…. und wie immer, genügend Bier in der Bilge!

Das waren die guten Wünsche, die Kalle mir vor Reiseantritt mit auf den Weg gegeben hat.

– Danke! Schau mer mal !! –

Wie immer reise ich der Crew zwei Tage voraus, um das Boot herzurichten und anfallende Arbeiten und Formalitäten zu erledigen. Seit MERLIN nicht mehr verchartert wird, muss ich diese Arbeiten vor jedem Törn selbst übernehmen. Kurz vor dem Weiterflug von Istanbul nach Dalaman ertönt immer wieder eine recht lustige Lautsprecherdurchsage. „Wer Zeit hat und erst Mogen ankommen kann, der bekommt von der Fluggesellschaft eine Hotelnacht und 100,- € spendiert“. Overbooked nennt man diesen Zustand wohl. Jetzt wird mir auch schlagartig klar, warum meine Platzreservierung in der letzten Stunde per Handynachricht zweimal verschoben wurde. Und so lande ich letztendlich auf Platz 33F. Dem letzten hinteren Sitz in diesem Flieger. Glück gehabt. Auf dem Weg von Dalaman nach Kaş lege ich einen kurzen Zwischenstopp in Göҁek ein. Nesli, Serkans Frau wartet dort, wie verabredet, bereits am Straßenrand und erhält meinen Anteil der Liegegebühr 2027 und eine Packung Nürnberger Lebkuchen von mir. Um knapp 4.000 Euro erleichtert, geht es bei Sonnenuntergang weiter zur MERLIN.

Das elektronische Zugangssystem zu den Stegen wurde erneuert und ich stehe quasi vor verschlossener Tür. Ein Marinero hilft und leiht mir bis Morgen seine Karte. Der erste beherzte Sprung an Bord ist immer der aufregendste, da sich die Gangway ja noch an Bord befindet. Aber die müden Knochen machen noch alles mit. Und die Wampe erzeugt genügend Schwungmasse, um nicht ins Wasser zu fallen. Ein dumpfer Schlag und ich bin an Bord meiner geliebten MERLIN. Zwanzig Jahre währt unsere Freundschaft nun bald. Als erstes die Gangway, sprich Passarella ausbringen. Dann kann das Gepäck gefahrlos übergebracht werden. Zumindest, wenn man nüchtern ist. MIGROS der Supermarkt hat noch geöffnet. Schnell was zum Beißen besorgen. Und ein paar Dosen Bier. Ankunftsmeldung an zuhause. Essen, Trinken, entspannen und ab in die Koje.

Freitag, der 9. Oktober 2026

Bis 8:30 Uhr durchgeschlafen. Offensichtlich vertrage ich das türkische Bier nicht mehr. Oder es war eines zu viel. Im Marina-Office bekomme ich im Tausch eine eigene Zugangskarte ausgehändigt. Auch eine Elektronische aufs Handy geladen. Für die Uhrzeit ist es bereits außergewöhnlich warm. Zumindest für mich, der aus dem Frankenland kommt. Serkan hat das Boot außen pikobello geputzt und poliert. Die Chrom- und Edelstahlteile spiegeln sich in der Sonne. Sehr hübsch anzuschauen. In meinem Mittags-Stammlokal hat wohl der Besitzer gewechselt. Es wird nur noch ein Einheits-Essen angeboten. Aber die Leute stehen schon Schlange, bis punkt 12:00 Uhr die Rollläden hochgezogen werden. Geschmacklich gut und inclusive Nachspeise für zusammen 4,- €. Da kann man wirklich nicht meckern. Nach dem Essen geht es ins Stadtbüro von Hassan, meinem Agenten mit dem schönen Nachnamen Arrarat. Er erledigt für mich der Behördengänge für das jährlich zu beantragende Transit-Log. Alles ist perfekt vorbereitet. Nur der Preis ist nicht so perfekt. Er nimmt mir glatt 325,- Euro dafür ab. Und nur in bar. Ich muss alle Euros und Liras zusammenkratzen. Schlagartig ist mein Geldbeutel leer. Und der Törn hat noch gar nicht begonnen. Burkhard hat sich angeboten mich zu kutschieren. Es gibt wie immer viel zu erzählen, wenngleich sich die Themen mit den Jahren verändert haben. Immer häufiger tauchen Geschichten von Krankheiten, Gebrechen, Reha und Klinikaufenthalten auf. Aber das ist halt so, wenn wir von unserem Lebens-Maßband schon weit über die Hälfte bereits abgerollt haben. Den Sundowner nehme ich alleine an Deck ein. Bei Life-Musik aus der Bar, fränkischer Wurst und türkischem Bier. Irgendwie auch mal schön, so allein zu sein.

Samstag, der 10. Oktober 2026

Der Morgen beginnt mit Extrem-Körperpflege. Sprich, mit duschen. Danach muss ich endlich mal meinen Seesack auspacken und die Klamotten verstauen. Die Crew kommt heute Abend an. Mady, die Katze vom Nachbarschiff kommt mich besuchen. Sie wird immer zutraulicher. Letztes Jahr durfte ich sie noch nicht Mal anfassen. Jetzt genießt sie es, gestreichelt zu werden. Nachdem ich das Frühstück mal wieder ausgelassen habe, erlaube ich mir ein Mittagessen im Yeşil Restaurant, wo ich wie immer freundschaftlich begrüßt und verwöhnt werde. Die Crew meldet sich mittlerweile aus Istanbul und kämpft um den Weiterflug. Der Flieger scheint also chronisch überbelegt zu sein. Es wird Zeit für mich, das versprochene Begrüßungsbier zu besorgen und kalt zu stellen. Dann werde ich mich wohl noch etwas langlegen, bevor hier Lärm und Hektik ausbricht. Ich teste die aus Deutschland mitgebrachte Mini-Alarmanlage aus. In der Hoffnung sie nie ernsthaft gebrauchen zu müssen. Es ist schon dunkel als Lydia, Christian und Mathias eintreffen. Nach dem Begrüßungsschluck geht es noch auf einen Cheeseburger in die Oxygen-Bar. Zurück an Bord setzt dann langsam die Erschöpfung ein.

Sonntag, der 11. Oktober 2026

08:00 Uhr 1013 hPa Sonnig

Alle waren sie schon mehrmals hier mit an Bord. Eine ausführliche Einweisung kann ich mir deshalb sparen. Lediglich ein paar notwendige und sicherheitsrelevante Punkte sprechen wir durch. Anschließend Frühstück im neu eröffneten era-Restaurant an der Hafenfront. Dann das Boot segelfertig machen und entsprechend Proviant einkaufen. Und plötzlich steht die Welt in Schieflage. Sämtliche Instrumente am Steuerstand bleiben stumm. Kein Strom. Mathias läuft zur Höchstform auf. Sicherungen checken, sämtliche Stromkabel überprüfen und zurückverfolgen. Mit Spannungsmessgerät und allen möglichen Tricks versuchen wir dem Fehler auf die Spur zu kommen. Langsam verdichtet sich die Vermutung, dass ein Relaise im Schaltschrank seinen Dienst versagt hat. Da ist mit den vorhandenen Bordmitteln nichts mehr zu machen. Serkan, den wir anrufen, setzt sich sofort in Bewegung und verspricht Ersatzteile mitzubringen. Er kommt zwei Stunden später mit Bud an, dem Eigner der Motoryacht neben uns. So lerne ich ihn auch mal kennen. Gegen 15:00 Uhr können wir tatsächlich los. Der Ableger wird eine echte Katastrophe. Schon lange habe ich mich nicht mehr so blamiert. Die Marineros, die jedes Mal beim Ablegen helfen, sind zwei unerfahrenne Burschen. Sie könnten problemlos helfen, haben aber irgendwie keinen Plan. Naja irgendwann sind wir dann frei. Haben auch keine der Leinen in der Schraube und sind auch nicht auf Grund gelaufen. Blamabel bleibt es trotzdem. Wir sind gerade an der Marina-Ausfahrt vorbei, tauchen die nächsten Probleme auf. Die Windanzeige hat zwar jetzt Strom, zeigt aber nichts an. Ebenso der Geschwindigkeitsmesser, genannt Speed-Log. Na gut, dann müssen wir den Wind schätzen und die Richtung am Verklicker am Mast ablesen. Bei der Geschwindigkeit hilft die Anzeige am GPS. Also alles halb so wild. Aber meine Stimmung bewegt sich Richtung Keller. Wir kreuzen eine Zeitlang aus der Bucht. So kommt dann doch etwas Segelstimmung auf.  Und irgendwann springt dann tatsächlich der Windmesser an. Statt der im Wetterbericht angekündigten 6 Knoten sind es mittlerweile 22.

Lydia testet pro forma schon mal ihre Schwimmweste. Man kann ja nie wissen. Mit Vorwindkurs geht es Richtung BAYINDIR LIMANI, unserer ersten Übernachtungsbucht.  Das Segelvergnügen währt aber nicht allzu lange. Nach zwei handgebremsten Halsen bergen wir die Segel. Kurs zum Ankerplatz meines Vertrauens. Dort erwartet uns die nächste bitterböse Überraschung. Die Ankerwinde macht keinen Zucker. Die Sicherung ist drin, Strom ist drauf. Das hört man am Klacken. Bei Betätigung der Fernbedienung fällt deutlich die Bordspannung ab. Serkan ist zum Glück noch in der Marina geblieben. Seine telefonischen Ratschläge sind aber leider nicht zielführend. Wir gehen an eine der freien Bojen und verabreden morgen früh zurück in die Marina zu kommen. Abends bekocht uns Mathias. Dass der Herd erst nach unzähligen Versuchen anspringt, wir vorher noch die Gasflasche und den Druckminderer testen, die Leitungen und Absperrventile prüfen, bis endlich Gas am Herd ankommt, davon will ich erst gar nicht schreiben. Aber das allergrößte Unglück nahm jetzt erst seinen Lauf. Mathias hat statt normalen, versehentlich Milchreis eingekauft. Die Katastrophe ist komplett. Jetzt hilft nur noch Bier. Viel Bier!

Montag, der 12. Oktober 2026   

07:45 Uhr, 1013hPa, sonnig, mit hohen Schleierwolken und einigen Cumulanten. 

Nachts hat es ziemlich geschaukelt. Auch die Boje hat des Öfteren mal an den Bug geklopft. Wir fahren zeitig zurück und sind um 9:30 Uhr am Steg C, wo wir bereits von Serkan und Bud erwartet werden. Recht schnell stellt sich heraus, dass der Motor der Ankerwinsch defekt ist. Der sieht auch ziemlich heruntergekommen aus. An eine schnelle Reparatur ist nicht zu denken. Ein neuer Motor muss her. Er steht in Göҁek zur Verfügung und wird von Serkans Mitarbeitern angeliefert.

Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder startklar, beschließen aber, die Nacht noch hier zu bleiben. Serkan hat uns telefonisch in Smiley´s Fischrestaurant angekündigt und will auch noch die Zeche übernehmen. Die zahlen wir aber dann doch lieber selbst. Im Smiley´s treffen wir auf Burkhardt, der mit uns zu Abend isst. Vorher statten wir aber noch dem Amphitheater in Antiphelos einen Besuch ab. So wurde Kaş übrigens in der Antike genannt. Den Sonnenuntergang verpassen wir um Haaresbreite. Ist aber nicht schlimm, da bereits erste Wolken den Himmel bedecken. Entschädigt werden wir von Klängen eines Duos die die passende Musik zum historischen Ambiente liefern.

Als wir nach dem Abendessen zurück in der Marina sind, tönt schrille Discomusik aus Lautsprechern. Eine Segelregatta von Russen ist eingefallen und feiert ausgiebig und laut bis weit nach Mitternacht. Für das Geld der Russen nehmen die Türken so manche Unannehmlichkeit in Kauf. Leider vergrämen sie dadurch ihre Stammkunden.

Dienstag, der 13. Oktober 2026

08:00 Uhr, 1015 hPa, 7/8 Bewölkung

Die Wettervorhersagen sind recht mehrdeutig. Man kann sich die beste Version aussuchen. Aber heute weisen alle Berichte auf ein großes anrückendes Tiefdruckgebiet hin. Wir beschließen deshalb, nur eine Tagestour zu unternehmen, um am Abend wieder in der Marina zu sein. Auch wenn sich etwas Enttäuschung breit macht. Aber ich möchte nichts riskieren. Aus dem Alter bin ich eigentlich raus. So machen wir uns gegen 9:45 Uhr auf den Weg. Übrigens mit einem perfekten Ablege-Manöver. Zunächst geht es zur Fäkalien-Abpumpstation. Seit neuestem drohen drakonische Strafen, wenn man keine Entsorgung nachweisen kann. Um 10:15 Uhr steuert uns Lydia aus der Marina.

Leider herrschen nur 4 bis 6 kt. Wind. An segeln ist also nicht zu denken. Wir nehmen Kurs NW bis zur Insel SARIBELEN. Der Anker fällt auf 10 Meter Tiefe mit 35 Meter Kette. Die Winsch funktioniert tadellos. Die Sonne blinzelt etwas hervor. Es ist warm und warm genug, um zu baden.  Mittags Schnittchen und Bierchen. Gegen 15:00 Uhr verdichten sich die Wolken und wir treten die Rückfahrt an. Da bemerken wir am Horizont hinter der Insel eine Windhose. Wie wir uns noch fragen, wie so etwas entsteht, bildet sich eine Zweite, viel nähere. Weitere folgen. Letztendlich zählen wir fünf Stück. Und ihr Abstand zum Boot ist mitunter nicht besonders groß. Langsam werde ich unruhig. Bereite mich gedanklich auf ein Zusammentreffen vor. Alles Tuch, wie Sprayhood und Persenning wegpacken. Wer an Deck bleibt, Schwimmwesten anlegen und Lifebelt einpieken. Der Rest der Crew unter Deck und alles dicht machen. Zum Glück kommt es nicht so weit. Die bedrohlichen Säulen lösen sich, nach einigen Minuten immer wieder auf.

Dafür beginnt es stark zu regnen, bis Festland und Inseln nicht mehr zu sehen sind.

Die Regenfront zieht schneller als wir fahren. So können wir in der Marina einigermaßen entspannt und trockenanlegen. Wir bleiben abends an Bord. Trocknen unsere Klamotten. Es gibt Schinkennudeln. Und als Nachspeise – natürlich Milchreis – Der Landstrom funktioniert mal wieder nicht. Kein Wunder, bei unserer Pechsträhne. Noch vor 23:00 Uhr fallen wir ziemlich erschöpft in die Kojen.

Mittwoch, der 14. Oktober 2026

09:00 Uhr, 1010 hPa, 8/8tel bewölkt

Heute Nacht ging´s ziemlich rund. Heftiger Regen, heftige Gewitter. Blitz und Donner bis in die Morgenstunden. Abgelöst von Starkwinden. Gegen 9:30 Uhr beruhigt sich die Lage etwas. Wir unternehmen einen Landausflug und buchen bei der Gelegenheit für Sonntag 14:00 Uhr gleich unseren Rücktransfer nach Antalya. Den Minibus zu 130,- €. Bei einem Käffchen in der Altstadt holt uns die nächste Front ein. Nass bis auf die Unterhosen erreichen wir die Marina. Während es draußen blitzt, und kracht werden Themen behandelt wie beispielsweise die Preisexplosion von Aperol oder die Erhöhung der Reaktionsfreudigkeit von Hefe im Teig. Eine Schlechtwetterfront nach der anderen bricht über uns herein. Langsam bezweifle ich, dass wir morgen wieder auslaufen können. Es kreiselt ein riesiges Tiefdruckgebiet über großen Teilen der Türkei. Pappsatt von Mathias Pizza wandern wir gegen 23:00 Uhr in sämtliche Betten.

Donnerstag, der 15. Oktober 2026

08:00 Uhr, 1010 hPa, Sonnig

Gestern kam noch die Nachricht rein, dass es hier in der Region viele Überschwemmungen gab. Uçagiz unser geplantes Tagesziel sei extrem stark betroffen. Als wir die Bilder und Videos von Ausmaß sehen, sind wir erschüttert.

Hassan, meinen alten Freund, brauchen wir da wohl nicht zu besuchen. Der hat sicherlich anderes zu tun, als uns zu bekochen. Wir entscheiden uns als Ziel Polemos Bükü anzusteuern. Die Bucht soll nicht von den Überschwemmungen betroffen sein. Um 09:00 Uhr legen wir ab. Übrigens wieder mit einem perfekten Ableger. Zwischen dem Festland und Kastelorizon können wir sogar eine Zeitlang segeln. Gegen 11:00 Uhr querab COBAN BURUN übernimmt Christian das Steuer. Die Unwetter haben nur wenig Wind, aber dafür recht hohe und langgezogene Wellen hinterlassen. Lydia ist, gelinde ausgedrückt, nicht besonders wohl. Gegen 14:00 Uhr treffen wir in der Bucht ein. Wir ankern mit 50 Meter Kette auf 8 Meter Tiefe. Das Vertrauen in die Ankerwinde steigt wieder. Nachmittag ist der hier obligatorische Landausflug angesagt. Ich kümmere mich derweil um ein paar kleinere Reparaturen an Bord und erledige meine aufgestauten eMails.

Am Abend ist Kapitäns-Dinner angesagt. Spaghetti mit zweierlei Saucen und einem gemischten Salat. Wobei zu sagen ist, dass auch alle anderen Gerichte hervorragend waren und in nichts nachstanden. Wenigstens kulinarisch war der Törn bisher tadellos.  Wie immer herrscht um 23:00 Uhr Nachtruhe.

Freitag, der 16. Oktober 2026

07:30 Uhr, 1012 hPa, hohe Schichtbewölkung. LOG 20.610 NM Motor 24014 Std.

Die Toilettentüre hat sich nachts, wie durch Geisterhand, verriegelt. Aber für den, der den Trick kennt, stellt das kein Hindernis dar. Die dünne Stange des Milchaufschäumers dient als Schlüssel. So können in kurzer Zeit vier „Kupferbolzen“ in der Schüssel versenkt werden. Wenngleich die Pumpmechanik für manchen ein ewiges Rätsel bleibt. Das Wetter soll sich am Nachmittag wieder deutlich verschlechtern. Und so machen wir uns um 9:00 Uhr bereits wieder auf den Rückweg. Bei dieser ständigen Unbeständigkeit möchte ich am Abend zumindest in der Nähe der Marina sein.

Die ganze Strecke bis BAYINDIR bleibt es windstill. Erst als wir bereits die Bucht erreicht haben, frischt der Wind allmählig auf. Aber laut Wetterbericht handelt es sich nur um ein kurzes Aufbäumen, weshalb wir nicht nochmal rausfahren. Dass der Wind den ganzen Abend und die ganze Nacht anhält, können wir ja nicht ahnen.

Wir beschränken uns aufs Schwimmen und der intensiven Beobachtung einer Forschergruppe, die von einem alten Arbeitskahn irgendwelche Amphibien in und unter Wasser erproben. Aus Faulheit haben wir, statt den Anker, wieder eine Boje genommen was uns noch leidtun wird. Abends gibt es Christians Spezial-Nudel mit Käse-Pfeffer-Sauce. Wir hören erstmals Musik aus der Bord-CD-Sammlung. Und wie üblich wirds um 23:00 Uhr still im Boot. Vorher muss noch etwas improvisiert werden, da das Ankerlicht ausgefallen ist. Die Pechsträhne scheint nicht abzureißen.

Samstag, der 17. Oktober 2026

07:30 Uhr, 1012 hPa, 5/8 hochreichende Quellwolken. LOG 20631NM, Mot. 2412,9

Durch den Wind und Merlins „Drehfreudigkeit“ hat die ganze Nacht immer wieder die Boje ans Boot geklopft. Manchmal ist sie sogar an der Bordwand entlang geschrammt und hat dabei laute Kratzgeräusche erzeugt. So, wie wenn ein Schwertfisch langsam den Rumpf aufschlitzt. Gegen 3:00 Uhr reicht es mir. Durch Dichtholen der Leine kann ich die Schabegeräusche ausschalten. Aber das Geklopfe war die ganze Nacht nervig präsent. Da für den frühen Nachmittag wieder Starkregen angesagt ist, sind wir bereits um 7:30 Uhr losgefahren. Bei Wellen über einen Meter hoch, gab es, wie übrigens jeden Morgen, den Obligatorischen Cappuccino. Man tat allerdings gut daran, heute die Tassen nur halb voll zu machen. Gegen 09:00 Uhr an der Tanke 46 Liter Diesel nachgetankt und den letzten Anleger am Steg C Platz Nr. 1 hingezaubert. Schnell die Luft aus dem Dinghi gelassen und in der Packs-Kiste verstaut, bevor uns der nächste Regen erwischt. Der ließ dann allerdings doch recht lange auf sich warten, so dass wir trockenen Fußes bis ins Yesil-Restaurant kamen und erst am Heimweg wieder tropfnass wurden. Den letzten Abend verbrachten wir im Sempati-Restaurant wo ich, wie immer zu Törnende, mein leckeres Steak abbekam. Auch die anderen Crewmitglieder waren von den Speisen regelrecht begeistert. Auch Burkhardt kam an dem Abend nochmal hinzu und musste sich unsere Leidensgeschichten anhören.

Anschließend wurde an Bord versucht, die letzten Biervorräte zu vernichten, was uns aber nicht ganz gelungen ist. Serkan wird sich freuen! Auch Mady, die Nachbarkatze stattete nochmal einen Abschiedsbesuch ab. Dann ging der Abend zu ende.   

Sonntag, der 18. Oktober 2026

08:30 Uhr. 1014 hPa, Sonnig und wolkenlos

Der Törn ist zu ende und die Sonne strahlt vom stahlblauen Himmel. Wer das versteht? Das erste Mal können wir an Deck frühstücken.

Christian bricht in seine schon gewohnte Hektik aus und hat vier Stunden vor Abreise seinen Seesack bereits komplett gepackt. Die anderen gehen den Tag etwas gemächlicher an. Es folg das übliche prozetere. Seeventile und Luken schließen. Wassertank füllen. Landstrom abklemmen. Außenborder abschließen usw. usw. Die Reinigung der Bettwäsche und das Bootsinnere haben wir bereits am Vortag mit Efe besprochen. Für Beides zusammen hat er uns nochmal 200,- € aus der Bordkasse gezwickt. Die letzte Amtshandlung bleibt den Skipper vorbehalten. Ein letzter Durchgang durchs Schiff. Alle Kabinen checken und einmal an Deck ums Boot. Leinen prüfen und Fender richtig positioniert. Absperren. Dann geht auch der Kapitän von Bord. Ein nobler, wenn auch nach Abgasen riechender, Bus bringt uns pünktlich nach Antalya. Auf halber Strecke, die übliche Zigarettenpause. Da (fast) keiner von uns raucht, stopfen wir uns noch mit Cappuccino und übersüßem Gebäck voll. Am Flughafen geht es wie immer stressig zu. Wir überstehen die drei Checks und sitzen pünktlich im Flieger. Ebenso pünktlich schlagen wir in Nürnberg auf. Wo wir uns mit Hunde-Gejaule herzlich voneinander verabschieden und jeder seiner Wege zieht.

Ein Törn mit vielen Kanten und Ecken endet hier. Und trotzdem, mir hat es Spaß gemacht. Bei Schönwetter kann jeder!!