uttenreuth kennengelernt www.segeltraum.de, der letzte Charterkunde unserer MERLIN.  
  • Um Überschüsse abzubauen, wird ab sofort in die Bordverpflegung Tomatenmark untergemischt.
  • Die „Kinder“ lernen den Königsjodler von Fredl Fesl kennen. Nicht immer nur diese „Negermusik“.

Montag, 28.Oktober 2019, 07:45 Uhr. Sonnig 1019 hPa – Kennt Ihr Heintje? –

Es ist wieder stahlblauer Himmel. Lediglich über der See stehen noch Restgewitter die sich aber auflösen. Nachts hat ein Gewitter noch mal für kräftigen Wind gesorgt. Wir machen zeitig los, da heute die größte Strecke der Woche vor uns liegt. Trotzdem werden wir das geplante Ziel, Palamut Bükü nicht bei Tageslicht erreichen. Plan B ist die weit ausladende Bucht Inçe Burun, gegenüber Kaş Stadt. Erst gegen 12:00 Uhr kommt achterlicher Wind auf. Wir versuchen alle möglichen Segelstellungen aus und kommen optimiert mit ca. 4kt voran. Um 14:00 Uhr, nach dem letzten der sieben Kaps nehmen wir den Motor mit zur Hilfe. Position um 16:00 Uhr, querab der Einzelgefahrenstelle.  Um 17:30 Uhr erreichen wir unser Tagesziel. Der Wind hat mittlerweile zugelegt und über die schützenden Hügel pfeifen Fallböen. Mit Landleine und 60 Meter Kette ankern wir, im zweiten Versuch, knapp am Ufer auf 5 Meter Tiefe.

Log 23082 NM (Trip 51 NM) Motor 1798,1 Std. (Trip 7,3 Std.)

Die Jungs zaubern ein Mehrgänge-Menue. Tomatensuppe mit Croutons, Nudelauflauf mit Gemüsestreifen und Hindi. Dazu Thunfischsalat. Hmmm lecker! Nach dem Abwasch gehts noch eine Zeitlang an Deck. Der Wind ist endlich eingeschlafen.  Es ist eine laue, sternklare Nacht. Aus Kaş funkeln tausende Lichter herüber. Am Horizont Richtung Antalya reagiert sich ein Gewitter ab.

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Besondere Vorkommnisse und Bemerkungen:

  • Zum Königsjodler gesellen sich Lieder fürs Herz zum Beispiel von Heintje hinzu.  Für die Jungs ganz neue, musikalische Erfahrungen.
  • Abends wurde das tümpelnde Dinghi zu dicht angebunden. Es gab nachts immer wieder Töne von sich. So eine Mischung aus Flipper und Walgesängen.

Dienstag, 29.Oktober 2019, 08:30 Uhr. Sonnig 1019 hPa – Nackte Nüsse sind was Ekelhaftes! –

Nach der langen Fahrt können wir es heute etwas gemächlicher angehen. Es geht nur ums Eck, nach Kökova Körfezi. Frühstücken, Baden und Schnorcheln ist angesagt. Gegen 11:30 Uhr geht’s los. Uli am Anker, Laurin am Steuer. Ich kommentarlos mit verschränkten Armen. Na geht doch schon prima!

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Nach der Durchfahrt bei Akar Geçidi können wir endlich wieder segeln. Nach zwei gekonnten Halsen steuern wir gegen 14:30 Uhr die erste der Durchfahrten zum Kekova Körfezi an. Wir ankern vor Palamut Bükü. Der Düseneffekt beschert uns starke Böen. So bleibe ich zur Sicherheit an Bord zurück, während die Crew beim Landgang eine alte Lykische Stadt besichtigt. Pünktlich um 17:00 Uhr sind alle wieder an Bord und wir tuckern ein Stück weiter in den inneren Fjord, nach Ügaçik.

Log 23103 NM (Trip 21 NM), Motor 1801,3 Std. (Trip 3,2 Std.)

Bei Hassan genießen wir den Abend mit Vorspeisen und gegrilltem Fisch. Ein Raki-Schwangerer Abend bei Freunden, der viel zu schnell vergeht.   

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Besondere Vorkommnisse und Bemerkungen:

  • Etwas Proviant nachgebunkert.
  • Feuerwerk zu Ehren Kemal Attatürk.
  • Nackte Nüsse zum Absacker an Bord.

Mittwoch, 30.Oktober 2019, 08:30 Uhr. Sonnig 1021 hPa

Um 09:15 Uhr verabschieden wir uns von Ügaçik und dem Kekova Körfezi und unternehmen noch einen Abstecher zur versunkenen Stadt bei Aşar Koyu. Ein letztes Bad, eine letzte Schnorcheltour, dann geht es in die neue Heimat nach Kaş-Marina. Ponton B, Platz 28.

Eine Segelwoche geht zu ende. Mit tollen Erlebnissen, vielen interessanten Gesprächen und jede Menge Spaß. Die Crew hat noch einen Tag Landgang vor sich. Und ich muss vor Ort alles Mögliche klären, damit MERLIN gut behütet über den Winter kommt.

Log 23127 NM (Trip 24 NM) Motor 1806,0 Std. (Trip 4,7 Std.)

Gesamtstrecke 205 Nautische Meilen, Gesamtmotorlaufzeit 28 Stunden, Verbrauch 46 Liter Diesel.

1 Kommentar

  1. Wie immer steigt in mir der Traum zum mitsegeln in den Kopf Aber da ich nicht fliegen darf freue ich mich immer riesig auf die Berichte Danke Thomas dafür

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